70 › Titelthema Wolfstag am 17. Oktober 2026 eröffnet. Die Besucher erwartet dann eine völlig neue, interaktive Ausstellung, die sowohl Fakten zum Wolf (Biologie und Ökologie) vermittelt als auch zum Nachdenken anregt, z.B. durch die Offenlegung der Probleme für die Nutztierhaltung. Eine Wolfshöhle, die von innen betrachtet werden kann, entführt die Besucher in die Welt der Jungenaufzucht und erklärt das Wolfsjahr und die Rudelstruktur. Eine Sinnesstation offenbart die Fähigkeiten des Wolfes. Wir wollen mit der Ausstellung beide Seiten, also Wolfskritiker als auch die Befürworter, erreichen und erwirken, dass sich die gegensätzlichen Seiten verstehen lernen. Denn das einzige, was dem Wolf UND uns Menschen hilft, ist ein Verständnis füreinander und ein ständiger Austausch. Nur so können gute Lösungen für eine konfliktarme Koexistenz entwickelt werden. Wie können Eltern ihren Kindern den Wolf auch im Alltag näherbringen? Ich glaube, wir müssen das Thema größer denken. Es sollte nicht darum gehen, den Kindern einzelne Arten näher zu bringen, sondern eine wertfreie, respektvolle Grundeinstellung zu vermitteln. Kinder haben den entscheidenden Vorteil, dass sie Vorurteilsfrei alles entdecken wollen und spannend finden. Eine Wertung zu Situationen, Zuständen, Tieren und Pflanzen geben erst die Erwachsenen dazu (blödes Unkraut, schmerzhafte Brennnessel, böser Wolf, scheues Reh, blöder Regen, schlechtes Wetter,…). Wenn wir unseren Kindern vermitteln, respektvoll mit der Umgebung umzugehen und die Dinge so zu akzeptieren, wie sie eben sind, nehmen wir die Bewertung und damit die Angst und dann ist jedes (Wild)Tier gleichwertig. Eltern sollten also mit den Kindern in die Natur gehen und sie selbst entdecken lassen. Sollte sich das Kind an einer Brombeere piksen, ist das kein Drama, sondern der Abwehrmechanismus der Pflanze. Das nächste mal erkennt das Kind die Pflanze und greift nicht einfach zu. Es lernt Zur Autorin: Neela-Medea Löder ist engagierte Natur- und Artenschützerin und studiert derzeit Public Relations und Kommunikation. Sie ist Mitglied im NABU und interessiert sich vor allem für den Erhalt von konfliktreichen Arten und die Koexistenz von Mensch und Wildtier. Hier hat sie sich insbesondere in der aktuellen Debatte um den Wolf und die Gesetzgebung im Deutschen Bundestag engagiert, den ersten übersichtlichen Faktencheck zum Thema geliefert, persönliche Gespräche mit vielen relevanten Bundestagsabgeordneten geführt und ist inzwischen Teil einer Community, die sich nach der Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht umso mehr für den Schutz der gefährdeten Tierart engagiert. Dazu hat sie die Kampagne „Gesicht zeigen für den Wolf“ gestartet. also, ohne die Pflanze „blöd“ zu finden. So kann es auch die Tierwelt kennen- und wertschätzen lernen. Gibt es im Gegensatz zu Rotkäppchen Geschichten oder Kinderbücher, die ein positives Bild vom Wolf vermitteln? Ja, gibt es. Der Wolf ist in allen Formen und Varianten sehr beliebt in der Literatur. Dabei ist er manchmal der Böse, manchmal der Freund, manchmal der Retter, manchmal der Magische. Man sollte Geschichten um den Wolf (und generell im Leben) immer hinterfragen und reflektieren können. Ich glaube auch nicht, dass Rotkäppchen und Co. für das schlechte Image des Wolfes bei manchen Menschen ursächlich sind. Kinder nehmen auch „das Böse“ nicht einfach so hin, sondern stellen Fragen zu den Geschichten. Da gilt es auch wieder zu erklären und Zusammenhänge und die Realität aufzudecken. Im Gegenzug sind nämlich Geschichten, die den Wolf romantisch verklären, ebenso schädlich und kontraproduktiv für den Wolf, wenn sie nicht hinterfragt werden. Bei Interesse an Literatur können die Leute gerne zu uns in die Umweltbildungsstelle kommen. Wir haben eine kleine Bibliothek mit verschiedensten Büchern rund um den Wolf, die ausgeliehen werden können. Was würden Sie Familien empfehlen, die das Leben der Wölfe in der Lausitz unterstützen möchten? Was den Wölfen am meisten hilft, ist Akzeptanz und weniger Diskussion. D.h. Menschen sollten sich über den Wolf, und zwar in alle Richtungen, informieren. Dafür können sie natürlich gerne unsere Veranstaltungen oder ab Herbst unsere neue Ausstellung besuchen. Wichtig ist ein konstruktiver Diskurs und lösungsorientiertes Denken. Das muss man sich unter Umständen erst aneignen und dann natürlich weitergeben – an die eigenen Kinder, an Nachbarn oder Verwandtschaft. Danke für das Interview.
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