lausebande-12-2021
Titelthema ‹ 63 In dieser Ausgabe widmen wir uns einem Thema, dass auf den ersten Blick gar nicht so viel mit Familien zu tun hat, zu dem viele unserer Leser*innen aber vermutlich trotzdem eine sehr klare Position haben. Es geht um gendergerechte Sprache, also die Mitnennung von Frauen und von Menschen, die sich keinem Geschlecht zu- ordnen. Die Mehrheit der Deutschen lehnt das ab. Wo immer das Thema in den Medien aufkommt, wird hart und heftig diskutiert – insbesondere in den sozialen Medien. Dass ein kleiner Stern einen Krieg der Mei- nungen auslösen kann, zeigte im Sommer ein Edeka-Markt aus Friedberg bei Augsburg. Der Marktleiter stellte das Foto von einem Glas „Stu- dent*innen Futter“ online, das schon länger ohne viel Aufsehen im Laden verkauft und gekauft wurde. Der Post bei Facebook und Twitter ging viral und löste neben Zustimmung einen regel- rechten Shitstorm aus. Der Marktleiter sieht die Diskussion gelassen, die Zielgruppe des Produkts freut sich über das neue Glas, denn nicht nur die Beschriftung passt zu ihrer Philosophie, sondern auch alles andere: Die Nüsse in Bio-Qualität sind fair gehandelt und in einem Pfandglas verpackt. Und alle anderen haben ja zum Glück noch eine Riesenauswahl an Studentenfutter. Was genau ist gendergerechte Sprache? Genderneutrale oder gendergerechte Sprache ist ein Bestandteil des Diversity-Themenkomplexes. Diversity lässt sich am besten mit dem Begriff „Vielfalt“ übersetzen. Gemeint ist dabei der be- wusste Umgang mit der Vielfalt der Gesellschaft und ein respektvoller Umgang mit Verschieden- heit und Individualität. Neben dem gleichberech- tigten Umgang der Geschlechter gehören dazu beispielsweise noch folgende Aspekte: Ethnie, Religion, sexuelle Orientierung, soziale Herkunft, Behinderung. Gendergerechte Sprache will alle Menschen, un- abhängig von ihrem Geschlecht, einbeziehen und sie gleichberechtigt ansprechen. Das gilt nicht nur für Männer und Frauen, sondern auch für Men- schen, die sich in diesem zweigeschlechtlichen System nicht wiederfinden. Um sie sprachlich Krieg der Sternchen Zur Diskussion um gendergerechte Sprache Dieses Foto eines Edeka-Marktes löste neben Zustimmung viel Häme aus, der Marktleiter reagiert mit Humor und kommentiert: „Wir sind Teil der Genderverschwörung…. In den nächstenWochen werden wir noch weitere Lebensmittel umbenennen… Passend zum deutschen Naturell starten wir mit Katroffel*innen.“ einzubeziehen, gibt es mehrere Möglichkeiten, darunter eher ungewöhnliche Vorschläge wie die Nutzung neutraler Endungen. Das würde bei dem Wort „Leser“ dann so aussehen: Lesy, Lesx, Lesens (ens als Wortendung, hergeleitet aus der Mitte des Wortes Mensch). Die bisher gebräuchlichste Form ist der Genderstern *, also Leser*in. Haben wir keine anderen Probleme? Diejenigen, die Gendersprache für Unfug halten, fragen häufig: Haben wir keine anderen Sorgen? Wollen wir uns nicht lieber um die wirklichen Probleme kümmern? Ohne Frage gibt es genug Herausforderungen für die nächsten Jahre und Jahrzehnte, umdie wir uns schnell undmit ganzer Kraft kümmern sollten. Doch ist das wirklich ein Grund, andere Themen liegen zu lassen und zu warten, bis der große Problemberg abgearbeitet ist? Es gibt einige Menschen, denen das Thema wirklich am Herzen liegt, die nach kreativen Lö- sungen für eine Sprache suchen, die nicht nur alle Geschlechter miteinbezieht, sondern zugleich lesbar bleibt. Lassen wir doch diese Menschen einfach weitermachen und alle anderen, die das für überflüssig halten, können sich ja den wirk- lich wichtigen Problemen widmen. Redaktion: Anett Linke (Redaktionsleitung Familienmagazin lausebande)
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