56 › Titelthema Wölfe in Gefahr: Abschuss statt Koexistenz Als Region mit der längsten Wolfshistorie in Deutschland zeigt die Lausitz, dass ein gutes Zusammenleben von Mensch und Wolf möglich ist. Schäfer, die schon seit Jahren Herdenschutz betreiben und diesen stetig verbessern, haben sich mit dem Wolf erfolgreich arrangiert. Klare Regelungen zum Umgang mit dem Wolf vermeiden Konflikte. In der Bundespolitik dominiert beim Wolfsthema leider Populismus. CDU und SPD haben gemeinsam mit der AfD am 5. März für Bejagung und Abschuss des Wolfs statt friedlicher Koexistenz gestimmt. Angeblich sollen sich dadurch Schäden in der Weidetierhaltung verringern. Dabei zeigen zahlreiche Studien aus Europa und den USA, dass eine Wolfsbejagung nur zu mehr Mensch-Wolf-Konflikten sowie mehr toten Weidetieren führt. 26 Jahre erfolgreicher Artenschutz könnten durch die aktuellen Gesetze – die sich gegen Wissenschaft, Recht und den Mehrheitswillen unserer Bevölkerung richten – bald ein Ende haben. Denn der Wolf ist erst der Anfang. Inzwischen wird auch über die Bejagung weiterer konfliktreicher Arten wie Kormoran, Biber, Fischotter und Co. gesprochen. Erstmals seit Jahrzehnten gibt es derart weitreichende Rückschritte im gesamten Natur- und Artenschutz. Der Wolf ist damit nicht nur ein Symbol für die Lausitz, sondern für die Koexistenz von Mensch und Natur in ganz Deutschland. Tierbabys im Visier Bundesregierung und Jagdverbände sind sich bereits einig: Besonders die unschuldigen, wehrlosen Wolfswelpen sollen von der nun ermöglichten Jagdzeit ab dem 1. Juli betroffen sein. In manchen Bundesländern ist die Rede davon, 40% der Welpen aus den Familienverbänden zu erschießen. Sie sind ein leichtes Ziel für die Jäger. Herdenschutz funktioniert Durch Herdenschutzzäune und -hunde haben Weidetierhalter einen Weg gefunden, ihre Tiere vor dem Wolf zu schützen, sodass die Zahl gerissener Weidetiere gerade in der wolfsreichen Lausitz stark zurückgeht. Mit der beschlossenen Wolfsbejagung könnten Konflikte zwischen Mensch und Wolf und auch Weidetierrisse jedoch wieder zunehmen – das bestätigen Studien in vielen Ländern. Fotos: Axel Gomille Foto: Steffen Heiber
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