Seite 26 - lausebande-06-2013

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Titelthema :: Seite 26
möchte – bitteschön. Es spricht nichts gegen Ehr-
geiz und Disziplin, es sollte nur in gesunden Bah-
nen stattfinden. Wer etwas erreichen möchte, muss
dafür natürlich arbeiten. Aber Kindern reichen
meist schon kleine Erfolge für ihre Bemühungen.
Wenn eine einstudierte Choreographie den Eltern
vorgetanzt werden kann oder ein etwas größerer
Auftritt vor fremden Menschen ansteht, fühlen sich
die Kleinen meist schon wie ganz große Stars.
Herrenwahl
Primaballerina werden – das ist der ganz große
Traum vieler kleiner Mädchen. Und ebenso vieler El-
tern für ihre kleinen Prinzessinnen. Wem kann man
es verübeln, sehen die lieben Kleinen doch so zau-
berhaft aus in ihren winzigen Tutus. So sehr Mäd-
chen und Tanzen miteinander assoziiert werden, so
sehr stößt man noch immer auf fragende Gesichter,
wenn der Sohnemann statt dem Bolzplatz das Tanz-
parkett bevorzugt. Dabei sieht es im Prinzip ähnlich
wie beim Kochen aus. Auch wenn Mutti immer noch
am besten kocht, wird die Riege der Sterneköche
von Männern dominiert. Beim Tanz sieht es in vie-
len Bereichen genauso aus. Das nicht ohne Grund.
Und so viel sei vorweggegriffen: Kochen und Tanzen
macht nicht schwul. Wer diese Befürchtungen hegt,
der sei darauf hingewiesen, dass der tanzende Jun-
ge immer freie Damenwahl hat und die Mädchen im
Kino immer den Tänzer aus Step Up anschmachten.
Tanzen ist cool und wie zum Beginn ausgeführt, för-
dert es vielseitig bis zu schulischen Leistungen.
Jungen sind auch nicht per se gegen das Tanzen. Im
Gegenteil – im Kleinkindalter stehen sie dem Tan-
zen wie den meisten unbekannten Dingen sehr neu-
gierig gegenüber. Von Natur aus bewegen sie sich
zu Musik. Die Abneigung entsteht durch Hänseleien
im Kindergarten oder der Schule, durch Beobach-
tungen und gelerntes Verhalten im Elternhaushalt.
Wo Zuhause getanzt wird, werden unweigerlich
auch kleine Jungen großen Spaß am Tanz empfin-
den. Leider haben viele Väter noch immer extreme
Vorbehalte gegen Tanzen als Freizeitbeschäftigung
für den Sohn. Dabei unterscheidet sich Tanzen we-
nig von anderen Sportarten – Eifer und Disziplin
muss man(n) auch beim Fußball oder Eishockey
mitbringen. Die Vorurteile sind hausgemacht. Man-
chem Vater kann ein Filmwie „Billy Elliot“ hier viel-
leicht auf die Sprünge helfen.
das Kind mit seiner bisherigen Ausbildung steht.
Wichtig ist dabei auch eine gezielte medizinische
Untersuchung, und, je nach Befund, mindestens
eine Kontrolluntersuchung ein Jahr später.
Natürlich kann es sein, dass Kinder, Eltern und
Trainer der Ehrgeiz packt. Doch viele von Ihnen
werden sicher „Black Swan“ gesehen haben oder
mit der Berichterstattung über die sogenannten
„Eislaufmütter“ vertraut sein, die ihre eigenen
vergeblichen Kindheitsträume auf ihre Kinder pro-
jizieren und mit übertriebenem Ehrgeiz und ohne
das Dulden von Schwäche von einem Wettbewerb
zum nächsten rennen. Dieses (kranke) Phänomen
gibt es in jeder Sportart und in allen Bereichen, in
denen ein Kind etwas „Großes“ erreichen kann.
Wichtiger als sein Kind in eine Richtung zu dril-
len, ist es, ihm Freiräume zur eigenen Entwicklung
zu geben und auf seine Wünsche zu hören. Wenn
es Ballerina oder weltbester Breakdancer werden
Elias ist noch sehr jung, aber natürlich stelle ich
mir schon das eine oder andere Hobby für ihn
vor. Trotzdem warte ich ab, wie sich seine Inter-
essen entwickeln. Wir werden ihn zu nichts drän-
gen. Seitdem er stehen kann, tanzen wir immer
wieder miteinander – ein bisschen rumzappeln
und mit dem Hintern wackeln, geht immer. Es
gibt für mich, als Vater, angenehmere Vorstellun-
gen, als einen Sohn, der Ballett tanzt. Wenn es
sein Wunsch sein sollte, kann er das trotzdemmit
meiner vollen Unterstützung machen.
Elias (1) undMartin (27)