lausebande-12-2021

der Hauptfigur kein Geschlecht zugeschrieben wird, wie ein Elefant oder Monster. Als das Wör- terbuch „hen“ aufgenommen hat, war das nur eine Reaktion auf den allgemeinen Sprachge- brauch. Das Pronomen wurde in Medien und im Alltag zunehmend häufiger verwendet. Gleich- wohl hat die Aufnahme ins Wörterbuch im Jahr 2015 zu Debatten geführt. Der schwedische Autor Jan Guillou warf militanten Feministinnen vor, sie würden die Sprache zerstören. Andere Länder müssen diese Debatten erst gar nicht führen, weil es in ihrem Sprachsystem keine Unterscheidung zwischen männlichem und weib- lichem Geschlecht gibt. So spielt die Genusunter- scheidung im Chinesischen, Japanischen, Türki- schen und Ungarischen keine Rolle. Das Englische wiederum verzichtet weitgehend auf das grammatische Genus, unterscheidet aber bei den Pronomen zwischen den Geschlechtern. Dort steht doctor für Arzt und Ärztin, friend für Freund und Freundin. Wo es die Unterschei- dung dennoch gibt, wird nach geschlechtsneu- tralen Lösungen gesucht. Statt policeman wird policeofficer genutzt. Die Pronomen sie und er werden mit she und her übersetzt. Um alle Ge- schlechter einzubeziehen, wir die Formulierung they genutzt. In der kanadischen Armee wurde im Frühjahr die Nutzung des Wortes unmanned/ unbemannt durch das genderneutrale Wort „un- crewed“ ersetzt. Praxistipps für Familien Das waren ganz schön viele Argumente für und auch gegen eine gendergerechte Sprache. Was heißt das praktisch für Familien? Natürlich dürfen und sollen Sie weiter so mit Ihren Kindern sprechen, wie Sie es für richtig halten. Wer aber Töchter hat und diesen Artikel aufmerksam ge- lesen hat, ist vielleicht doch geneigt, es mal mit gendergerechter Sprache zu versuchen. Denn so- lange wir nur von Ingenieuren, Piloten, Mechani- kern und Ärzten sprechen, könnte es passieren, dass Mädchen sich nicht angesprochen fühlen, dass sie davon ausgehen, diese Berufe seien nichts für Frauen. Die Sprache allein wird die Vorstellungswelt unserer Kinder aber nicht ver- ändern. Daher ist es mindestens genauso wichtig, Jungs und Mädchen gleichermaßen zu fördern, ihnen alle Hobbys zu ermöglichen, ganz gleich ob der Sohn zum Tanzen will oder sich die Tochter Lego Technics wünscht. Denn vermutlich noch viel stärker als Sprache wirken unsere unter- Wenn wir starke Töchter – und auch Jungs haben wollen – gehört noch viel mehr dazu als die Sprache.

RkJQdWJsaXNoZXIy MTcxMjA2