Lausebande Mai 2026

Titelthema ‹ 67 Misslingende Betäubung: Zum Schlachten werden Hühner mit Kohlendioxid oder elektrischem Strom betäubt und fahren dann – an den Füßen aufgehängt – an einem Messer vorbei, das ihnen einseitig eine Halsschlagader durchtrennt. Immer wieder kommt es vor, dass die Arterie nicht getroffen wird, die Hühner überleben. Sie landen dann bei Bewusstsein zur Reinigung des Gefieders im heißen Brühbad. Bei den Schweinen ist ähnlich: Schätzungen zufolge wachen jährlich etwa 50.000 Schweine auf, bevor ihnen im Dampfbrühtunnel Haut und Borsten verbrüht werden. Rinder werden vor dem Schlachten mit einem Bolzenschussgerät betäubt. Bei etwa drei Prozent der Tiere wirkt der Schuss nicht und es muss teils mehrfach nachgeschossen werden. Kastenstand: Der Kastenstand ist ein enger Metallkäfig, in dem trächtige und säugende Sauen über Wochen fixiert werden. Wollen sie sich hinlegen, ragen ihre Beine in den Nachbarkäfig, in dem das nächste Muttertier untergebracht ist. Die Tiere geraten so in massiven Stress, die Folgen sind Fleischwunden, Schaum vor dem Maul und unruhiges Leerkauen. Da sie immer wieder besamt werden, verbringen Sauen im Schnitt fünf Monate pro Jahr im Kastenstand. Häufige Besamung: Kühe sind Säugetiere und geben Milch nur, wenn sie Junge haben – wie der Mensch. Den Kälbern wird die Milch aber vorenthalten, damit sie für den Menschen abgefüllt werden kann. Die Jungtiere erhalten Ersatzmilch, sogenannten Milchaustauscher. Die Milchkühe geben für etwa 10 Monate Milch. Damit die Milchproduktion danach nicht stoppt, werden sie etwa zwei Monate nach der Geburt erneut besamt und gebären so etwa ein Kalb pro Jahr. Durch die maximale Milchleistung, die sie erbringen müssen, leiden viele Kühe an Stoffwechselstörungen und Euterentzündungen. Anbindehaltung: Die meisten Rinder in Deutschland stehen ganzjährig im Stall, etwa zehn Prozent von ihnen werden immer noch in der Anbindehaltung gehalten. Das heißt, sie sind mit Ketten oder anderen Vorrichtungen am Hals fixiert und stehen in Reihen eng nebeneinander – vor ihnen der Futtertrog, hinter ihnen die Kotrinne. Oft ist der Platz so knapp bemessen, dass die Tiere mit den Hinterbeinen in ihren Fäkalien stehen. Hörner ausbrennen: Kälbern werden die Hornanalagen ausgebrannt bzw. thermisch verödet, um das Verletzungsrisiko für den Menschen und die Rinder untereinander zu reduzieren. Das ist bis zum Alter von sechs Wochen ohne Betäubung zulässig. Für die Tiere ist es sehr schmerzhaft, da in den Hörnern Nerven verlaufen. Aquakultur: Sie wird als nachhaltige Alternative zur Fischerei vermarktet. Doch auch die Aquakultur ist eine Form der Massentierhaltung mit verheerenden Folgen für Tiere, Umwelt und Menschen: Aquakulturen brauchen Platz und verdrängen natürliche Landschaften. So wurden für Shrimp-Farmen in Mittelamerika und Asien Mangrovenwälder gerodet. Die enge Haltung der Tiere führt zu Krankheiten und Parasiten, die sich teilweise auch auf wildlebende Meerestiere ausbreiten. Außerdem führt das zum Einsatz von Antibiotika und Chemikalien. Durch Futterreste und Fäkalien der Fische kommt es lokal zu Überdüngung und in der Folge zu Sauerstoffmangel im Wasser. Weltweit kommen mittlerweile mehr Fische und Meerestiere aus Aquakultur als aus Wildfang. Lebendig im Kochtopf: Hummer dürfen laut Tierschutzgesetz lebendig in kochendes Wasser geworfen werden, wo sie dann laut Tierschutzorganisationen minutenlang Schmerzen leiden, bevor sie sterben. In einigen Ländern wie Norwegen und der Schweiz ist diese Praxis bereits verboten. Schon vorher haben die meisten Hummer einen langen Leidensweg hinter sich. Nach dem Fang werden sie über tausende Kilometer mit zusammengebundenen Scheren und ohne Nahrung transportiert.

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