Jetzt zum Impfen – Kinder schützen!

Datum: Dienstag, 30. Oktober 2018 13:04


Ein Plädoyer für die Impfung – und ein Denkanstoß für Impfgegner.

In jedem Jahr beginnt im Herbst die Impfsaison – und traditionell unterstützen wir diesen wichtigen Schutz für unsere Kinder. Ob Masern oder Grippeschutz – fürsorgliche Eltern sollten die jährliche Impfung zum festen Bestandteil der Gesundheitsvorsorge machen. Wir klären einmal mehr auf, warum die Impfung so wichtig ist, was Eltern beachten sollten und wie sie möglichst schmerzfrei ablaufen kann. Schützen Sie Ihr Kind – und damit auch alle anderen Kinder!

Warum ist jedes Jahr eine neue Impfung nötig?
Grippeviren sind Verwandlungskünstler – sie verändern ständig ihr „Aussehen“. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beobachtet diesen ständigen Wandel weltweit, um abzuschätzen, welche Virus-Varianten mit hoher Wahrscheinlichkeit im nächsten Winter auftauchen werden. Daraus abgeleitet werden jedes Jahr vier Virus-Varianten empfohlen, von denen mindestens drei bei der Impfstoffherstellung berücksichtigt werden sollen. Dabei können sich von Jahr zu Jahr gewisse Änderungen ergeben. Eine jährliche Impfung ist also wichtig, um vor den in der jeweiligen Grippesaison zirkulierenden Grippeviren geschützt zu sein.

Wie wirksam ist die Impfung bei Kindern?
Die Auswertung vieler Studien hat gezeigt, dass Grippeimpfstoffe unabhängig vom Impfstofftyp bei gesunden Kindern und Jugendlichen insgesamt eine Schutzwirkung von 59 bis 75 Prozent haben. Das heißt, bis zu drei Viertel der Kinder, die ohne Impfung erkrankt wären, sind geschützt. Der Impfstoff, der als Nasenspray verabreicht wird, führt insbesondere bei Kindern bis zu sechs Jahren (mit 72 bis 83 Prozent) zu einem höheren Impfschutz als die Impfstoffe zum Spritzen.

… und bei Erwachsenen?
Gesunde Erwachsene sprechen auf die Impfung nicht ganz so gut an wie Kinder und Jugendliche. Die Schutzwirkung liegt bei ihnen zwischen 59 und 67 Prozent. Bei älteren Erwachsenen fällt die Wirksamkeit mit 41 bis 63 Prozent ebenfalls schlechter aus als bei jüngeren Erwachsenen. Sicher ist: Durch die jährliche Grippeimpfung treten weniger schwere Grippeerkrankungen und Folgeerkrankungen (z.B. Lungenentzündungen) auf. Es werden auch weniger Menschen aufgrund einer Grippeerkrankung in Krankenhäusern behandelt. Durch die Impfung wird das individuelle Erkrankungsrisiko verringert! Neben der eigenen Gesundheit werden durch die Impfung auch Personen im näheren Umfeld geschützt, die nicht geimpft werden können!

Ist der Grippeimpfstoff sicher?
Jeder neue Grippeimpfstoff benötigt eine Zulassung, bevor er in Deutschland erstmals verwendet werden darf. Das Zulassungsverfahren dafür ist streng reguliert und sehr komplex. In verschiedenen Studien müssen die Qualität, Wirksamkeit und Verträglichkeit des Impfstoffes belegt werden. Auch nachdem der Impfstoff erstmals zugelassen wurde, erfolgen weitere Prüfungen, um die Freigabe für den deutschen Impfstoff-Markt zu erhalten. Diese Freigabe erfolgt letztlich durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Die Verträglichkeit der Impfstoffe wird auch nach der Zulassung unter Berücksichtigung der Meldungen unerwünschter Nebenwirkungen durch das PEI weiter beobachtet und bewertet.

Welche Nebenwirkungen können nach der Impfung auftreten?
Die zugelassenen Impfstoffe sind in der Regel gut verträglich! Auch für Schwangere und das ungeborene Kind konnte in verschiedenen Studien die Sicherheit der Grippeimpfung nachgewiesen werden. Wie bei anderen Impfungen auch kann es an der Einstichstelle zu vorübergehenden Rötungen, leichten Schmerzen und Schwellungen kommen. Nach der Grippeimpfung zeigen bis zu 9 von 100 geimpften Personen Reaktionen wie bei einer Erkältung (z.B. leichtes Fieber, Muskel- oder Gliederschmerzen). Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten.

