lausebande-2021-06
Titelthema ‹ 67 orientiert sich stark an der Lebenswelt der Kinder. Das, was sie aktuell beschäftigt (der Schmetterling im Garten, das Wetter, ein Streit der Eltern, das neue Haustier, der Tod des Opas…), wird durch die Erzieher aufgegriffen und in die pädagogische Arbeit einbezogen. Offenes Konzept: Kindergärten, die nach diesem Konzept arbeiten, verzichten auf die in Kitas üb- liche Raum- und Gruppenaufteilung. Stattdessen gibt es unterschiedliche Themenräume, wie einen Sport-, Musik- und Theaterraum, ein Atelier und eine Werkstatt. Die Kinder können sich entspre- chend ihrer Interessen frei im Haus bewegen. Ihre Spielpartner können sie ebenfalls frei aussuchen, da es keine festen Gruppen gibt. Im Mittelpunkt stehen auch hier die Neigungen und Bedürf- nisse des Kindes. Es gibt auch teiloffene Kitas, die das Prinzip weniger konsequent umsetzen und Stammgruppen mit eigenen Räumen beibehalten, diese aber tagsüber zeitweise öffnen. Inklusion: Dieses Konzept könnte und sollte sich theoretisch jede Kita auf die Agenda schreiben – unabhängig vom gewählten pädagogischen Schwerpunkt. In der Praxis findet Inklusion von Kindern, die vermeintlich anders sind, nur selten statt. Es geht vor allem – aber nicht nur – um die Inklusion von Kindern mit Behinderung oder Be- einträchtigungen. In Inklusions-Kitas wird ver- mittelt, dass jedes Kinder anders und besonders ist und mit all seinen Besonderheiten normal ist. Unterschiede werden thematisiert – aber alle Kinder unabhängig von ihren körperlichen, ethnischen oder sozialen Besonderheiten in den Kita-Alltag integriert. Es wird bewusst ver- mieden, Kinder mit in extra Gruppen zu fördern, um Ausgrenzung und Stigmatisierung zu ver- meiden. Stattdessen wird jedes Kind individuell nach seinen Bedürfnissen gefördert. Davon sollen am Ende alle Kinder profitieren. Sie lernen schon früh, dass es normal ist anders zu sein, werden offen und tolerant, bekommen Werte wie Mitge- fühl und Gleichberechtigung vermittelt. Kirchliche Kita: Kirchliche Kitas arbeiten eben- falls mit den hier vorgestellten pädagogischen Konzepten. Sie unterscheiden sich in erster Linie durch den Träger – in der Regel die evangelische oder katholische Kirche – von nicht-kirchlichen Kitas. Kitas mit kirchlichem Träger legen beson- deren Wert auf die Vermittlung christlicher Werte wie Nächstenliebe, Respekt, Wertschätzung und Ehrlichkeit. Wie stark religiöse Bräuche den Kita- Alltag bestimmen, hängt von der Einrichtung ab. Einige feiern Gottesdienste mit den Kindern, an- dere beschränken sich auf das Tischgebet vor dem Essen. Christliche Themen spielen im Alltag eine größere Rolle. So werden religiöse Feste wie Weih- nachten und Ostern zum Anlass genommen, über Gott und Glauben zu sprechen. In der Regel ist es erwünscht, aber nicht erforderlich, dass das Kind bzw. die ElternMitglied der Kirche sind. Zweisprachigkeit/ Witaj: Eine Besonderheit in der Lausitz sind zweisprachige Kindergärten. Zum einen gibt es in Grenznähe deutsch-polni- sche und in Richtung Zittau deutsch-tschechische Kitas. Zum anderen spielt das Sorbische/Wendi- sche in der Region eine wichtige Rolle. Kinder in sorbischen Familien wachsen zweisprachig auf. Mit demWitaj-Konzept können sie diese Zweispra- chigkeit auch in der Kita und später an der Schule im Alltag leben. Diese Kitas sind für alle Kinder offen, unabhängig von der Muttersprache. Es gibt Kindergärten, deren Alltag komplett in sorbischer Sprache stattfindet und solche, bei denen nur ein- zelne Gruppen sorbisch sprechen. Balancieren, klettern, toben: Bewegungskitas schaffen den Kleinen vielfältige Möglichkeiten, sich zu bewegen. Foto: Designed by jcopm/Freepik
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