lausebande-12-2021
74 › Titelthema beide Geschlechter mit einschließt (z.B. Nutzende anstatt Nutzerinnen und Nutzer), versuchen wir, diese Begriffe zu verwenden.“ Der rbb bemüht sich grundsätzlich umeine gender- sensible, verständliche und zugewandte Sprache. Die konkrete Umsetzung des Genderns bleibt den Redaktionen überlassen. Sie entscheiden mit Blick auf die jeweilige Zielgruppe über die Verwendung des gesprochenen Gendersternchens. „In allen anderen Nachrichten und ebenso in der Unterneh- menskommunikation des rbb werden Genderstern- chen, Doppelpunkt oder Binnen-I nicht verwendet. Wir legen großen Wert auf Verständlichkeit. Des- halb bevorzugen wir hier, beide Geschlechtsformen oder genderneutrale Sprache zu nutzen.“ Der Radiosender Fritz des rbb war einer der ersten, der sich bewusst für das Mitsprechen des Gender-Gaps entschieden hat. Bereits seit Herbst 2020 wird beim Sprechen die entsprechende kurze Pause gelassen. Begründet wurde das mit der recht jungen Zielgruppe und Redaktion des Senders, die beide sehr wohl Wert auf genderge- rechte Sprache legen. Von der Zielgruppe kam dann auch überwiegend Zustimmung. Beim MDR regelt ein „Leitfaden für einen dis- kriminierungsfreien und geschlechtergerechten Sprachgebrauch“ das Thema. Das Papier verweist darauf, dass durch die Sprache in Programmen und auf Webseiten niemand diskriminiert werden soll. Gender-Sternchen, Binnen-I oder andere Sonderschreibweisen aber hat das Direktorium abgelehnt. Grundsätzlich empfiehlt der MDR- Leitfaden den Mitarbeitenden, nach kreativen Lö- sungen zu suchen und die alleinige Verwendung des generischen Maskulinums zu vermeiden. Der Spiegel empfiehlt in seinen zuletzt Anfang 2020 aktualisierten Standards auf die alleinige Ver- wendung des generischen Maskulinums zu ver- zichten. Stattdessen sei angestrebt, in Texten beide Geschlechter abzubilden. Denkbar sei die Nennung beider Geschlechter oder die Nutzung geschlechts- neutraler Variantenwie Studierende. Die taz macht der Redaktion keine Vorschriften. Dennochfinden sich in fast allenArtikeln genderge- rechte Formen von Substantiven, wobei die Vielfalt groß ist: Politiker:innen, Leser*innen, Ministerprä- sidentInnen oder auch einfach nur Zuschauer, denn nicht allemüssen undwollenmitmachen. Das ZDF teilt das Anliegen einer geschlechterge- rechten Ansprache. Es stellt der Redaktion und der Moderation frei, dafür sprachliche Mittel zu finden. Es gibt keine Vorgabe, in ZDF-Sendungen zu gendern, aber auch keine Verbote. Die ARD bemüht sich in allen Sendungen des Ersten um eine geschlechtergerechte Sprache, von der sich möglichst alle Zuschauerinnen und Zuschauer angesprochen fühlen. In den Nach- richtensendungen von ARD aktuell wird der Genderstern nicht mitgesprochen, weil er derzeit nicht dem allgemeinen Sprachgefühl entspreche. Gendern international: Führen auch andere Länder diese Debatte? Wer die oft hitzige Debatte in Deutschland ver- folgt, fragt sich mitunter, ob auch andere Länder mit so viel Leidenschaft darüber diskutieren. Das passiert durchaus. So brach in Frankreich ein re- gelrechter Shitstorm über die Redaktion des Wör- terbuchs Petit Robert her, das in Frankreich eine Stellung inne hat wie der Duden in Deutschland. Die Ursache: Das Wörterbuch hat in seiner On- line-Ausgabe das Pronomen „iel“ aufgenommen, eine Zusammensetzung aus „il“ für „er“ und „elle“ für „sie“. Damit sollen jene Menschen benannt werden können, die sich keinem Geschlecht zu- ordnen. Das Wort werde zunehmend in der Praxis verwendet, so die Begründung der Redaktion. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Wäh- rend Transgender-Vertretungen die Neuerung als historischen, überfälligen Schritt begrüßen, sieht Frankreichs Bildungsminister Jean-Michel Blanquer die französische Sprache bedroht. Die Robert-Redaktion reagiert gelassen, sie freut sich über die angestoßene Debatte und will „iel“ eben- falls in die nächste gedruckte Auflage aufnehmen. Auch die Diskussion um die Verwendung von Genderstern oder Bindestrich wird seit Jahren kontrovers geführt, an Schulen beispielsweise wurde sie untersagt – ähnlich wie in Deutschland. In Schweden wurde diese Diskussion schon vor sechs Jahren geführt. Seitdem findet sich in schwedischen Wörterbüchern das Personalpro- nomen „hen“ – genutzt wird es analog zu „iel“. Es ergänzt somit die Pronomen „han“ für „er“ und „hon“ für „sie“. Mit „hen“ kann man sowohl Menschen ohne Geschlechtszugehörigkeit be- zeichnen, es aber auch einfach allgemein nutzen, wenn kein Geschlecht explizit genutzt werden soll, beispielsweise in Kinderbüchern, in denen
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