lausebande-2021-06

Titelthema ‹ 71 Ein Plädoyer für mehr Wertschätzung! Die richtige Kita zu finden, kann manchmal etwas dauern. Vielleicht ist auch noch mal ein Wechsel nötig, wenn man nach den ersten Wo- chen merkt, dass es doch nicht passt. Da ein Wechsel vor allem für das Kind schwierig ist, sollten Sie bei Problemen zunächst das Gespräch mit der Erzieherin oder der Einrichtungsleitung suchen. Auch die Elternvertretung kann ein hilf- reicher Ansprechpartner sein und vermittelnd wirken. Bedenken Sie auch: Oft genug steht und fällt die Qualität der Kinderbetreuung mit der je- weiligen Erzieherin. So wie eine gute Erzieherin in einer eher mäßigen Kita vieles wettmachen kann, ist es auch umgekehrt: Die beste Kita hilft nicht, wenn Ihr Kind bei einer eher ungeeigneten Erzieherin landet. Noch etwas ist vielleicht schwierig, aber wichtig: Behalten Sie die Bedürfnisse und Wünsche Ihres Kindes im Blick. Selbst wenn Sie mit dem Mittag- essen unzufrieden sind oder mit der Erzieherin nicht gut klar kommen, muss das kein K.O.-Kri- terium sein. Solange sich Ihr Kind in der Einrich- tung pudelwohl fühlt und dort Freunde gefunden hat, sollten Sie Ihre Bedenken zur Seite wischen. Denn der schärfste Kritiker sollte immer Ihr Kind bleiben. Wenn es sich wohlfühlt, gern in die Kita geht, seine Erzieher mag, Freundschaften schließt, viel Neues lernt, dann können die Kita- jahre eine tolle Zeit für Sie als Familie werden. Gleichwohl braucht es in Deutschland in den kommenden Jahren eine enorme Kraftanstren- gung, um die Bedingungen für unsere Jüngsten weiter zu verbessern. Die Finanzausstattung der Krippen und Kindergärten muss deutlich an- wachsen. Und diese zusätzlichenMittel müssen in die Qualität der Kitabetreuung gesteckt werden. Konkret heißt das: Im Kita-Alltag müssen noch stärker die Bedürfnisse der Kinder imMittelpunkt stehen. Sie müssen mit ihren Kompetenzen, Neigungen, Interessen wahrgenommen und gefördert werden. Dafür muss der Betreuungs- schlüssel radikal verbessert werden, vor allem in den ostdeutschen Bundesländern. Hier betreuen Erzieher im Schnitt doppelt so viele Kinder wie von Fachleuten empfohlen. Es braucht mehr Er- zieher und Erzieherinnen, mehr Tageseltern und diese müssen gut ausgebildet sein, vielleicht stu- diert haben. Sie müssen besser bezahlt werden. Wie sie ihre in der Ausbildung oder im Studium erworbenen Kompetenzen im Alltag umsetzen, muss überprüft und evaluiert werden – einerseits im Team durch die Kollegen, aber wenn möglich auch durch externe Prüfer. Der Erzieherberuf muss von der Gesellschaft mehr wertgeschätzt werden – von der Politik, aber auch von uns El- tern. Für die Pflegekräfte hat mit der Pandemie die öffentliche Diskussion um eine Aufwertung des Berufsbildes begonnen. Für Erzieher sollte sie ebenfalls umgehend in Gang gesetzt werden. Die Kitazeit kann für Kinder, Eltern und Erzieher eine großartige Zeit werden, wenn alle an einem Strang ziehen. Designd by Freepik

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