Lausebande Mai 2026

74 › Titelthema Schon kleine Veränderungen können viel bewirken Interview mit Tobias Schalyo, einem vegan lebenden Familienvater Seit wann leben Sie vegan – und wie kam es dazu? Ich lebe seit neun Jahren vegan. Ich habe ursprünglich aus gesundheitlichen Gründen begonnen, mich intensiver mit Ernährung zu beschäftigen – auch durch mein Studium der Sportökonomie mit den Schwerpunkten Gesundheit und Prävention. Mit der Zeit habe ich gemerkt, wie gut mir die Umstellung auf eine pflanzliche Ernährung tut. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass pflanzliche Ernährung in Bezug auf Langlebigkeit und Prävention viele Vorteile mit sich bringt. Mit der Zeit sind weitere Aspekte dazugekommen: ein Bewusstsein für Tierwohl, ethische Fragen, Umwelt und die eigenen Entscheidungen im Alltag. Heute ist das für mich ein ganzheitlicher Lebensstil. Also passierte die Umstellung nicht von heute auf morgen, sondern Schritt für Schritt? Genau, das war tatsächlich ein schleichender Prozess. Es waren viele kleine Entscheidungen, die sich irgendwann zu einem klaren Weg entwickelt haben. Ich habe mich immer intensiver mit den Zusammenhängen beschäftigt – zwischen Ernährung, Gesundheit, aber eben auch Tierleid und Umwelt. Irgendwann konnte ich das nicht mehr ausblenden und wollte bewusst Verantwortung übernehmen. Wie hat Ihr Umfeld auf diesen Schritt reagiert? Am Anfang war ich tatsächlich der Einzige in der Familie, der vegan lebt. Aber das hat sich verändert. Heute gibt es bei Familientreffen ganz selbstverständlich vegane Optionen. Meine Mutter lebt inzwischen fast vegan, mein Vater vegetarisch. Das zeigt, wie sehr sich das Thema in den letzten Jahren entwickelt hat. Haben Sie manchmal noch Lust auf ein Schnitzel oder guten Käse? Nein, ehrlich gesagt überhaupt nicht. Für mich stellt sich die Frage gar nicht mehr. Ich merke, wie gut es mir körperlich und mental geht, und auch das Gefühl, kein Tierleid zu unterstützen, ist mir wichtig. Natürlich gibt es viele vegane Alternativen – die können gerade beim Einstieg helfen. Aber ich selbst esse überwiegend vollwertig mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten und Getreide. Sie haben von gesundheitlichen Veränderungen berichtet – was hat sich konkret verbessert? Ich hatte früher öfter mit Entzündungen und Schmerzen zu tun, vor allem durch intensiven Sport. Nach der Umstellung und einer Fastenphase waren diese Beschwerden plötzlich weg. Ich fühle mich fitter, leistungsfähiger und insgesamt ausgeglichener. Sie leben als Familie vegan. Klappt das im Alltag gut? Ja, sehr gut sogar. Meine Frau lebt ebenfalls vegan, und unser Sohn wächst in diesem Umfeld auf. Er ist noch klein, und wir möchten ihm ein gutes Fundament mitgeben. Später soll er seine eigenen Entscheidungen treffen können, aber eben auf Basis von Wissen und Bewusstsein. Und natürlich spielt das Thema, seit ich Vater bin, nochmal eine größere Rolle, weil ich ja mit meiner Lebensweise meinem Kind ein Vorbild mit auf den Weg gebe. Begegnen Ihnen Vorurteile – gerade als Vater? Bisher erstaunlich wenig. Insgesamt erleben wir viel Offenheit, auch im medizinischen Umfeld. Da wird uns geraten, gut informiert zu sein und auf Nährstoffe zu achten – was wir ja ohnehin tun. Wie sieht das konkret aus? Vitamin B12 supplementieren meine Frau und ich täglich, denn das ist wirklich wichtig. Unser Sohn ist erst wenige Monate alt, neben Vitamin B12 bekommt er auch Vitamin D3 und K2. Andere Werte wie Eisen oder Jod lassen wir regelmäßig über Bluttests überprüfen und supplementieren dann bei Bedarf oder schauen, wie wir die Ernährung anpassen können. In der Schwangerschaft hat meine Frau noch weitere Nährstoffe supplementiert – wie sie jeder Schwangeren empfohlen werden, unabhängig von der Ernährungsform. Grundsätzlich gilt aber: Wenn ich mich bunt und vielfältig ernähre, dann kriegt der Körper die verschiedenen Nährstoffe, die er be-

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