Wenn Wege länger werden Wie ambivalent diese Entwicklung ist, zeigt die Geburtshilfe. In Forst wurde die Geburtsstation 2025 geschlossen. Für werdende Eltern bedeutet das längere Wege – und das ist im Alltag erst einmal ein Nachteil. Gleichzeitig werden spezialisierte Leistungen an größeren Standorten gebündelt. Die MUL-CT als nächste Anlaufstelle in Cottbus verfügt beispielsweise über ein Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe für besonders risikoreiche Schwangerschaften und Frühgeborene. Auch andere Klinikverbünde setzen auf regionale Netze. Sana verbindet in Südbrandenburg die Geburtskliniken in Lübben, Lauchhammer und Königs Wusterhausen jeweils eng mit der Kinder- und Jugendmedizin; in Lübben kommt die unmittelbare Nähe zur Neonatologie hinzu, Lauchhammer und Königs Wusterhausen arbeiten als perinatale Schwerpunkte. Das Prinzip dahinter: Wege können länger werden, dafür steht am Ziel mehr spezialisierte Expertise bereit. Dass Versorgung künftig stärker als Netzwerk funktioniert, zeigt auch die Zusammenarbeit zwischen der Lausitz Klinik Forst und der MULCT. Beide Häuser kooperieren bereits in mehreren Fachgebieten; 2025 wurde die Zusammenarbeit in der Wirbelsäulenchirurgie ausgebaut. Einfachere Eingriffe können in Forst stattfinden, komplexere Fälle werden in Cottbus behandelt. Solche Modelle werden wichtiger, wenn nicht jedes Krankenhaus jede Leistung dauerhaft selbst anbieten kann. Gesundheit ist mehr als Arztpraxis Für Familien besteht Gesundheitsversorgung ohnehin aus mehr als Arztterminen. Die Johanniter in Südbrandenburg begleiten Kinder etwa mit Frühförderung, Ergotherapie oder auch ambulanter Kinderkrankenpflege. Das Sanitätshaus Zimmermann in Cottbus wiederum hat unter anderem einen Schwerpunkt in der Kinder-Reha und passt Hilfsmittel wie Reha-Buggys, Rollstühle, Sitzschalen oder Orthesen individuell an. Und auch Prävention gehört zum Gesamtbild. Bewegung, gesunde Ernährung und alltagstaugliche regionale Angebote ersetzen keinen Arzt – sie sind aber ein Teil davon, wie Familien Gesundheit selbst in der Hand haben können. Dabei lohnt sich zum Beispiel der Blick regionale Anbieter wie die Kanow-Mühle, die mit ihren Mühlenprodukten das Thema Ernährung aufgreift. Kein Grund zur Panik – aber zum Handeln Wer heute in Guben, Spremberg oder Lübbenau erfolglos nach einer Hausarztpraxis sucht, wird sich von Zukunftsprojekten allein kaum beruhigen lassen. Doch schon ermöglicht der Strukturwandel, Versorgung neu zu organisieren. Für Familien ist daher die wichtigste Botschaft: Die medizinische Landschaft wird sich verändern. Manche Wege werden länger, andere Angebote rücken durch neue Zentren, Teams und digitale Lösungen näher zusammen. Entscheidend ist nicht, jede Struktur von gestern zu bewahren, sondern eine Versorgung aufzubauen, die auch morgen funktioniert. 1. Landärzte-Stipendium: Brandenburg unterstützt Medizinstudenten mit 1.000 Euro monatlich, wenn sie sich verpflichten, nach Studium und Facharztweiterbildung mindestens fünf Jahre in einer ländlichen Region zu arbeiten. Seit 2019 wurden 250 Stipendien vergeben. 2. Telenotarzt für die Lausitz: Rund 100 Rettungswagen und 25 Notarzteinsatzfahrzeuge in der brandenburgischen Lausitz werden für telemedizinische Einsätze ausgestattet. Erfahrene Notärzte können sich digital zuschalten, Patientendaten einsehen und das Rettungsteam vor Ort unterstützen. 3. PraxisFit in Sachsen: Die KV Sachsen fördert seit 2026 Praxen, die niederlassungswillige Fachärzte beschäftigen und auf die eigene Praxis vorbereiten. Dafür sind in bestimmten unterversorgten Regionen bis zu 5.800 Euro monatlich für neun Monate möglich. 4. „Poliklinik Deluxe“: Brandenburg stellt bis 2030 bis zu 40 Millionen Euro bereit, um regionale Gesundheitsstandorte zu Polikliniken, Medizinischen Versorgungszentren oder anderen ambulantstationären Zentren weiterzuentwickeln. 5. Gemeindeschwester 2.0: Im Projekt ReGuLa arbeiten in Schwarze Pumpe sogenannte Community Health Nurses. Sie beraten unter anderem zu Prävention und chronischen Erkrankungen und sollen Ärzte und Pflege entlasten. Die Lausitz sorgt vor: 5 weitere aktuelle Maßnahmen 104 › Spezial
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