Kleiner Piks, große Wirkung

Datum: Dienstag, 27. Oktober 2020 15:55


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Unser traditionelles Impfen-Spezial erscheint in diesem Jahr mit einem Schwerpunkt zu Corona und zur Masern-Impfpflicht.

Impfen schützt, das Prinzip ist recht einfach: Durch eine Spritze oder auch ein Nasenspray werden abgetötete oder geschwächte Krankheitserreger verabreicht. Die sind so schwach, dass sie die Krankheit nur vortäuschen und man nicht ernsthaft erkrankt. Dennoch reagiert der Körper darauf mit einer Immunantwort. Er bildet Antikörper und Gedächtniszellen. Kommt der Geimpfte später tatsächlich mit dem Krankheitserreger in Kontakt, kann der Körper diese Zellen schneller aktivieren und die Krankheit abwehren. Bei einigen Impfungen reicht eine einmalige Gabe, andere brauchen zwei bis drei Impfdosen für den vollständigen Schutz und einige müssen im Laufe des Lebens aufgefrischt werden.

Durch Impfen ausgerottete Krankheiten

  • Pocken: weltweit 1979
  • Polio: Amerika 1996, Westpazifik 2000, Europa 2002
  • Röteln: Nord- und Südamerika seit 2015


Durch das Prinzip der Impfung werden schwere Krankheitsverläufe mit bleibenden Schäden oder gar einem tödlichen Verlauf verhindert. Die gern als Kinderkrankheiten bezeichneten Erreger sind nämlich keineswegs so harmlos wie der Begriff vermuten lässt. Viele von ihnen sind hoch ansteckend. Keuchhusten kann bei Säuglingen zu schwerer Atemnot führen, Masern können zu einer Hirnhautentzündung mit bleibenden Schäden bis hin zum Tod führen. Impfungen verhindern das und sind daher neben Antibiotika die wichtigste Errungenschaft der modernen Medizin.

Herden-Immunität schützt Ungeimpfte

Die Spritze schützt nicht nur jene, die durch die Impfung immun werden und bestimmte, gefährliche Krankheiten nicht mehr bekommen können. Sie schützt auch all jene, die nicht geimpft werden können, weil sie beispielsweise zu klein sind oder aufgrund einer Erkrankung nicht geimpft werden dürfen. Hier greift das Prinzip der Herdenimmunität, das auch im Kampf gegen das Corona-Virus als mögliche Strategie diskutiert wurde. Der Gedanke: Wenn möglichst viele Menschen gegen eine Krankheit immun sind, hat das Virus keine Chance mehr, sich weiter zu verbreiten.

Je höher die Impfquote, desto besser funktioniert das Prinzip der Herdenimmunität. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt eine Quote von mindestens 95 Prozent für einen effektiven Schutz der Gemeinschaft. Ist die Quote noch etwas höher und wird diese über mehrere Jahre konsequent durchgehalten, ist es sogar möglich, bestimmte Krankheiten auszurotten. Die erste und bisher einzige weltweit ausgerottete von Mensch zu Mensch übertragene Krankheit sind die Pocken. Im 18. und 19. Jahrhundert war die Krankheit gefürchtet, vor allem Kinder erkrankten schwer und starben oft. Noch im 20. Jahrhundert starben weltweit 300 Millionen Menschen an Pocken. 1979 konnte die WHO die Erkrankung dank eines Impfstoffs als ausgerottet erklären. Gegen Pocken wird daher heute nicht mehr geimpft. Anders sieht es bei Polio aus. Die auch als Kinderlähmung bezeichnete Krankheit gilt zwar in einigen Regionen der Welt ebenfalls als ausgerottet, darunter in Europa. Sie kann aber durch Einreisende wieder eingeschleppt werden, daher wird die Impfung weiter empfohlen. Die WHO verfolgt ebenfalls das Ziel, die Masern auszurotten. In den USA war das Anfang der 2000er Jahre bereits gelungen. Durch eingeschleppte Masernerkrankungen und wiederholte lokale Ausbrüche ist der Kontinent heute nicht mehr masernfrei. Um das WHO-Ziel zu erreichen, setzt Deutschland seit diesem Jahr eine Masern-Impfpflicht an Kitas und Schulen um.