122 › Kolumne Im Oktober wird wieder an den Zeigern der Uhr gedreht, wobei ich fürchte, dass dies nur in wenigen Familien noch händisch gemacht wird. Die meisten Uhren stellen sich selber um und klassische, analoge Uhren mit Ziffernblatt scheinen mir eine aussterbende Spezies. Ob analog oder digital: Für uns heißt die herbstliche Uhrenumstellung, dass wir eine Stunde mehr Zeit haben für eine Lieblingsbeschäftigung unserer Wahl. Auch die Kinder. Das ist bei dem einen Lesen, beim anderen social media und bei der Dritten schlafen. Am Abend nach der Zeitumstellung stehen wir dann allerdings vor dem Problem, dass die neue Zu-Bett-Geh-Zeit nicht mehr mit der gewohnten übereinstimmt. Theoretisch müsste ich alle eine Stunde früher als üblich ins Bett stecken, was sie natürlich ziemlich blöd finden. Aber erfahrungsgemäß hat sich der neue Tag-NachtRhythmus nach ein paar Tagen eingependelt. Viel anspruchsvoller ist für uns die Zeitumstellung zum Ende der Sommerferien. Mittlerweile sind alle unsere Kinder so alt, dass sie am Wochenende gern lange schlafen, was ich als leidenschaftliche Langschläferin sehr zu schätzen weiß. Das gilt natürlich umso mehr für die Ferien. Und so kam es, dass während der sechswöchigen schulfreien Zeit ein gewisses Lotterleben bei uns Einzug hielt. Abgesehen von Urlaub, Ausflügen und wichtigen Terminen, ließen wir den Wecker aus und die Rollos unten, bis alle wach waren. Und ein junger Mensch in der Hormonumstellung vom Kind zum Erwachsenen kann mitunter bis zum Mittag schlafen. Das wiederum führte zu einer Umstellung der Essenszeiten. Das Frühstück haben wir manches Mal zu einer Zeit eingenommen, zu der die Kinder in ihrer Krippenzeit schon das Mittagessen beendet hatten. Eben jenes Mittag fiel dann meistens komplett weg und es folgte nach einem kleinen Zwischendrin-Snack nur noch das Abendessen – vorzugsweise an einem Strand im Lausitzer Seenland eingenommen. Anfangs zwickte mich ein wenig das schlechtes Gewissen. Schließlich wird uns Eltern von Beginn an von allen möglichen Seiten vermittelt, wie wichtig ein strukturierter Tagesablauf sei und dass ein Kind drei bis fünf feste Mahlzeiten brauche, insbesondere das Frühstück. So was setzt sich über die Jahre im Kopf fest und lässt sich nur langsam durch gegenteilige Praxiserfahrungen aufweichen. (Ich habe bis heute ein schlechtes Gewissen, dass meine Kinder während der Schulzeit morgens zu Hause kein Frühstück essen). Was mein schlechtes Gewissen in Bezug auf die Ferien beruhigt hat: Erstens, haben die Kinder keine sichtbaren Schäden davongetragen. Zweitens, habe ich währen der Ferien mit mehreren Eltern gesprochen, denen es ähnlich ging. Auch dort wurde mitunter mittags erst das Frühstück eingenommen. In Gaststätten und Hotels wird das erfolgreich als Brunch vermarktet. Vielleicht mache ich das den kommenden Ferien einfach genauso und rufe nicht mehr zum Frühstück, sondern zum Brunch. Seit ein paar Tagen hat uns der Schul- und Arbeitsalltag wieder. Die Umstellung von Ferien- und Schulzeit fiel allen wie zu erwarten etwas schwer, ist aber mittlerweile gelungen. Meinem Arbeitseifer im Home-Office tut die Umstellung auch sehr gut. Seit der Wecker morgens wieder klingelt, ist das Risiko, dass ich die Morgenbesprechung via zoom oder dienstliche Anrufe verpasse, drastisch gesunken. Und bis zur nächsten Zeitumstellung – jene auf die Herbstferien und zeitgleich auf die Winterzeit – sind es zum Glück noch ein paar Wochen. Lausitz-Mummy: Zeitumstellung
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