lausebande-09-2021

dieser Prozess einsetzt, desto stärker ausgeprägt ist die Kurzsichtigkeit im Erwachsenenalter, da der Augapfel etwa bis zum 30. Lebensjahr wächst. Tageslicht hemmt das Wachstum. Daher emp- fehlen Experten, dass Kinder möglichst viel Zeit im Freien verbringen, idealerweise mindestens zwei Stunden täglich. Draußen trainieren Kinder automatisch das Sehen auf weite Entfernungen, wenn sie beispielsweise einen Vogel am Himmel entdecken oder ein Haus am Horizont. Wer viel Zeit draußen verbringt, der kann damit auch häu- figes Lesen ausgleichen. Kinder, die viel lesen, aber zugleich viel draußen sind, haben kein hö- heres Risiko für Kurzsichtigkeit als gleichaltrige Lesemuffel. Am besten wird die Lesezeit auf den Balkon oder in den Garten verlegt. Im Umkehrschluss heißt das für Tablet und Co.: Nicht die Nutzung von Bildschirmmedien ver- schlechtert die Sehfähigkeit. Aber Kinder, die viel auf dem Sofa vor dem Fernseher sitzen oder ständig im Kinderzimmer daddeln, sind weniger draußen. Damit fehlt den Augen Tageslicht. Inso- fern kann die übermäßige Nutzung digitaler Me- dien zumindest einen indirekten Einfluss auf die Augen haben. Gesunder Lebensstil, gesunde Augen Wer viel Zeit draußen verbringt, bewegt sich auch mehr. An der frischen Luft rennen, springen, klettern Kinder. Das tut nicht nur den Augen 58 › Titelthema gut. Ohnehin fördert ein gesunder Lebensstil die Sehkraft. Wer sich viel bewegt, fördert die Durch- blutung – das kommt auch den Augen zu gute. Eine abwechslungsreiche Ernährung ist ebenfalls hilfreich für eine gute Sehkraft. Vor fünf Jahren machte ein Fall aus Kanada Schlagzeilen. Ein 11-jähriger Junge war nach einer strengen Diät aufgrund von Allergien fast erblindet. Gemüse fehlte fast komplett auf seinem Speiseplan – und damit auch fast alle für die Sehkraft wichtigen Vitamine. Als besonders hilfreich für die Augen gelten Vitamin A, das der Körper aus Beta-Carotin gewinnt, das Nerven-Vitamin B, Vitamin C und E sowie der Pflanzenfarbstoff Lutein. Diese Lebens- mittel enthalten besonders viel dieser „Augen- Nährstoffe“: Beta-Carotin: Möhren, Süßkartoffel, Paprika, Tomate, Mango Vitamin B: Kerne, Samen, Fleisch, Milchprodukte, Bananen, Vollkornprodukte Vitamin C und E: Beeren, Nüsse, Zitrusfrüchte Lutein: Seefisch, Leinöl, Aprikosen, Pfirsiche, Nektarinen, Orangen, grünes Gemüse wie Brokkoli, Spinat, Avocado, Erbsen Wer sich normal und ausgewogen ernährt und auf Abwechslung auf dem Teller achtet, der nimmt ausreichend dieser Nährstoffe zu sich. Eine explizit Augen-freundliche Ernährung oder gar die Einnahme von Nahrungsergänzungsmit- teln sind nicht notwendig. Normale Ernährung schützt also vor Mangelerscheinungen wie in dem Extrembeispiel aus Kanada. Aber sie kann Augenkrankheiten oder Sehschwächen wie Kurz- sichtigkeit nicht verhindern. Sehschwächen bei Kindern: Erkennen und Behandeln Anders als die Vorsorge beimKinderarzt oder beim Zahnarzt wird eine Vorsorge-Untersuchung beim Augenarzt von den meisten Krankenkassen nicht übernommen. Die vom Berufsverband der Augen- ärzte schon länger geforderte augenärztlich-orth- optische Untersuchung von Kleinkindern gibt es bisher nicht. Dafür allerdings gehört ein Sehtest zu den Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt. Werden hier Auffälligkeiten festgestellt, gibt es die Überweisung zum Augenarzt. Eine im Früh- jahr veröffentlichte Studie belegt den Nutzen der kinderärztlichen Sehtests. Für die Studie wurden die Daten von knapp 200.000 Kindern im Jahr der Einschulung ausgewertet. Jene Kinder, die an der Ab nach draußen: Bei Aktivitäten wie Drachensteigen be- wegen sich Kinder und tun nebenher ihren Augen Gutes.

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