lausebande-09-2026

Denkanstöße ‹ 25 geburtenschwachen Jahrgängen der 1990er-Jahre entstammt. Die absolute Zahl der Geburten in Deutschland fiel 2025 so auf den niedrigsten Stand der Nachkriegszeit. Ein Trend, für den aktuell keine Besserung in Sicht ist. In der Lausitz trifft dieser Trend zusätzlich auf eine historisch verschärfte Demografie: In den zwei Jahrzehnten nach der Wende haben viele junge Leute die Region verlassen – gerade Frauen. Die fehlen heute. Deshalb zählt die Lausitz zu den am stärksten überalterten Regionen in Deutschland, entsprechend niedrig sind die Geburtenzahlen in unserer Region. Konkrete Betroffenheit Das hat auch konkrete Auswirkungen: Im Juni 2025 musste trotz Widerstand die Geburtsklinik in Forst geschlossen werden. In diesem Jahr konnte die Schließung der Geburtsklink in Kamenz mit 500.000 Euro vom Landkreis Bautzen gerade noch gestoppt werden – jedoch vorerst nur bis Ende 2026. Krisenmodus als Erklärung Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung erklärt die aktuelle Entwicklung durch die Vielzahl an Krisen – Corona, Inflation, Ukrainekrieg, Klimawandel & Co. Da der Osten über weniger finanzielle Rücklagen verfügt und enger mit Osteuropa verknüpft ist, treffen ihn Inflation und Ukrainekrieg gerade besonders. In der Lausitz kommen Unsicherheiten durch den Strukturwandel hinzu. Pro: Welche Politik hilft Weltweit haben seit langem alle Industrienationen mit niedrigen Geburtenraten zu kämpfen. Das hat gute Gründe: Frauen verfügen über bessere Bildung sowie Chancen auf Karriere und Selbstverwirklichung. Der Zugang zu Verhütung und meist auch zum selbstbestimmten Abbruch ungewollter Schwangerschaften ist gegeben. Und während Kinder in Entwicklungsländern schon früh unterstützen und eine ungesicherte Altersvorsorge ersetzen, sind sie hier ein klarer Kostenfaktor. Sind Kind und persönliche Entfaltung aber vereinbar, erfüllen sich Pärchen am ehesten ihren Kinderwunsch. So übertraf die Geburtenrate des Ostens von 2008 bis 2019 sogar die des Westens. Grund dafür waren hohe Betreuungsraten von Kindern unter drei Jahren (noch heute: Ost – 50 %; West – 30 %) und eine starke wirtschaftliche Teilhabe von Frauen, die vielfältigere FamilienCottbus belegte im Städteranking 2024 der WirtschaftsWoche sogar einen Spitzenplatz: Hier haben mit 64 % deutlich mehr Kinder unter drei Jahren einen Kitaplatz als im deutschen Durchschnitt (37 %). modelle wie z.B. mehr alleinerziehende Frauen ermöglichte. Den Beweis liefert aktuell Frankreich mit einer deutlich höheren Geburtenrate trotz aller Krisen. Dort ist die Betreuung von Kindern im Krippen- und Kitaalter deutlich besser ausgebaut, ab drei Jahren ist sie nahezu flächendeckend. Seit 2019 gilt in Frankreich die Schulpflicht ab drei Jahren; die kostenlose „École maternelle“ verbindet Vorschule und Kindergarten, im Schuljahr 2024/25 besuchten 98,5 Prozent der Dreijährigen eine solche Einrichtung. Zudem wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch vielfältige wirksame Maßnahmen erleichtert. Contra: Welche Politik nicht hilft Daten aus Deutschland und anderen Ländern zeigen ebenso klar, was nicht hilft. So sind Einmalprämien oder finanzieller Support allein nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und bewegen Pärchen in der Regel nicht zur Erfüllung ihres Kinderwunsches. Südkoreas Politik versucht z. B. der dortigen Geburtenrate von nur 0,8 seit Jahren vor allem mit finanziellen Maßnahmen zu begegnen – erfolglos. Vergleichbare Maßnahmen sind in anderen Ländern ebenso wirkungslos. Aus wissenschaftlichen Daten und Realitäten der Industrieländer lässt sich ableiten, dass Zuversicht im Hinblick auf sowohl die eigene Zukunft als auch die des Kindes sowie der gesellschaftliche Rahmen entscheidend für die Erfüllung des Kinderwunsches bei jungen Paaren sind. Struktur hilft viel, Geld hilft weniger. Unsicherheiten über die Zukunft konterkarieren den Kinderwunsch. Das betrifft vor allem die Frauen, aber auch ihren Blick auf die Zukunft des Kindes. Vor diesem Hintergrund und vorausgesetzt, wir wollen Frauen nicht die Selbstbestimmung nehmen und sie nicht wie vor einhundert Jahren auf Haushalt und Kinderkriegen reduzieren, lässt sich die Familienpolitik unserer Parteienlandschaft gut einordnen. So setzt die AfD auf Betreuungsgeld für häusliche Erziehung, eine Willkommensprämie für Babys und wirkt mit dem Leitbild der traditionellen Familie (Vater,

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