lausebande-12-2021

66 › Titelthema Aber lehnt nicht die Mehrheit Gendersprache ab? Tatsächlich ist die Mehrheit der Menschen in Deutschland gegen das Gendern in der Sprache. Zwei Drittel halten Gendersternchen und ähn- liche Formen für unnötig und überflüssig. Ent- sprechende Ergebnisse brachte eine im Sommer veröffentlichte Umfrage von infratest dimap zu Tage. In Auftrag gegeben hat sie die „Welt am Sonntag“. Ein Jahr zuvor war die gleiche Umfrage schon ein Mal durchgeführt worden. Innerhalb dieses einen Jahres ist Ablehnung von genderge- rechter Sprache sogar noch gewachsen. Wenig überraschend: Unter denen, welche die Partei die Grünen wählen, befürworten deutlich mehr das Gendern als unter jenen, die der AFD zuge- neigt sind. Zudem zeigt die Umfrage, dass Frauen und Jüngere eine gendergerechte Sprache etwas stärker befürworten, ebenso Menschen mit einem hohen Bildungsgrad. Hier wird sich in den kommenden Jahren, viel- leicht auch erst Jahrzehnten zeigen, ob sich für gendergerechte Sprache eine Mehrheit findet oder ob es das Herzensprojekt einer engagierten, aber kleinen Minderheit bleibt. 0 5 10 15 20 25 30 35 40 lehne ich voll und ganz ab lehne ich eher ab befürworte ich eher befürworte ich voll und ganz Mehrheit lehnt gendergerechte Sprache ab 2021 2020 Wir hätten gern noch eine kleine Umfrage unter Lausebanden veröffentlicht und haben uns dazu auf der Straße umgehört. Die Familien, die wir be- fragt haben, hielten Gendern durchweg für Blöd- sinn. Allerdings war keine von ihnen bereit, diese Meinung mit Name oder gar Foto in der lause- bande zu veröffentlichen. Gendern stört den Textfluss EinGrund für diese starke Ablehnung ist das Sprach- gefühl. Viele Menschen stören sich daran, dass Texte mit Genderstern, Doppelpunkt, Binnen-I oder auch der Doppelformweniger verständlich sind. Der Lese- fluss ist gestört, die Gender-Zeichen lenken bisweilen vom Inhalt des Textes ab. Das ist nicht von der Hand zu weisen. Insbesondere wenn in einem Text sehr konsequent die Doppelform Leser und Leserinnen genutzt wird, kann das zu deutlich mehr Textlänge führen. Vermutlich ist es auch genau diese Form des Genderns, die viele abschreckt und die ganze The- matik etwas elitär wirken lässt. Dabei gibt es mitt- lerweile sprachliche Alternativen wie die Nutzung von neutralen Begriffen, z.B. Studierende statt Stu- dent*innen oder Redaktion statt Redakteur*innen. Am Ende dieses Artikels stellen wir einige dieser Möglichkeiten vor. Quelle: infratest dimap für Welt am Sonntag

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