noch rund 14.500 – etwa 31 Prozent weniger. Auch in Sachsen sind die Geburtenzahlen zuletzt weiter gesunken. Mehr dazu in unserer neuen Kolumne rund um Lausitzer Familienpolitik auf den Seiten 24 bis 26. Das entlastet langfristig zwar manche Bereiche der Kindermedizin, löst aber die Nachwuchsfrage bei Ärzten nicht. Entscheidend bleibt, wo Praxen liegen und wie gut sie erreichbar sind. Cottbus wird selbst aktiv Dass man nicht einfach auf neue Ärzte warten kann, hat Cottbus erkannt. Die Stadt brachte 2025 gemeinsam mit der MUL-CT, der KV Brandenburg, dem Landkreis Spree-Neiße, Ärzten und weiteren Partnern eine Arbeitsrunde zur ambulanten Versorgung auf den Weg. Diskutiert wurden unter anderem leichtere Praxisübernahmen, bessere Finanzierung, weniger Bürokratie und Arbeitsmodelle, mit denen auch erfahrene Ärzte nach dem klassischen Rentenalter noch stundenweise oder in Teilzeit weiterarbeiten können. Mit „Docs4Cottbus“ stellt die Stadt bis Ende 2026 bis zu 300.000 Euro bereit, etwa für Investitionen in Praxen, Weiterbildung und die Sicherung von Versorgungsaufträgen. Erste Effekte sind sichtbar: Im Cottbuser MVZ Dr. Braun konnten mit Unterstützung der Stadt zwei zusätzliche Ärztinnen gewonnen werden. Das ist noch keine Lösung für die gesamte Region, zeigt aber, wie kommunale Förderung ganz konkret helfen kann. Die Medizin-Uni wirkt schon jetzt Der Lehrbetrieb der MUL-CT startet im Oktober 2026 mit den ersten 36 Studierenden. Auf die ersten in Cottbus vollständig ausgebildeten Mediziner muss die Lausitz also noch mindestens sechs Jahre warten. Doch die Universität soll nicht nur Ärzte ausbilden, sondern die Versorgungsstruktur selbst zum Forschungs- und Entwicklungsfeld machen. Das beginnt schon während des Studiums: Künftige Mediziner sollen auch in akademischen Hausarztpraxen lernen – ausdrücklich in ländlichen Regionen. Rund 60 Lausitzer Hausärzte und Praxisteams hatten dafür bereits Interesse signalisiert. Besonders spannend für Familien ist das Konzept der Primärversorgungszentren. Statt mehrere Anlaufstellen selbst zusammensuchen zu müssen, sollen Patienten dort möglichst viel aus einer Hand bekommen: hausärztliche Medizin, Pflege, Therapie und soziale Beratung in interprofessionellen Teams, mit längeren Öffnungszeiten und einer gezielten Lotsenfunktion. Fünf Standorte entwickeln derzeit entsprechende Konzepte: Lauchhammer, Lübbenau, Luckau, Finsterwalde und Cottbus. Hier entstehen in den kommenden Jahren neue Gesundheitszentren – eine konkrete Lösung, Versorgung anders zu denken als nach dem alten Muster „ein Arzt, eine Praxis“. Strukturwandel wird Gesundheitspolitik Der Kohleausstieg wird in der Lausitz oft mit Bahnwerk und -strecken sowie Forschung verbunden. Tatsächlich fließt ein erheblicher Teil der Strukturentwicklung auch in Medizin und Pflege. Eine Übersicht aus dem Strukturwandel listete zuletzt 15 Gesundheitsprojekte in der Lausitz auf – von der MUL-CT und dem Digitalen Leitkrankenhaus in Cottbus über Telemedizin im Rettungsdienst und Gesundheitszentren bis zu moderner OP-Technik in Görlitz und Hoyerswerda. Der Ansatz ist insgesamt aber viel umfassender: So soll die „Modellregion Gesundheit Lausitz“ der MUL-CT Forschung, Ausbildung und Versorgung in der brandenburgischen Lausitz als ein übergreifendes Netzwerk verbinden. Hinzu kommen Projekte wie das „Digitale Fundament Lausitz“, mit dem Gesundheitsdaten besser nutzbar werden sollen. Gerade in einer dünner besiedelten Region kann das entscheidend sein: Nicht jede Leistung lässt sich in jedem Ort vorhalten. Umso wichtiger werden Vernetzung, klare Zuständigkeiten und digitale Unterstützung. • Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem, Cottbus • Gesundheitslandhaus Schwarze Pumpe, Spremberg • Pflegeschule/Medizinische Schule, Forst • Robotergestützte Medizintechnik / da Vinci, Klinikum Görlitz • Linksherzkathetermessplatz, Klinikum Görlitz • OP-Roboter für die Wirbelsäulen- chirurgie, Klinikum Görlitz • Hybrider OP-Saal, Lausitzer Seenland Klinikum Hoyerswerda • Vollstationäres Alten- und Pflegeheim als ganzheitliches Angebot sozialer Dienste, Bautzen • Gesundheitszentrum/ Gemeindezentrum, Schleife • Gesundheitszentrum, Boxberg Top 10 Strukturwandelprojekte der Medizin und Pflege 102 › Spezial
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