N Aa tkut rusecl hl eust z‹ 5‹ 15 1 Du bist oft im Wolfsrevier unterwegs. Bekommt man da häufiger Wölfe zu Gesicht? Seit 2012 bin ich im Wolfsmonitoring tätig. Spontane Begegnungen mit Wölfen lassen sich dennoch an zwei Händen abzählen. Direkte Sichtungen sind die Ausnahme. Dank ihrer ausgeprägten Sinne nehmen mich die Wölfe frühzeitig wahr und suchen durch ihr scheues Wesen in der Regel schnell das Weite. Kannst du anhand der Hinterlassenschaften erkennen, was bei den Wölfen in deinem Revier auf dem Speiseplan steht? Anhand der Wolfslosung lässt sich der Speiseplan durchaus nachvollziehen. Von einigen Beutetieren bleiben sogar Haare oder Huf- und Knochenreste im Wolfskot übrig, sodass ich ab und an tatsächlich selbst erkennen kann, was einer der Wölfe gefressen hat. Aus bereits durchgeführten Untersuchungen tausender Losungen wissen wir sehr viel über die Zusammensetzung der Nahrung von Wölfen. Wie entwickeln sich die Wolfsrudel, die du beobachtest? Beide Wolfsrudel, die ich beobachte, entwickeln sich gut und liefern uns immer wieder interessante Einblicke. Ihre Entwicklung ist dabei alles andere als zufällig, sondern folgt klaren territorialen und sozialen Strukturen. Besonders spannend war in den vergangenen Jahren die Entwicklung im Zschornoer Rudel, in welchem das Territorium der Elterntiere nach etwa acht Jahren und 21 nachgewiesenen Welpen von einer Tochter des Wolfspaares und einem zugewanderten Wolfsrüden übernommen wurde. Dabei konnte ich per Kamera mitverfolgen, wie die junge Generation mit ihrem ersten Nachwuchs eine eigene Familie gründete und das Territorium übernahm. Nach dem Tod des ehemaligen territorialen Wolfspaares im Alter von 12 und 13 Jahren sorgen nun die Tochter und ihr Partner für ein Fortbestehen des Rudels. Das ist kein Sonderfall, sondern entspricht der Dynamik innerhalb funktionierender Wolfsrudel. Was war bisher das Lustigste oder Spannendste, das du mit einer Kamerafalle bei den Wölfen dokumentieren konntest? Für unerwartete Momente sorgen vor allem Aufnahmen von Welpen. Während die ausgewachsenen Wölfe die Kamerastandorte meist in weitem Bogen umgehen, ist der Nachwuchs doch deutlich neugieriger und muss die merkwürdige Technik am Baum erstmal beschnuppern und aus nächster Nähe inspizieren, was regelmäßig zu lustigen Sequenzen führt. Eine davon ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Ein Jährling hielt sich unmittelbar vor der Kamera auf und war gerade dabei, eine Losung abzusetzen. Mittendrin sprang der junge Wolf plötzlich hoch, als hätte ihn jemand in den Allerwertesten gestochen. Anschließend wurde die betreffende Stelle intensiv kontrolliert, offenbar auf der Suche nach der Ursache. Was genau den Jungwolf nun beim Verrichten seines Geschäfts gestört hat, bleibt für mich auch heute noch ein Rätsel. Solche seltenen Aufnahmen zeiNeben der klassischen Spurensuche nach Wolfskot und -pfotenabdrücken liefern selbstauslösende Wildtierkameras einmalige Einblicke in das Leben der Wolfsrudel. Fotos: Steffen Heiber
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