lausebande-2021-06

66 › Titelthema keit. Die Kinder dürfen selbst entscheiden, womit sie sich beschäftigen, wann und in welcher Form. Dabei begleiten die Erzieher die Kinder und geben ihnen Anregungen, machen Angebote. Sie unter- stützen nach dem Prinzip „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Maria Montessori hat eigens für ihr Konzept Lern-Materialien entwickelt, die wahlweise Sinne aktivieren, die Sprache schulen oder das mathema- tische Verständnis fördern. Waldorf: Die Waldorf-Pädagogik ist eine durch Rudolf Steiner (1861–1925) begründete Pädagogik. Eine wichtige Rolle nehmen die Erzieherinnen als Vorbild ein, da das Waldorf-Konzept davon aus- geht, dass die Kinder Erwachsene nachahmen. In Waldorf-Einrichtungen wird die Umgebung ästhe- tisch und anregend gestaltet, um den Kindern eine Vielzahl an Sinneseindrücken zu vermitteln. Auf klassisches Spielzeug wird verzichtet. Stattdessen soll die kindliche Phantasie mit Naturmaterialien und einfachen Puppen angeregt werden. Einen hohen Stellenwert hat die Förderung der künstle- rischen Gestaltung und von rhythmischer Körper- bewegung. Reggio: Benannt ist das Konzept nach der nord- italienischen Stadt Reggio Emilia, in der es erst- mals erprobt wurde. Kinder werden hier als kleine Forscher und Wissenschaftler angesehen, die sich neues Wissen weitgehend selbständig aneignen. Erzieher und Eltern bieten nur Impulse an, aber keine fertigen Lösungen, sie leiten nicht an, son- dern begleiten. Stattdessen entdecken und be- greifen die Kinder ihre Umwelt selbst. Sie beschäf- tigen sich weitgehend selbständig mit den Dingen und Themen aus ihrer Lebenswirklichkeit, die sie interessieren und die ihre Neugier wecken. Freinet: Das nach dem französischen Reformpä- dagogen Célestin Freinet benannte Konzept stellt noch konsequenter das Kind und seine Interessen in den Mittelpunkt. Die Kinder entscheiden nicht nur selbst, womit sie sich beschäftigen. Sie be- kommen auch Verantwortung für die Organisa- tion des Kitaalltags und der Räumlichkeiten über- tragen. Die Kinder bestimmen weitgehend selbst über die Tagesstruktur, das Erzieher-Team steht ihnen begleitend zur Seite. Die Kinder lernen im freien Spiel, in Ateliers und Werkstätten, im Rol- lenspiel und imAustauschmit anderen Kindern. Bewegungskita: Der natürliche Bewegungs- drang, der bei Kindern noch stark ausgeprägt ist, wird hier zum Programm gemacht. Die Kinder werden im Alltag immer wieder zu Bewegung an- geregt. Klassische Sport- und Bewegungsangebote sind nur ein Aspekt. Die Räume sind so ausge- stattet, dass die Kinder imSpiel immer wieder dazu angeregt werden, sich zu bewegen. Beispielsweise ist der Bauraum mit großen Bausteinen ausge- stattet, die ganzen Körpereinsatz fordern, um aus ihnen einen Turm zu errichten. Da in diesen Ein- richtungen die gesunde Entwicklung der Kinder im Fokus steht, gehen sie oft mit gesunder Verpfle- gung einher. Waldkita: Hier ist der Name Programm. Die Kita ist der Wald, er ist Lehrer und Spielplatz zugleich. In Waldkindergärten findet der Alltag fast kom- plett an der frischen Luft statt, selbst die Mahl- zeiten. Wie konsequent das Prinzip umgesetzt wird, hängt von der Einrichtung ab. Einige ver- zichten komplett auf klassische Gruppenräume und haben für schlechtes Wetter höchstens einen Bauwagen oder ein Tipi. Andere verbringen zu- mindest die Mahl- und Schlafenszeit drinnen, an sehr kalten Tagen auch Spielzeit. Die Kinder sind in jedem Fall bei Wind und Wetter draußen, spielen mit dem, was die Natur bietet. Klassisches Spiel- zeug gibt es nicht. Kneipp: Dieses Konzept geht zurück auf den Na- turheilkundler Sebastian Kneipp (1821-1897), der sich auf die gesunde Entwicklung des Menschen fokussierte und dafür ganzheitliche Ansätze ent- wickelt hat, die Körper und Geist gleichermaßen in den Blick nehmen. Am bekanntesten sind die Wasseranwendungen, sogenannte Kneipp-Bäder, die sich auch in Kneipp-Kitas finden. Darüber hi- naus stehen folgende Aspekte im Vordergrund: Spiel und Bewegung sowie der verantwortungs- volle Umgang mit der Natur. Die Kinder sind viel draußen, gesunde Ernährung spielt eine Rolle, gern werden Kräuter sowie Obst und Gemüse aus dem eigenen Kita-Garten verarbeitet. Wer sich für eine Kneipp-Kita interessiert, sollte auf eine Zerti- fizierung achten. Die garantiert die Einhaltung be- stimmter Standards. Situationsansatz: Dieses Konzept hat sich in den vergangenen 50 Jahren entwickelt und kommt in vielen Kindergärten zum Einsatz, ohne dass es immer explizit so benannt wird. Es geht darum, die Kinder mit ihren aktuellen Interessen, Wünschen und Sorgen wahrzunehmen und diese in konkrete Projekte und Spiele umzusetzen. Das Konzept

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