Lausebande Mai 2026

Titelthema ‹ 61 Noch zurückhaltender äußert sich der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen: „Kinder befinden sich im Wachstum, der Organismus reagiert viel schneller und empfindlicher auf Nährstoffmängel. Wenn bei einem Mangel an Vitamin B12 ein Erwachsener zunächst vielleicht nur über brennende Fußsohlen klagen würde, könnten bei einem Säugling oder Kleinkind ernsthafte und bleibende neurologische Schäden entstehen“, sagt der Kinderarzt Dr. Axel Gerschlauer. „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, und selbst die schlausten, sich selber seit Jahren gut vegan ernährenden Eltern, wissen ohne professionelle Beratung oftmals nicht genug, um ein gesundes Aufwachsen ihrer Kinder zu gewährleisten.“ Er rät davon ab, Säuglinge und Kleinkinder vegan zu ernähren. Bei älteren Kindern und Jugendlichen sieht er vegane Ernährung als machbar an, empfiehlt Eltern aber eine regelmäßige Blutbildkontrolle und die Beratung durch eine qualifizierte und zertifizierte Ernährungsfachkraft. Ausschließliches Eigenstudium durch Literatur oder z.B. YouTube hätten sich in der Praxis als unzureichend erwiesen, so der Arzt. Je jünger das Kind, desto engmaschiger sollte das Blutbild kontrolliert werden, mindestens jedoch ein Mal im Jahr, bei Auffälligkeiten früher. Neben dem Blutbild, dem Eisenstoffwechsel und den Schilddrüsenwerten für die Versorgung mit Jod ist besonders auf die Bestimmung des Holotranscobalamins, des aktiven Vitamins B12, zu achten. Es gilt als Frühmarker, da es einen Vitamin B12Mangel bereits anzeigt, bevor klinische Symptome auftreten. Wenn keine Symptome auf einen Nährstoffmangel hindeuten, müssen die Familien die Kosten für die Labortests selbst tragen. Mögliche Risiken bei einer mangelnden Nährstoffversorgung durch einseitige Ernährung (und nicht nur vegane Ernährung kann einseitig sein) sind Wachstumsstörungen, Anämien bzw. Blutarmut (Symptome: Müdigkeit, Blässe, Atemnot), Rachitis, Schilddrüsenunterfunktion, gestörte Immunabwehr und neurologische Schäden. Das klingt erstmal gefährlich, lässt sich aber mit professioneller Beratung, guter Küche und Nährstoffsupplementierung gut umgehen. Fazit: Als Familie vegan leben? Wie also lautet unser Fazit? Es gibt jede Menge guter Gründe, die für eine vegane Ernährung und Lebensweise sprechen. Wer sich dafür entscheidet, tut sich selbst, den Tieren und der Umwelt Gutes. Gleichwohl sollte eine vegane Ernährung gut geplant sein – vor allem, wenn Kinder zum Haushalt gehören. Gerade Kinder Die vegane Lebensmittelpyramide (links, Quelle: IFPE) ersetzt Fleisch und Milchprodukte der klassischen Ernährungspyramide (Quelle: BZfE) durch vegane Milchalternativen, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen.

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