48 › Spezial Am 13. Mai ruft das Bündnis KiTAKOLLAPS alle Kitas in Brandenburg auf, nach 8 Stunden Öffnungszeit zu schließen. Der Hintergrund: Das Land finanziert die Betreuung der Kinder rechnerisch nur für einen Zeitraum von 7,5 Stunden. Mitstreiter gibt es lausitzweit, so unter anderem auf dem Ernst-Mucke-Platz in Cottbus, wo die Kita Humi Kids in Kooperation mit dem Cottbuser Kita-Elternbeirat eine Protestaktion veranstaltet. Wir sprachen dazu mit Sarah Ostrowski, Sprecherin des Beirats und Gründungsmitglied von KiTAKOLLAPS. Sarah, worin besteht eure Kritik am Kita-System und warum ist es gerade jetzt so wichtig, dass Eltern und Erzieher gemeinsam laut werden? Unsere Kritik am Brandenburger Kita-System besteht seit vielen Jahren. Es geht um grundlegende, strukturelle Probleme, die alle Kitas in Brandenburg betreffen – auch wenn sie für Eltern vor Ort unterschiedlich stark sichtbar sind. Seit Anfang dieses Jahrs werden unsere Kitas nur noch für 7,5 Stunden Betreuungszeit pro Tag finanziert. Die tatsächlichen Öffnungszeiten und der Betreuungsanspruch der Kinder liegen aber oft deutlich darüber. Diese Lücke führt zu zusätzlichem Druck im System. Deshalb ist es wichtig, dass alle Eltern verstehen: Jede, auch ihre eigene Kita, ist davon betroffen. Fachkräfte und Träger brauchen jetzt Unterstützung von Familien und der breiten Gesellschaft, damit aus politischen Forderungen echte Verbesserungen entstehen können – zum Wohle unserer Kinder und zur Verbesserung unseres Bildungssystems. Das Aktionsbündnis KiTAKOLLAPS ruft daher in diesem Jahr mit „Brandenburg, um drei? Kita vorbei!“ Kitas im ganzen Land dazu auf, am 13.5. das Haus nach 8 Stunden Öffnungszeit zu schließen und mit Eltern zu dieser neuen Verschärfung der strukturellen Probleme im Kitasystem ins Gespräch zu kommen. Unsere pädagogischen Fachkräfte leisten täglich sehr viel. Sie begleiten unsere Kinder beim Aufwachsen, schaffen Sicherheit und bauen stabile Beziehungen auf. Doch die aktuellen Rahmenbedingungen halten mit den Anforderungen nicht Schritt. Ein zentrales Problem: In Brandenburg ist eine Fachkraft für zu viele Kinder zuständig, in allen Altersstufen. Gleichzeitig steigt der individuelle Förderbedarf vieler Kinder. Hinzu kommt ein widersprüchlicher Trend: Durch sinkende Geburtenzahlen müssen teilweise Fachkräfte entlassen werden – obwohl eigentlich mehr Personal gebraucht wird. Gleichzeitig steht durch die anhaltende Verrentung der Babyboomer eine weitere personelle Lücke bevor. Gerade jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, gegenzusteuern: Die FachkraftKind-Relation zu verbessern, Fachkräfte im System zu halten und für spürbare Entlastung zu sorgen. Das würde nicht nur die Arbeitsbedingungen verbessern, sondern auch die Qualität der frühkindlichen Bildung in Brandenburg nachhaltig stärken. Was könnte diese Finanzierungslücke bei den Betreuungszeiten ganz konkret für den Alltag von berufstätigen Müttern und Vätern hier in der Region bedeuten? Für berufstätige Eltern bedeutet das ganz konkret: Ihre Kinder haben oft einen vom Jugendamt bestätigten Rechtsanspruch auf mehr als 8 Stunden Betreuung am Tag. Aber nicht jede Kita kann diese Zeiten auch wirklich anbieten. Besonders schwierig sind die Randzeiten – also früh am Morgen und am späten Nachmittag. In diesen Zeiten ist dann oft viel zu weBrandenburg um drei – Kita vorbei? Warum Lausitzer Eltern beim KiTAKOLLAPS am 13. Mai auf die Straße gehen. Blick auf einige der zahlreichen Aktionen von vergangenen KiTAKOLLAPS-Aktionstagen.
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