Lausebande Mai 2026

Euer Soja zerstört den Regenwald! Genau das Gegenteil ist der Fall. 90 % des Sojas, das auf der Welt angebaut wird – und ja, oft auf abgeholzten Waldflächen – werden für die Erzeugung von Tierfutter und Treibstoff verbraucht. Allein Deutschland hat für die Tierhaltung im Wirtschaftsjahr 20254/25 knapp 2,7 Millionen Tonnen Soja importiert. Dagegen wächst das Soja für Produkte wie Sojamilch, Tofu oder Sojajoghurt vor allem in Europa, Kanada und China. Dann könnt Ihr ja nur noch Gras essen! Manche Menschen glauben, dass mit dem Verzicht auf Fleisch, Wurst und Milchprodukte jede Menge Vielfalt auf dem Speisplan verloren geht und Veganer nur Grünzeugs essen. Dabei ist die Auswahl allein bei Obst und Gemüse riesig, sie bringen reichlich Farbe auf den Teller. Dazu kommen Nüsse, Saaten, Getreide und die Lebensmittel, die daraus hergestellt werden wie Brot und Nudeln. Esst doch einfach Biofleisch! Wir zeigen in diesem Titelthema sehr anschaulich, welchem Leid Nutztiere während ihres kurzen Lebens ausgesetzt sind – und leider geht es Tieren in Biohaltung nicht deutlich besser, auch dort gibt es Massentierhaltung, werden Antibiotika eingesetzt und sind Tiere oft krank. Und schlussendlich verbrauchen auch Tiere in Biohaltung viel Wasser, Fläche und Futter, was langfristig der Umwelt schadet. Kühe wollen gemolken werden! Nein, das ist Quatsch. Wie bei allen Säugetieren, geben die Tiere Milch, wenn sie Jungtiere haben. Und für genau die ist die Milch auch gedacht. Aber in der Milchviehhaltung werden Mutter und Kalb kurz nach der Geburt getrennt und die Kuh wird maschinell gemolken und die für das Kalb vorgesehene Milch wird für den Menschen abgefüllt. Die Kühe rufen nach der Trennung noch tagelang nach ihrem Kalb. Kinder brauchen Milch! Kinder erhalten anfangs (Mutter-)Milch. Bei etwa 70 Prozent der Weltbevölkerung stellt der Körper im Laufe der Kindheit die Produktion des Enzyms Laktase ein. Das führt zu einer Laktoseintoleranz. Vor allem in Asien, Afrika und Südamerika leiden 64 › Titelthema viele Menschen daran und vertragen Milchprodukte nur schlecht. Bis vor etwa 7.000 Jahren war diese Laktoseintoleranz auch bei Europäern verbreitet. Mit dem Beginn der Viehzucht hat sich der Körper langsam an den Verzehr von Milch gewöhnt. Natürlich vorgesehen ist er aber nicht. Der Kalzium- und Proteinbedarf lässt sich auch über pflanzliche Lebensmittel decken. Nährstoffe zuführen ist unnatürlich Veganer müssen B12 und ggf. weitere Nährstoffe supplementieren, um ihren Bedarf zu decken, da bestimmte Nährstoffe nur in tierischen Produkten vorkommen. Was viele nicht wissen: Auch vielen Tieren in der Landwirtschaft, v.a. Schweinen und Hühnern, wird B12 ins Futter gemischt, es ist also keineswegs natürlich im Fleisch vorhanden. Das liegt daran, dass unsere Böden durch die intensive Nutzung immer mehr ausgelaugt sind und Nährstoffe wie B12 und Selen nicht mehr von Natur aus erhalten. Der Mensch ist ein Allesfresser! Tatsächlich war der Mensch schon immer ein Allesfresser, bereits vor zwei Millionen Jahren stand Fleisch auf dem Speiseplan. Allerdings stand damals auch nicht das ganze Jahr über eine große Auswahl an pflanzlichen Alternativen zur Verfügung. Ohne gelegentlich ein Mammut zu erlegen, wäre der Mensch verhungert. Heute ist das Nahrungsangebot bei uns so groß, vielfältig und nährstoffreich, dass wir nicht mehr auf den Verzehr von Fleisch angewiesen sind. Ich allein kann doch eh nichts verändern. Mit diesem Totschlagargument brauchen wir gar keine Veränderung mehr angehen – weder in der Energiewende noch bei der Ernährung. Wie wichtig jeder Einzelne ist, zeigt allein die große Vielfalt veganer Produkte im Supermarktregal. Wo es vor zehn Jahren kaum etwas gab, wird heute wegen steigender Nachfrage eine große Bandbreite angeboten – und für jeden Liter Hafermilch müssen letztendlich Kühe weniger leiden. Wir haben doch wichtigere Probleme als Tierleid. Natürlich haben wir auf der Welt genug Krisen und Probleme. Doch deswegen brauchen wir nicht den Kopf in den Sand stecken. Tiere fühlen Schmerz und leiden, das ist nicht weniger wichtig als andere Gerechtigkeitsthemen. Gerechtigkeit ist kein Wettbewerb. Wir können uns für viele Veränderungen gleichzeitig einsetzen. Faktencheck: vegane Ernährung

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