Schulportrait 4: „Unsere pädagogische Arbeit fußt auf individueller Förderung“

Datum: Donnerstag, 19. September 2013 10:45

„Unsere pädagogische Arbeit fußt auf individueller Förderung“
Interview mit Madlen und Uwe Schwarz, Geschäftsführer der Lausitzer Bildungsträger gGmbH

SchlausitzGibt es Ihres Erachtens für Eltern erkennbare Merkmale für eine gute Schule?
Die intensive Zusammenarbeit mit den Eltern halten wir für sehr wichtig, ebenso eine klare pädagogische Konzeption und einen Mehrwert durch besondere Profilierungen. Bei uns sind das z.B. die Sprachen Englisch ab Klasse 1 und Spanisch ab Klasse 3, das Fach Lebensart, in dem wir Werte und Regeln vermitteln, zudem tragen unsere Schüler auch Schulkleidung. Aber auch ein ausgewogener Mix aus gesunder Ernährung (Frühstücksbuffet, zwei Wahlessen zum Mittag für alle Schüler) und viel Bewegung an frischer Luft macht für uns gute Schule aus.

Was ist darüber hinaus das Besondere an Ihrem Projekt Schlausitz?
Wir wollen eine besondere Pädagogik unter einem Dach von der Kita bis zum Abschluss des Abiturs umsetzen. Zudem wollen wir unsere pädagogischen Erkenntnisse an einer angegliederten Akademie mit anderen Pädagogen teilen und umgekehrt von anderen Erfahrungen partizipieren. Vor allem wollen wir aber Kindern ermöglichen, ganz nach ihren individuellen Möglichkeiten und Bedingungen ihren Bildungsweg mit Spaß und dem bestmöglichen Erfolg zu beschreiten. Das ist bei der zunehmenden Heterogenität der Kinder unser zentrales Ziel.

Warum haben Sie Ihr Projekt ausgerechnet in der Vorstadt von Senftenberg und nicht an einem größeren Ort angesiedelt?
Wir sind hier in der Region ansässig und verwurzelt, wir sehen in Senftenberg und dem Umland aber auch viel Entwicklungspotenzial. Darüber hinaus haben wir uns in die alte Gartenstadt Marga und die wunderschönen Gebäude verliebt, in denen wir auch in enger Unterstützung durch die Stadt unser Schulprojekt verwirklichen. Hier können wir sowohl konzeptionell als auch räumlich und in der Ausstattung die Tradition mit der Moderne verbinden.

Ist Ihre Einrichtung, die von der Kita bis zum Abitur eine geschlossene Pädagogik konzeptionell verankert, in Südbrandenburg einzigartig?
Momentan gehen wir bis Klasse 6, in zwei Jahren streben wird die Erweiterung an. Wir sind in Südbrandenburg sicher die erste Schule in freier Trägerschaft, die die Bildungsräume Kita, Grundschule und Erweiterung unter einem Dach vereinigt. Die durchgängige Konzeption in der Pädagogik ist in unserer Region ebenso einzigartig. Es ist konzeptionell auch so angelegt, dass Kita, Vorschule und Grundschule mit den Jahrgangsstufen eins und zwei in einem Gebäude stattfinden, was einen gleitenden und angstfreien Übergang von der Kita zur Schule ermöglicht.

Können Sie bereits Erfolge Ihres besonderen Konzepts belegen?
Einige der Schüler unserer ersten, sehr kleinen Klasse sind im vergangenen Jahr zur Leistungs- und Begabungsklasse ans Gymnasium gewechselt. Die Kinder hatten dort keine Schwierigkeiten, insofern haben wir sie gut vorbereitet. Allerdings wollen wir die Kinder künftig viel lieber selbst in unserer kommenden Erweiterung pädagogisch begleiten.

Gerade Eltern diskutieren viel über Probleme im Bildungssystem und sind oft unzufrieden, inwieweit betrifft das auch Ihre Schule?
Immer 100% zufriedene Eltern sind schwer realisierbar. Treten Probleme auf, gehen wir in einen intensiven Dialog. Natürlich erschweren uns die Kürzungen der Zuschüsse für Schulen in freier Trägerschaft die Umsetzung unserer besonderen Konzeption unnötig. Da wünschen wir uns vom Ministerium schon mehr Verlässlichkeit in den Rahmenbedingungen.

Wie sieht Ihr Verhältnis zu den öffentlichen Schulen und zum Ministerium aus, lernt man von Ihnen oder sind Sie eher geduldet?
Wir sind sehr offen und freuen uns, anderen Schulen die Zusammenarbeit anzubieten und beteiligen uns auch an Aktionen mit anderen Schulen. Wir bieten über unsere Schlausitz-Akademie auch Weiterbildungsmöglichkeiten an, die allen externen Pädagogen offen stehen. Unseres Erachtens ist es ein gegenseitiges von einander Lernen. Es ist schön zu sehen und bestätigt uns in unserer Arbeit, wenn man den einen oder anderen Inhalt von uns in anderen Einrichtungen wiederfindet.

Ist das Thema Inklusion bzw. die individuelle Förderung bei Ihnen schon Realität?
Das ist bei uns schon sehr gut angekommen. Unsere pädagogische Arbeit fußt auf individueller Förderung, wir holen die Schüler individuell dort ab, wo sie stehen und setzen das in individuellen Lernplänen fort. Viele Eltern können sich das in der Schulpraxis nur schwer vorstellen. Deshalb können sich Eltern das bei uns vor Ort anschauen und ruhig mal im Unterricht hospitieren. Zudem haben wir das Glück, mit hauseigenen Sonderpädagogen individuell fördern zu können.

Welchen Tipp haben Sie für Eltern, die sich über Bildung und gute Schule informieren möchten?
Unser Tipp wäre immer, sich Schule vor Ort anzuschauen und sich ein eigenes Bild zu machen. Man sollte wenig auf das geben, was man von anderen hört. Möglichkeiten dazu gibt es viele: vom Tag der offenen Tür oder einer Hospitation des Unterrichts bis zu persönlichen Gesprächen mit Lehrern und Schulleitung. Man kann mit dem Kind auch einen Probeunterricht machen und dann sehen, wie der Tagesablauf funktioniert und dabei alle noch offenen Fragen unter einem anderen Blickwinkel klären.