68 › Titelthema Von uns und unseren Referenten bekommen die Kinder ein möglichst objektives Bild vom Wolf. Wir möchten den Kindern vermitteln, dass auch der Wolf ein ganz normales Wildtier ist, wie jedes andere auch. Wir vermitteln spielerisch Wissen zum Aussehen, dem Verhalten, der Biologie und Ökologie des Wolfes, sowie seiner Rolle im Ökosystem. Je nach Wissensstand und Aufnahmefähigkeit der Klasse werden auch die Problematiken angesprochen und besprochen und nach Lösungen, teilweise mit den Kindern, gesucht. Auch Kitas nehmen unser Angebot immer mehr in Anspruch. Ihnen wird natürlich sehr vereinfacht und spielerisch das Thema Wolf näher gebracht. Studien zeigen, dass Kinder immer mehr Zeit drinnen vor dem Bildschirm und weniger Zeit in der freien Natur verbringen. Wirkt sich die sinkende Draußenzeit der jungen Generation auf ihr Verständnis von und ihre Beziehung zu Wildtieren wie dem Wolf aus? Tatsächlich gibt es im Verständnis von Natur und Wildtieren enorme Unterschiede, wobei es meiner Erfahrung nach aber mehr auf die Philosophie der jeweiligen Schule, bzw. maßgeblich auf die Einstellung der Lehrer ankommt. Wir hatten schon Klassen aus Großstädten, wo die Vermutung nahe lag, dass diese Kinder nie draußen sind, und dann andere Klassen, ebenfalls aus der Großstadt, die sich total gut auskannten und einfach gerne draußen unterwegs sind. Ich glaube, es findet langsam wieder ein Umdenken statt, sowohl bei den Eltern, als auch bei den Lehrern. Das Verständnis für die Wichtigkeit der Natur wird wieder bewusster. Generell haben Kinder, die vermutlich weniger Draußenzeit haben, einen sehr theoretischen Blick auf Natur und Tiere. Sie erzählen dann nicht aus der Erfahrung heraus, sondern dass sie das schon mal im Fernsehen gesehen oder in einem Buch gelesen haben. Sie sind dadurch der echten Natur sehr entfremdet, finden Matsche auf dem Weg ekelig, fürchten sich vor Brennnesseln und haben Angst um ihre Frisur, wenn man durchs Gebüsch läuft. Bezogen auf den Wolf kann dieses theoretische Wissen sehr unterschiedlich ausfallen in der Meinung über den Wolf. Manche finden ihn sehr spannend und mystisch, andere sehen ihn eher als großen Hund und wieder andere haben schon auf unseren kleinen Exkursionen Angst, dass wir einem Wolf begegnen könnten. Die Umweltbildungsstelle Wolf ist die zentrale Einrichtung für Umweltbildung zum Thema Wolf in Sachsen. Im Erlichthof Rietschen zu Hause, liefert sie Schulklassen, aber auch Familien Informationen u.a. in einer Ausstellung und vielen individuellen Exkursionen ins Wolfsland. Wir sprachen mit Carolin Stern, Umweltpädagogin der Einrichtung. Durch Ihre umweltpädagogische Arbeit in der Wolfsscheune sind Sie viel in Kontakt mit Familien. Unterscheidet sich die Einstellung gegenüber dem Wolf zwischen Eltern und deren Kindern? Ja, meistens schon. Die Kinder sind meist noch aufgeschlossener und unvoreingenommener als die Erwachsenen und nehmen die Probleme, die die Erwachsenen bei dem Wolf sehen, noch nicht so wahr, sondern finden einfach das Tier spannend. Allerdings merkt man auch, wenn in der Familie voreingenommene Meinungen vorherrschen, dann kommen auch von den Kindern „Erwachsenenaussagen“, wie z.B. „Der Wolf frisst immer mehr Schafe.“. Wird der Wolf in den Lausitzer Kitas/Schulen thematisiert? Und wenn ja, welches Bild vom Wolf wird den Kindern vermittelt? Ja, wird er. Er passt auch ganz gut in den Lehrplan der 3. Klasse, wo es um den Wald geht. Daher sind wir auch viel in Grundschulen unterwegs. Aber auch weiterführende Schulen kommen gerne zu uns, wenn sie auf Klassenfahrt in den umliegenden Schullandheimen sind. „Der Wolf ist ein ganz normales Wildtier“ Interview mit Carolin Stern von der Umweltbildungsstelle Wolf Sachsen
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