lausebande-09-2021

teien mit der eigenen Wertung übereinstimmen oder sich widersprechen – und wie unterschied- lich deren Begründungen dazu sind. Manchmal führen ganz verschiedene politische Argumente einer Partei zur Zustimmung bzw. Ablehnung einer These. Unter „Begründungen zur These“ sieht man sortiert nach Thesen im Überblick, wie alle Parteien ihre Positionen erklären – und unter „Standpunkte“ findet man alle Positionen einer Partei nach Wahl im Überblick. Wer will, klickt sich nur einmal durch den Wahl-O-Mat und er- fährt binnen fünf Minuten Bestätigung oder In- formationsbedarf, wer will, kann aber auch tiefer einsteigen. Zur Verfügung gestellt wird der Wahl-O-Mat von der Bundeszentrale für politische Bildung, die Berechnungsvorschrift für die Ergebnisse ist öf- fentlich einsehbar, es werden keinerlei persönli- che Daten gespeichert. Eigentlich als zeitgemäße Orientierungshilfe für junge Wähler eingeführt, wurde der Wahl-O-Mat allein zur Bundestagswahl 2017 knapp 16 Mio. Mal genutzt. Auch politisch ge- festigteWähler mit Erfahrung können hier ihr Mei- nungs- und Parteienbild hinterfragen und finden nicht selten Anlass, sich zu bestimmten Themen intensiver mit den Parteiprogrammen auseinander zu setzen. Hierzu enthält der Wahl-O-Mat unter an- deremübersichtliche Kurzprofile aller Parteien. Die thematische Komponente Für Familien gab es in Deutschland selten mehr Veränderungsbedarf. Die Coronavirus-Pandemie hat bestehende Defizite gerade im Bereich der Bildungs- und Familienpolitik gnadenlos offenge- legt. Das Bildungssystem ist bundesweit in einem schlechten Zustand, die Digitalisierung der Bil- dung, moderne Bildungskonzepte und die Quali- fikation der Lehrerschaft wurden verschlafen, die Eltern hatten das auszubaden. In Brandenburg ist der Zustand des Bildungssystems noch einmal schlimmer, im jüngst veröffentlichten 18. Bil- dungsmonitor des arbeitgebernahen Instituts der Wirtschaft nimmt Brandenburg wie zuvor schon traditionell einen der letzten zwei Plätze ein. Noch arger steht es in Deutschland 2021 um die Gleich- stellung der Frauen, ein Grundpfeiler zeitgemäßer Familienpolitik, wie sie beispielsweise in den skan- dinavischen Ländern schon vor Jahrzehnten auf den Weg gebracht wurde. Diesem Thema widme- ten wir inmitten der dritten Welle der Pandemie die diesjährige Februarausgabe unserer lauseban- de. Deutschlands führende Sozialwissenschaftle- rin Jutta Allmendinger bescheinigte darin infol- ge der Pandemie eine Retraditionalisierung des Frauenbilds in Deutschland. ZwischenHomeoffice und Homeschooling gaben gerade Frauen beruf- liche Perspektiven auf, das Thema Gleichstellung wurde in unserem Land nach Meinung vieler Experten um Jahrzehnte zurückgeworfen. Auch das haben skandinavische Länder mit modernen Konzepten viel besser gemeistert. Familien und insbesondereMütter sind zentrale Leistungsträger unserer Gesellschaft – sie sorgen sich um Kinder, die Familie und oft noch um Angehörige wie eige- ne Eltern oder Großeltern – und sie stehen mitten im Berufsleben bzw. Unternehmertum. Bildungs-, Familien- und Gleichstellungspolitik hätten in der Krisenbewältigung zu den beherrschenden Wahl- kampfthemen werden müssen. Wir hatten aber schon zum Jahresbeginn geahnt, dass die Bundes- politik sich anderen Prioritäten zuwenden wird. So dominieren nun einmal mehr Themen rund um Wirtschaft und Klimaschutz. Mit Afghanistan platzte dann ein weiteres Thema mitten in den be- ginnenden Wahlkampf. Wie stark es die gesamte Debatte in Politik und Medien beherrschte, macht deutlich, dass in unserer Mediengesellschaft über Nacht ein einziges Thema bestimmend werden und nachhaltige Zukunftsthemen verdrängen kann. Leider geht heute der Raum für eine diffe- renzierte und ausgewogene Betrachtung immer mehr verloren, der Gesellschaft wird durch Politik und Medien nur ein beherrschendes Thema zu ei- ner Zeit zugemutet. Klimaschutz, Coronakrise, Af- ghanistan und wieder Klimaschutz – dazwischen gehen die gesellschaftlich zentral stehenden An- liegen der Familien offensichtlich verloren. Insofern sollten gerade Familien genau auf die po- litische Agenda einzelner Parteien schauen. Wer kann glaubwürdige Konzepte für unser Bildungs- system liefern? Wem traut man eine moderne Fa- milien- und Gleichstellungspolitik zu? Einen über- sichtlichen Vergleich hierzu findet man meist nur zu den großen sechs Parteien CDU/CSU, SPD, Die Grünen, SPD, FDP und AfD. Sehr übersichtlich und Wahl-O-Mat imApp-Store Wahl-O-Mat für Android Ab 2. September online: www.wahlomat.de 38 › Bundestagswahl 2021

RkJQdWJsaXNoZXIy MTcxMjA2