lausebande-09-2021

besonders stark betroffen sind einige asiatische Regionen, wo die Quote für Kurzsichtigkeit unter jüngeren Menschen teilweise um 90 Prozent liegt. Laut Gutenberg-Gesundheitsstudie der Univer- sität Mainz leidet in Deutschland etwa jeder dritte junge Erwachsene unter Kurzsichtigkeit. Kinder sehen ab der Schule schlechter. Es gibt wenig Erhebungen zu Sehfehlern bei Kindern. Die Gesundheitsstudie KiGGS hat zwei Mal die Kurz- sichtigkeit bei Kindern zwischen 0 und 17 Jahren erfragt. Eine Auswertung der beiden Studien im Ärzteblatt kommt zu beruhigenden Ergebnissen: In den vergangenen Jahren hat sich die Sehfähig- keit von Kindern nicht verschlechtert. Die erste Erhebung (2003-2006) hat eine Kurzsichtigkeit bei 11,6 Prozent der Kinder festgestellt, die zweite Erhebung (2014-2017) bei 11,4 Prozent der Kinder. Je älter die Kinder, desto mehr waren kurzsichtig. Vor allem in der Schule nimmt ihr Anteil zu. Mäd- chen sind etwas häufiger von Kurzsichtigkeit be- troffen. Bildungsstarke Menschen sind häufiger kurz- sichtig. Mehrere Studien haben einen direkten Zusammenhang zwischen Kurzsichtigkeit und Bildungsweg nachgewiesen. So ist die Zahl der kurzsichtigen Hochschulabsolventen in Deutsch- land deutlich höher (53 Prozent) als der Bevölke- rungsdurchschnitt (35 Prozent). Der Grund: Men- schen mit höherer Bildung lesen viel in Büchern und an Bildschirmen und verbringen mehr Zeit drinnen – in der Schule, später in der Universität und der Bibliothek. Das erklärt auch die hohen Zahlen in bildungsstarken Regionen Asiens und bei Mädchen, die bekanntermaßen eher für Bü- cher zu begeistern sind als Jungs. Smartphones machen keine schlechten Augen. Zumindest gibt es bisher kaum Studien, die einen solchen Einfluss belegen würden. Das gilt auch für andere Bildschirmmedien. In der Auswertung der KiGGS-Studien heißt es: „Ein Zu- sammenhang zwischen Myopie und der Nutzung anderer Medien, wie Fernsehen, Spielkonsole oder Computer, besteht den Daten zufolge nicht.“ Raus in die Natur! Diese Ergebnisse sollen aber keineswegs in einem Plädoyer gegen das Lesen münden. Denn das Bü- cherlesen ist nur einer von mehreren Faktoren, die Einfluss darauf haben, ob jemand eine Kurz- sichtigkeit entwickelt. Ein weiterer Faktor ist die genetische Vorbelastung, also die Frage ob schon die Eltern eine Brille tragen. Sind beide Elternteile kurzsichtig, wird das Kind mit einer Wahrschein- lichkeit von 60 Prozent ebenfalls kurzsichtig, bei einem Elternteil mit Brille liegt die Wahrschein- lichkeit bei 30 Prozent – imVergleich zu zehn Pro- zent ohne genetische Vorbelastung. Ein zweiter großer Einflussfaktor ist das Tages- licht. Kurzsichtigkeit entsteht, wenn der Aug- apfel zu stark wächst und zu lang wird. Je früher 56 › Titelthema Kurzsichtigkeit bei Kindern wird auch Schulmyopie genannt, weil sie bedingt durch häufiges Nahsehen meist im Schulalter beginnt. Foto: pch.vektor/Freepik.

RkJQdWJsaXNoZXIy MTcxMjA2