Lausebande Mai 2026

60 › Titelthema Schinken, Fleischkonserven und Hackfleisch. Unverarbeitetes Fleisch gilt als wahrscheinlich krebserregend. Nach Schätzungen sterben jedes Jahr weltweit 34.000 Menschen an Krebs, der durch zu hohen Fleischkonsum ausgelöst wurde. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Erwachsene einen maximalen Verzehr von 300Gramm Fleisch pro Woche, inklusive daraus hergestellter Wurstwaren, die Werte für Kinder werden derzeit überarbeitet. Tatsächlich essen die Deutschen im Schnitt ein Kilogramm Fleisch pro Woche – also etwa drei Mal so viel wie empfohlen. Ein weiteres Problem ist der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. Eben weil die Tiere meist in sehr großen Gruppen und auf engstem Raum stehen, weil ihnen frische Luft und Sonne fehlen, werden sie leicht krank. Daher werden sie oft mit Antibiotika behandelt. Die Menge der verordneten Antibiotika ist in den letzten 15 Jahren deutlich zurückgegangen (von 1.700 Tonnen auf zuletzt 560 Tonnen). Dennoch erhöht der Einsatz das Risiko für resistente Keime, die sich nicht mehr mit Antibiotika behandeln lassen. Bisher ist nicht klar, welchen Einfluss der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung an der Verbreitung von Resistenzen beim Menschen hat. Vegan in Schwangerschaft, Stillzeit und Kindesalter? Es gibt also viele gute Gründe, die für den Verzicht auf tierische Produkte sprechen. Dennoch sehen Mediziner eine vegane Ernährung insbesondere von Kindern sehr kritisch. Wir geben an dieser Stelle eine Übersicht über die offiziellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen. Beide empfehlen für Schwangere, Stillende, Babys und Kinder eine ausgewogene Mischkost mit Milchprodukten, Fisch und Fleisch. Allerdings sollten auf dem Speiseplan vorrangig Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nudeln, Brot, Kartoffeln und Reis stehen. Tierische Produkte gehören nur in Maßen auf den Teller. Die DGE hat 2024 eine neue Stellungnahme zu veganer Ernährung veröffentlicht. Neu ist, dass für die eben genannten Bevölkerungsgruppen die Empfehlung neutral ist: Die DGE spricht sich weder für noch gegen eine vegane Ernährung von Kindern und werdenden bzw. stillenden Müttern aus. 2020 war diese explizit nicht empfohlen worden. In der aktuellen Stellungnahme heißt es: „Aufgrund des Risikos für potenzielle, teilweise irreversible Konsequenzen bei inadäquater Durchführung müssen für eine vegane Ernährung in vulnerablen Gruppen besonders fundierte Ernährungskompetenzen vorliegen.“ Es wird unbedingt die Beratung durch eine Ernährungsfachkraft sowie die Einnahme von Vitamin B12 und ggf. weiteren kritischen Nährstoffen empfohlen. Schwangere sollen neben der generell empfohlenen Supplementation (Folsäure und Jod) dauerhaft ein Vitamin-B12-Präparat einnehmen, auf eine ausreichende Zufuhr insbesondere der potenziell kritischen Nährstoffe achten und ggf. auf angereicherte Lebensmittel und nach ärztlicher Rücksprache auf weitere Nährstoffpräparate zurückgreifen. Außerdem wird ihnen empfohlen, 200 mg DHA pro Tag zu supplementieren. Stillende sollen unabhängig von der Ernährungsweise zusätzlich jodiertes Speisesalz verwenden sowie 100 µg Jod pro Tag über ein Supplement zuführen, ebenso 200 mg DHA pro Tag. Für Säuglinge empfiehlt die DGE Folgendes: Vitamin B12 und weitere kritische Nährstoffe wie Jod und Eisen supplementieren. Wenn sie nicht gestillt werden, sondern Flaschennahrung erhalten, sollte bei der Auswahl veganer Säuglingsmilch auf der Basis von Sojaeiweiß darauf geachtet werden, dass diese mit essenziellen Nährstoffen angereichert ist. Als kritische Nährstoffe bei veganer Ernährung gelten laut DGE: Vitamin B12, Jod, Protein, langkettige n-3-Fettsäuren, Vitamin D, Riboflavin, Calcium, Eisen, Zink, Selen und ggf. Vitamin A. Für Säuglinge und Kleinkinder empfehlen Fachleute Mischkost, die auch Milch, Käse und Fleisch enthält.

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