Titelthema ‹ 65 Für dieses Titelthema habe ich mit meiner Familie (beide Elternteile und drei Kinder zwischen 10 und 14 Jahren) den Selbsttest gemacht und versucht, eine Woche vegan zu essen und zu trinken. Üblicherweise essen wir klassische Mischkost mit wenig Fleisch und Wurst, zwei von uns ernähren sich seit Jahren vegetarisch. Daher sind wir mit veganen Alternativen bei Wurst und Fleisch bereits vertraut. Für die Testwoche holen wir uns weitere ins Haus: Hafermilch, Sojajoghurt, Butter & Mayonnaise ohne Ei, Käse auf Basis von Kokosöl. Wir starten mit einer blinden Verkostung, um herausfinden, wie groß die geschmacklichen Unterschiede tatsächlich sind. Bei der Butter lagen 3 von 5 Testern richtig, bei Käse und Joghurt 4 von 5, da war der geschmackliche Unterschied größer, aber nicht so eindeutig wie vermutet. Ein Tütenrührei soll das Sonntagsei ersetzen, überzeugt uns aber nicht – weder von der Zubereitung und Textur her, noch vom Geschmack. Bei der Mittagsversorgung der Kinder in der Schule gehen wir einen Kompromiss ein: Weder Mensa noch Cafeteria haben – abgesehen von Pommes – vegane Speisen zur Auswahl. In die Frühstücksbrotdose kommt aber nur veganes Essen: wie gehabt Obst und Gemüse, auf das Brot vegane Butter und auf Wunsch vegane Wurst. Mit dem veganen Käse kann sich keins der Kinder anfreunden. Eine warme tierfreie Mahlzeit gibt es jeden Tag Zuhause. Dafür lasse ich mich auf dem Blog veganmom.de inspirieren. Die Rezepte sind familientauglich und leicht umzusetzen. Wir essen u.a. MöhrenErdnuss-Risotto, Linsensuppe und Reis mit vegaDer Praxistest: eine Woche vegan leben Beim ersten Einkauf für die vegane Woche landeten viele vegane Alternativen für Wurst und Molkereiprodukte im Einkaufswagen, außerdem wie gewohnt Obst, Gemüse und Brot. nen Frikadellen. Ich bin begeistert von den neuen Aromen und Zutaten. Erdnussbutter, Kokosmilch, Bohnen und Linsen, mit denen wir bisher nur selten gekocht haben, sind eine echte Bereicherung für unseren Speisenplan. Nach einer Woche sind die Kinder dankbar, dass sie ihre gewohnten Milchprodukte wieder im Kühlschrank haben. Mein Fazit fällt durchwachsen aus: Die veganen Alternativen für Milch, Käse und Co. sind ungewohnt, aber vermutlich könnten wir uns an den Geschmack gewöhnen. Finanziell war der Unterschied nicht so groß. Einen Punkt Abzug gibt es bei der Verpackung: Weder Hafermilch noch Sojajoghurt gibt es im wiederverwendbaren Pfandglas. Außerdem störe ich mich an den vielen Inhaltsstoffen der veganen Milchprodukte, bei der Butter beispielsweise Glyceride, Farbstoffe und Emulgatoren. Für eine Woche war die vegane Ernährung okay, aber dauerhaft will ich auf bestimmte Produkte wie Honig und Ei nicht verzichten. Gleichwohl weiß ich, dass es rational kein Argument gibt, das dafür spricht, trotz des Tierleids weiter Milch, Eier und Käse zu essen. Tatsächlich hätte ich die Sorge, dass meinen Kindern Nährstoffe fehlen, wenn wir dauerhaft vegan leben. Daher haben wir zwar mit ihnen über Massentierhaltung gesprochen, uns aber dagegen entschieden, ihnen entsprechende Fotos und Videos zu zeigen. Und so steht am Ende ein Kompromiss: Auf die Teller kommen häufiger Linsen, Bohnen und Nüsse. Nudeln kaufen wir nur noch ohne Ei. Bei Butter und Milch greifen wir künftig ab und zu zur veganen Alternative. ACHTUNG: DARSTELLUNG VON TIERLEID AUF DER FOLGENDEN DOPPELSEITE
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