lausebande-09-2020

Titelthema :: Seite 63 ihre Zweisprachigkeit geprägt. Die wird schon offensichtlich, wenn man die Region im Auto durchquert und an den zweisprachigen Schildern vorbei fährt. Was für die Lausitzer längst eine Selbstverständlichkeit ist, das sorgt bei auswär- tigen Besuchern oft für Erstaunen: Auf den Orts- und Straßenschildern steht unter der deutschen Bezeichnung die ober- oder niedersorbische. Anerkannte zweisprachige Regionen gibt es nur noch in Schleswig-Holstein und in Niedersachsen, wo es eine friesische und eine dänische Minder- heit gibt. Zudem sind einige Grenzregionen wie das Elsaß mehrsprachig. Dass aber eine eigene Volksgruppe mit eigener Tradition, Sprache und Kultur mitten unter uns lebt, das ist deutschland- und sogar europaweit die Ausnahme. Mit ihrer gelebten Zweisprachigkeit verfügt die Lausitz also über einen echten Schatz, der zunehmend auch als solcher wahrgenommen wird. Im jüngst ver- abschiedeten Strukturstärkungsgesetz bekennt sich der Bund dazu, „Maßnahmen zur Förderung der Bewahrung und Fortentwicklung der Sprache, Kultur und Traditionen des sorbischen Volkes als nationaler Minderheit“ einzurichten bzw. aufzustocken. Vor allem für Familien schaffen die Sorben/ Wenden echte Mehrwerte. Ihre Bräuche und Traditionen von der Vogelhochzeit über das Maibaumaufstellen bis hin zum Osterreiten schaf- fen Identität und regionale Verbundenheit. Gerade auf den Dörfern sind es Traditionen, die von den Kindern und Jugendlichen gelebt werden und Zusammenhalt schaffen. Die Lausitz hat durch die sorbische Minderheit und die Grenze zu Polen und Tschechien die Chance, Zweisprachige Ortsschilder findet man über die ganze Lausitz hinweg. Multikulturalität und Internationalität noch stär- ker zu leben. Das Beispiel Cottbus zeigt, wie man diesen Schatz heben und nutzen kann. Unter dem Label „Pücklerstadt“ wirbt eine Initiative aus der Wirtschaft heraus überregional mit „positiv-ver- rückten“ Menschen und Geschichten für die Stadt an der Spree. Sie macht deutlich, dass Cottbus sich in den vergangenen Jahren zu einem weltoffenen, lebens- und liebenswürdigen Ort entwickelt hat. Allein durch die BTU leben Menschen aus mehr als 100 Nationen in der Lausitz-Metropole, jeder dritte Studierende kommt aus dem Ausland – einige von ihnen bleiben der Region auch nach dem Ab- schluss treu, weil sie die herzliche und weltoffene Art vieler Cottbuser kennen- und lieben gelernt haben. Dem Engagement und dem unternehme- rischen Mut dieser Menschen ist es zu verdanken, dass es in der Stadt mittlerweile viele Orte gibt, die für ein internationales Flair sorgen. Zusammen mit dem Erbe Pücklers, der einst selbst durch die Welt reiste, und der sorbischen Kultur, offenbart die Region so einen kulturellen Reichtum, der in Deutschland nahezu einzigartig sein dürfte. Leben, wo andere Urlaub machen Noch etwas dürfte einzigartig sein: Die Landschaft zwischen Lübbenau und Weißwasser beherbergt gleich vier UNESCO-Titel und die größte von Menschen geschaffene Wasserlandschaft Europas. Wo die Kohlebagger früher riesige Krater geschaf- fen haben, ist in den vergangenen Jahren ein Urlaubsparadies entstanden. Unter Aufsicht der LMBV wurden hier in den vergangenen 30 Jahren mehr als 20 Tagebaurestlöcher mit Wasser geflutet, aktuell liegt der Füllstand bei 92 Prozent. Wenn auch das letzte Gewässer gefüllt ist, dann verfügt die Lausitz über 25 Seen mit einer Gesamtfläche von knapp 15.000 Hektar. Derweil entsteht unter Führung der LEAG schon der nächste Superlativ. Vor den Toren vom Cottbus begann 2019 die Flutung des Ostsees – mit 19 Quadratkilometern Wasserfläche wird er in ein paar Jahren der größte künstlich geschaffene See Deutschlands. Mit ihm wird nicht nur ein weiterer Ankerpunkt für Touristen geschaffen, er steigert auch die Lebens- qualität der Menschen vor Ort. Der Ostsee wird der urbane See, durch eine See-Achse und ein at- traktives Wohnquartier direkt verbunden mit dem Stadtzentrum. Hier kann man nach Feierabend »

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