Während für uns mit dem Sommer auch vorerst die Urlaubssaison endet, beginnt in der Tierwelt eine der spannendsten Reisezeiten. Millionen Vögel verlassen ihre Brutgebiete und ziehen vor Wintereinbruch in Richtung Süden. Nicht die Kälte selbst treibt sie fort, sondern vor allem der winterliche Futtermangel. Wo es in der kalten Jahreszeit an Nahrung mangelt, weichen Vögel in günstigere Regionen aus. Winter in der Heimat oder im Ausland? Ob ein Vogel den Winter im Süden verbringt, hängt von seinem Fressverhalten ab. Gerade Insekten werden im Winter rar, weshalb überwiegend insektenfressende Vögel in vielversprechendere Regionen abwandern. Körnerfresser wie der Spatz und die Kohlmeise finden hierzulande auch im Winter genügend Nahrung und machen es sich in der Heimat bequem. Einige Vogelarten sind bei der Wahl ihres Winterquartiers weniger entschlossen – ein Teil der Population fliegt nach Süden, während der Rest zu Hause bleibt. Mit dem Klimawandel und milderen Temperaturen im Winter entscheiden sich immer mehr Zugvögel, in ihrer Heimat zu überwintern. So verzichtet die Amsel als ursprünglicher Zugvogel nun fast gänzlich auf den Winterurlaub im warmen Süden. Reise nach eigenem Geschmack Der Vogelzug folgt keinem gemeinsamen Startsignal und verläuft nicht bei allen Vögeln gleich. Schon im August machen sich die ersten „frühen Vögel“ wie Mauersegler, Kuckucke oder Pirole auf den Weg, auf die im September und Oktober zur Hauptzugzeit der Großteil der Singvögel, Störche Vögel in Reiselaune Zugvogel-Zeit in der Lausitz und Kraniche folgen. Im November und Dezember brechen die letzten Nachzügler auf. Doch nicht nur der Zeitpunkt des Reiseantritts, sondern auch das Reiseziel variiert je nach Vogelart. Während es die sogenannten Kurz- und Mittelstreckenzieher wie Buchfink und Kranich nach Mittel- und Südeuropa und in den Norden Afrikas zieht, überqueren Langstreckenzieher – darunter Kuckuck und Mauersegler – auf ihrer Reise sogar die Sahara und fliegen tausende Kilometer bis nach Südafrika. Einzelgänger und Schwarmflieger Nicht jeder Zugvogel mag die Reise in der Gruppe mit lautem Trara – Langstreckenzieher, vor allem kleine Singvögel, fliegen allein, still und heimlich in der Nacht und nutzen so den Schutz der Dunkelheit vor Greifvögeln. Im Gegensatz zu ihnen sind Kurzstreckenzieher wie der Kranich tagsüber im Schwarm unterwegs und mit ihrem trompetenartigen Ruf am Himmel kaum zu überhören. Vogelzug in der Lausitz erleben Zum Fressen und Schlafen machen Zugvögel auf ihrer Reise immer wieder Rast. Jedes Jahr bieten Kraniche hier ein besonderes Spektakel, wenn sie kurz vor Sonnenuntergang laut rufend in ihren Schlafgewässern eintreffen, um dann bei Tagesanbruch ihre gemeinsame Reise fortzusetzen. Wer dieses Naturschauspiel hautnah miterleben möchte, ist in der Lausitz genau richtig. Die Bergbaufolgelandschaft des Niederlausitzer Landrückens ist im Herbst ein zentrales Anflugsziel für tausende Kraniche, die sich im Luckauer Becken für ihre Reise stärken – der perfekte Ort, um auf Kranich-Safari zu gehen. Autorin: Neela-Medea Löder, Schwerpunkt Natur- und Artenschutz DIE LAUSITZ. WILDE GEGEND. Als Gruppe fliegen Kraniche in der unverkennbaren V-Formation – mit einem erfahrenen Leitvogel an der Spitze und den Nachzüglern, welche vom Sog profitieren, den der Leitvogel mit seinem Flügelschlag erzeugt. Durch diese Flugformation sparen die Vögel bis zu einem Fünftel an Energie – ein entscheidender Vorteil auf ihrer beschwerlichen Reise. Foto: istock.com/ Szymon Bartosz
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