Lausebande Juni 2026

Von der Kinderstube zur eigenen Familie Immer im Mai kommen die Wolfswelpen zur Welt. Um sie zu versorgen und großzuziehen, arbeiten nicht nur die Wolfseltern zusammen, sondern auch die älteren Geschwister werden aktiv in die Versorgung und Erziehung der Welpen einbezogen. Sie finden Nahrung, spielen und kuscheln mit den Kleinen und zeigen ihnen, wie man sich in der Welt zurechtfindet – bei Wölfen ist Kindererziehung Familiensache. Die Welpen lernen durch Mitlaufen, Nachahmen und Spielen. Für ihren Schutz sorgt in den ersten Lebenswochen die Höhle, in der sie zur Welt gekommen sind. Später halten sich die Welpen dann auch außerhalb des Baus auf einem sogenannten Rendezvousplatz auf, der neben Rückzugsmöglichkeiten mehr Raum zum Toben und Erkunden bietet. Mit der Zeit werden aus den tapsigen Welpen sogenannte Jährlinge – junge Wölfe im zweiten Lebensjahr, die nun zwar nicht mehr klein, aber auch noch nicht ganz erwachsen sind – ähnlich wie Teenager. Oft bleiben sie noch eine Weile bei der Familie, profitieren von der Erfahrung ihrer Eltern und helfen bei der Betreuung der neuen Welpen. Nach spätestens zwei Jahren verlassen die meisten Jährlinge ihr Zuhause, um eine eigene Familie zu gründen. Der einsame Wolf Auf der Suche nach einem geeigneten Partner bzw. einer geeigneten Partnerin legen besonders männliche Wölfe hunderte Kilometer zurück – Wolfswelpen unterscheiden sich nicht sonderlich von Kleinkindern – sie spielen, erkunden ihre Umwelt und genießen die Zuwendung ihrer Familienmitglieder. Fotos: Tobias Bürger wie ein junger Wolfsrüde, der von der Lausitz aus per GPS-Tracker bis nach Weißrussland verfolgt werden konnte. Während dieser Zeit sind Wölfe auf sich allein gestellt. Da der Wolf jedoch nicht für ein Leben in Einsamkeit geschaffen, sondern ein wahres Familientier ist, bleibt ein Wolf selten lange allein. Hat sich ein Wolfspaar gefunden, suchen sie sich ein geeignetes Territorium, in dem sie ihre Familie gründen können. Alleinerziehende Eltern Scheidung und Trennung gibt es bei Wolfspaaren nicht – dennoch können Krankheiten, Autounfälle und auch der Abschuss eines Elterntieres ein Rudel erschüttern. Stirbt ein Vater oder eine Mutter, kann die Familie weiterbestehen, besonders wenn ältere Jungtiere mithelfen. Doch der Verlust wiegt schwer. Besonders die Mutterwölfin hat für die Welpen und die Stabilität des gesamten Rudels eine große Bedeutung. Fällt sie weg, wird es schwerer, die Jungen zu versorgen und die Familie zusammenzuhalten. Wolfsfamilien im Visier Durch Entscheidungen von Bundesregierung und Jagdverbänden soll ab dem 1. Juli eine Jagd, vor allem auf die unschuldigen Wolfswelpen, ermöglicht werden. Sogar der Abschuss ganzer Wolfsfamilien wird gefordert – die Folge jahrelang geschürter Vorurteile und Ängste gegenüber einem Tier, das uns in seinem sozialen Wesen eigentlich genauso ähnelt wie Affen, Wale oder Elefanten.

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