lausebande-12-2021

Titelthema ‹ 73 konservative Meinungen. Die zunehmende Nut- zung von Anglizismen ist ihm ebenso ein Graus wir das Gendern. Er positioniert sich sehr klar gegen die Nutzung gendergerechter Sprache. Gendern sei nutzlos, unwissenschaftlich, se- xistisch und undemokratisch. Der Verein ver- weist darauf, dass die Mehrheit der Deutschen sprachliches Gendern ablehne und sieht eine sprachliche Gängelung der Menschen. Er hat eine Petition zur Rettung der deutschen Sprache gestartet, die sich gegen die durch den Duden vorgenommene „Sexualisierung der deutschen Sprache“ richtet und unterstützt eine Unter- lassungsklage eines Audi-Mitarbeiters, der sich durch die Gender-Richtlinien seines Arbeitge- bers gegängelt sieht. Gendergerechte Sprache in den Medien Einen vermutlich noch viel größeren Einfluss als diese Institute haben die Medien auf die Ent- wicklung und die Nutzung von Sprache. Durch ihre breite Öffentlichkeit wird ihre Sprech- und Schreibweise vergleichsweise stark wahrge- nommen. Medien sind daher ein Gradmesser für die Relevanz und Akzeptanz gendergerechter Sprache. Als Petra Gerster, ehemalige Nachrich- tensprecherin beim ZDF, anfing in der „heute“- Sendung die Genderlücke zu sprechen, sorgte das für viel Aufsehen. Sie erhielt nach eigenen An- gaben zahlreiche wütende Mails. Doch wie so oft trat irgendwann Gewöhnung ein, die Zahl der kri- tischen Mails ging mit der Zeit deutlich zurück. Die Entscheidung dazu hatte sie selbst getroffen. Die wenigsten Medien machen der Redaktion ver- pflichtende Vorgaben. Hier ein Überblick über den Umgang ausgewählter Medien mit genderge- rechter Sprache: Die Nachrichtenagenturen wie dpa, AFP und Reuters haben im Juni gemeinsame Leitlinien zu diskriminierungssensibler Sprache veröf- fentlicht. Demnach wird das generische Masku- linum in kompakter Nachrichtensprache noch vielfach verwendet, soll aber schrittweise zu- rückgedrängt werden. Ob die Nachrichtenagen- turen in einigen Jahren ganz darauf verzichten können, hänge von der weiteren Entwicklung der Sprache ab. Solange nicht klar ist, ob und welche Sonderzeichen wie Gendersternchen sich durchsetzen, wird darauf verzichtet. Statt- dessen sollen andere Formen wie Studierende oder „ärztlicher Rat“ statt „Rat des Arztes“ ge- nutzt werden. Die Lausitzer Rundschau hat das Thema in der Redaktion in den vergangenen Monaten häufiger diskutiert: „Wir empfehlen den Redakteurinnen und Redakteuren, sich an den Leitlinien der Nachrichtenagenturen für diskriminierungssen- sible Sprache zu orientieren. Bei unseren redak- tionellen Texten benutzen wir keine Genderstern- chen oder das Gender-Gap, kein Binnen-I oder Schrägstrich- bzw. Klammerschreibweisen.“ Die Sächsische Zeitung teilt auf lausebande-An- frage mit: Das Thema wird in der Redaktion regel- mäßig diskutiert, eine Entscheidung im Sinne von Regelwerk oder Leitlinien gibt es bislang nicht. Die Chefredaktion tendiert dazu, zunächst ein belastbares Meinungsbild aus der Leserschaft zu gewinnen, also von den Menschen, für die sie schreiben. Und dies durchaus differenzierend zwischen Print und digital mit ihrem jeweils un- terschiedlichem Publikum. Vom Regionalfernsehen LTV heißt es auf un- sere Nachfrage: „Die oberste Leitlinie ist, dass wir gendergerechte Sprache in jedem Fall benutzen möchten. Da es für unser Empfinden etwas un- glücklich klingt, im Fernsehen die Version mit dem *innen zu nutzen, haben wir uns geeinigt in den Texten jeweils beide Versionen zu nennen (also Cottbuserinnen und Cottbuser). An den Stellen, wo eine Alternative möglich ist, die Wie stark gendern die Medien? Zumindest in Überschriften gestaltet es sich schwierig.

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