lausebande-09-2021

Titelthema ‹ 55 Zu den Wortneuschöpfungen der Pandemie gehört auch der Begriff der „Quarantäne- Kurzsichtigkeit“. Erste Studien zeigen eine Zu- nahme der Kurzsichtigkeit bei Kindern und Ju- gendlichen bedingt durch die Pandemie. Über Wochen und Monate waren sie angehalten, das Haus oder die Wohnung nicht zu verlassen, bei Quarantäne war es ihnen sogar verboten. Was das mit unseren Kindern gemacht hat, ist Thema ak- tueller Untersuchungen. Dass es auch den Augen und der Sehkraft geschadet hat, darauf deuten erste Studien aus anderen Ländern hin. Das feh- lende Draußenspiel, der Mangel an Tageslicht und das häufige Sitzen vor dem Bildschirm haben zu einer Zunahme an Kurzsichtigkeit geführt. Grund genug für uns, das Thema Augen und Sehen bei Kindern mal etwas genauer zu betrachten. Entwicklung des kindlichen Sehvermögens Schon im Mutterleib öffnet das Ungeborene das erste Mal die Augen, kann aber außer hell und dunkel nicht viel wahrnehmen. Auch direkt nach der Geburt kann das Neugeborene noch nicht viel mehr erkennen – die Sehfähigkeit mitsamt der organischen Voraussetzungen muss sich erst noch entwickeln. Die Augen des Neugeborenen sind noch unreif. Augenlinse, Netzhaut und Seh- rinde im Gehirn müssen nachreifen. Daher sehen Babys in den ersten Lebenswochen nur sehr un- scharf, können Farben nicht unterscheiden, son- dern nur hell und dunkel. Zumindest aber reicht es, um Mamas und Papas Gesicht nach kurzer Zeit (wieder) zu erkennen. Neugeborene können Dinge am besten aus einer Entfernung von 20 bis 25 Zentimetern erkennen – meist nehmen Eltern beim Tragen oder Wickeln diesen Abstand intu- itiv ein. Das Sehvermögen entwickelt sich in den ersten Lebensmonaten rasant weiter. Das Scharf- sehen funktioniert mit der Zeit immer besser, zu- nächst auf kurzen Entfernungen, die Kinder be- ginnen Farben zu erkennen und zu unterscheiden, zunächst nur kräftige, kontrastreiche Farben. Daher sind Mobiles mit einfachen Formen in kräf- tigen Farben optimal, um das Sehen zu trainieren und dem Baby spannende Anreize zu geben. Die Fortschritte des Sehens im ersten Lebensjahr be- merken Eltern beispielsweise daran, wenn das Baby zum ersten Mal zurücklächelt oder bewusst nach Gegenständen zu greifen beginnt. In den ersten vier Wochen kommt es noch vor, dass Babys schielen. Das muss erst abgeklärt werden, wenn es über die sechste Lebenswoche hinaus auftritt. Etwa um den ersten Geburtstag verfügt ein Kleinkind über schätzungsweise 50 Prozent der Sehschärfe eines Erwachsenen, ungefähr im Vorschulalter können Kinder so scharf sehen wie Erwachsene ohne Sehschwäche. Das räumliche Sehen setzt im ersten Lebensjahr ein und wird in den folgenden Jahren gefestigt, bis es mit etwa neun Jahren ausgereift ist. Jetzt können Kinder realistisch einschätzen, ob zwei unterschiedlich große Autos gleich weit entfernt sind. Allerdings unterscheidet sich das Gesichtsfeld in diesem Alter noch von Erwachsenen, es ist seitlich noch eingeschränkt. Mit spätestens zwölf Jahren ist das Sehvermögen dann vollends ausgereift. Kurzsichtigkeit: neue Volkskrankheit? Einer der am weitesten verbreiteten Sehfehler ist Kurzsichtigkeit, auch Myopie genannt. Wer daran leidet, kann Dinge in direkter Nähe sehr gut sehen, hat mit zunehmender Entfernung aber Schwierig- keit, scharf zu sehen. Bei der Kurzsichtigkeit, die häufig während der Schulzeit beginnt, verlernt das Auge imGrunde das Sehen in der Ferne. Diese Faktoren begünstigen Kurzsichtigkeit: • Veranlagung • Zu wenig Tageslicht • Häufiges Sehen auf kurze Distanz Es gab in den zurückliegenden Jahren wiederholt Warnungen, dass immer mehr Menschen kurz- sichtig werden, die Zahl der Brillenträger nehme zu und selbst Kinder bräuchten immer häufiger eine Brille. Als eine Ursache gilt die zunehmende Verbreitung von Smartphone, Tablet und Co. in Kinderzimmern. Ist da etwas dran? Wir haben Statistiken gewälzt und sind dabei zu überra- schenden Erkenntnissen gekommen. Die Kurzsichtigkeit nimmt zu – aber nur in be- stimmten Altersgruppen und Weltregionen. Vor allem in Industrienationen ist sie ein Problem, Ich sehe was, was du nicht siehst Ein Ratgeber rund ums Sehen und Kinderbrillen

RkJQdWJsaXNoZXIy MTcxMjA2