lausebande-09-2021
60 › Titelthema als Linie oder Ellipse. Auch hier hilft eine Brille. Solange nur ein Auge betroffen ist und das Kind keine Brille trägt, korrigiert das Gehirn das Bild über das andere Auge. Dadurch besteht die Ge- fahr, dass das andere Auge schwachsichtig wird. Schielen/ Strabismus ist eine Gleichgewichts- störung des Augenmuskels. Diese führt zu einer Fehlstellung der Augen. Starkes Schielen ist leicht erkennbar, schwieriger ist der sogenannte Mik- rostrabismus zu erkennen, dafür braucht es eine professionelle Diagnostik beim Augenarzt. Bleibt Schielen unerkannt, besteht die Gefahr, dass ein Auge mit der Zeit schwachsichtig wird, weil das Gehirn ein Auge bevorzugt – damit verhindert es das Entstehen von Doppelbildern. Schätzungs- weise drei Prozent der Kinder schielen. Von denen wiederum entwickelt mindestens jedes zweite eine einseitige Sehschwäche. Übrigens: In den ersten Lebenswochen ist das Schielen noch normal und nicht behandlungsdürftig. Wenn es sich imAlter von ein bis zwei Monaten noch nicht gelegt hat, sollte jedoch der Kinder- oder Augen- arzt aufgesucht werden. Schielen sollte unbedingt behandelt werden, und zwar so früh wie möglich. Sonst kann nicht nur eine einseitige Sehschwäche entstehen, sondern auch das räumliche Sehen nicht richtig erlernt werden. Die Behandlung um- fasst zwei bis drei Bausteine: Eine Brille korrigiert den Brechungsfehler, ein Augenpflaster klebt das vom Gehirn bevorzugte Auge ab, um die einsei- tige Sehschwäche zu korrigieren bzw. zu verhin- dern. Etwa jedes zweite schielende Kind wird ope- riert. Dabei wird die Stellung der Augenmuskeln chirurgisch korrigiert, das optimale Alter für eine solche OP geben Experten mit 5 bis 6 Jahren an. Schwachsichtigkeit/ Amblyopie bildet sich dann aus, wenn einer der eben beschriebenen Seh- fehler ein Auge betrifft und nicht rechtzeitig er- kannt wird. Dann vernachlässigt das Gehirn das betroffene Auge. In der Folge wird das weniger genutzte Auge schwachsichtig. Amblyopie ist vor allem eine Folge von unbehandeltem Schielen und Hornhautverkrümmung. Wenn der Seh- fehler bereits im Kleinkindalter erkannt und be- handelt wird, besteht eine gute Chance, dass sich Schwachsichtigkeit gar nicht erst entwickelt oder wieder zurückgeht. Die Therapie erfolgt entweder über eine Brille oder ein Augenpflaster. Augenlasern schon für Kinder? Ständig Brille aufsetzen, beschlagene Gläser im Winter, beim Toben aufpassen, die Kontaktlinsen früh einsetzen und abends wieder rausnehmen? Für manche Kinder und Jugendliche ist das nervig. Andere wollen aus optischen Gründen keine Brille tragen. Erwachsene entscheiden sich daher manchmal dafür, ihren Sehfehler operativ durch das Lasern der Augenlinse behandeln zu lassen. Solange der Augapfel noch wächst, ist Lasern al- lerdings keine Option. Und keine gute Augenklinik würde sich bei Kindern und Jugendlichen darauf einlassen. Die einzige Ausnahme sind einige sehr seltene medizinisch bedingte Fälle. Ansonsten wird eine Laser-OP frühestens mit Ende 20 oder Starkes Schielen lässt sich operativ therapieren – hier ein Vorher-Nachher-Eindruck. Foto: BVA Bildarchiv
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