Wann sollte nicht geimpft werden?
Da die meisten Grippeimpfstoffe in Hühnereiern hergestellt werden und somit geringe Mengen Hühnereiweiß enthalten, sollten Menschen mit einer schweren Hühnereiweißallergie dies unbedingt ihrem Arzt mitteilen. Tipp: Wer ein weichgekochtes Ei essen kann, verträgt die Impfung i.d.R. gut. Ob geimpft werden kann, entscheidet der Arzt. Zudem gibt es auch einen Impfstoff, der für Hühnereiweißallergiker geeignet ist. Kinder und Jugendliche, deren Immunsystem geschwächt ist, die an schwerem Asthma leiden oder die mit Salicylaten behandelt werden, sollten nicht mit Nasenspray geimpft werden. Liegt eine akute behandlungsbedürftige Erkrankung mit Fieber über 38,5 °C vor, sollte zu einem späteren Zeitpunkt geimpft werden.

Stress- und schmerzarmes Impfen: So gelingt es!

Bei einigen Menschen rufen Impfungen Stress hervor. Es gibt jedoch einfache Maßnahmen, Ängste vor Impfungen und mögliche Schmerzen zu verringern. Sie selbst sowie Ihre Ärztin bzw. Ihr Arzt können hierfür etwas tun – mit bestimmten Körperhaltungen, altersabhängiger Ablenkung und anderen Verhaltensweisen.

Vor der ersten Impfung Ihres Kindes: Sprechen Sie schon möglichst früh – am besten bereits bevor Ihr Kind zum ersten Mal geimpft wird – mit Ihrer Kinderärztin bzw. Ihrem Kinderarzt über Impfungen und erkundigen Sie sich nach Tipps, wie Sie sich auf den Impftermin vorbereiten können.

Bei der Impfung …
Für Kinder unter 10 Jahren ist es wichtig, dass während der Impfung die Eltern bzw. ein Elternteil anwesend sind.
Kinder ab 3 Jahren wie auch Jugendliche und Erwachsene sollten direkt vor der Impfung darüber aufgeklärt werden, wie geimpft wird und wie man mit einfachen Mitteln Stress bewältigen und mögliche Schmerzen vermindern kann. So hilft es Kindern, wenn sie die Hand der Mutter oder des Vaters drücken.
Eltern sowie das Praxisteam sollten Ruhe ausstrahlen und fälschlich beruhigende Versprechungen wie „Es tut überhaupt nicht weh“ vermeiden!

Körperhaltungen …
Eltern sollten Ihre Kinder bis zum Alter von 3 Jahren am besten im Arm oder auf dem Schoß halten und nach der Impfung leicht schaukeln und liebkosen.
Kinder ab 3 Jahren sitzen am besten während der Impfung, z. B. auf dem Schoß der Mutter oder des Vaters (dies unterstützt auch Stillhalten der Beine und Arme).

Stillen oder „Süßes“ …
Babys können, wenn sie noch gestillt werden, kurz vor oder während der Impfung angelegt werden. Ersatzweise können Sie Ihrem Baby einen Schnuller geben.
Kinder unter 2 Jahren, die nicht mehr gestillt werden, können kurz vor der Impfung einen kleinen Schluck Zuckerwasser (2 ml 25%ige Glukoselösung) oder eine andere süße Flüssigkeit trinken. Besprechen Sie dies vorher mit Ihrer Kinderärztin bzw. Ihrem Kinderarzt.

Gut zu wissen: Bei einer Rotaviren-Impfung sollte Ihr Kind im Zeitraum von 1 h vor bis 1 h nach dem Impfen nicht gestillt werden. Das Stillen zum Zeitpunkt der Impfung vermindert sonst möglicherweise deren Wirkung. Da die Schluckimpfung gegen Rotaviren süßlich ist, sollte, wenn beim Termin weitere Impfungen geplant sind, mit der Rotaviren-Impfung begonnen werden.

Ablenkung …
Ablenkungen kurz vor und nach der Impfung beispielsweise durch Seifenblasen, Luftballons, das eigene Lieblings-Spielzeug oder ein Buch, Videos, Musik oder Gespräche helfen gut bei Kindern unter 6 Jahren.

Schmerzstillende Medikamente ...
In Einzelfällen können bei Kindern, die älter als 3 Monate sind, Schmerzpflaster (sogenannte Lidocain-haltige Pflaster) benutzt werden. Das Pflaster sollte mindestens 30 bis 60 Minuten vor der Impfung einwirken.
Erkundigen Sie sich bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob und wie Sie die Pflaster verwenden sollen. Die Kosten der frei in der Apotheke erhältlichen Pflaster (Stück. ca. 5 €) muss man in der Regel selbst tragen.
Kurz vor der Impfung kann die Impfstelle mit Eisspray gekühlt werden (Sprühzeit: 2 bis 8 Sekunden)