lausebande-09-2026

DIE LAUSITZ. WILDE GEGEND. dennoch bei 4.300 im Jahr liegt, ist nicht einer mangelnden Wirksamkeit des Herdenschutzes verschuldet, sondern dem Umstand, dass er – vor allem im Bereich der privaten Tierhaltung – oft nicht richtig umgesetzt wird. Bei Statistiken über Wolfsrisse lohnt deswegen ein genauerer Blick. Ein offiziell vermerkter „Mindestschutz“ bedeutet nicht automatisch, dass eine Weide tatsächlich wolfsabweisend geschützt war. Die Anforderungen unterscheiden sich zwischen den Bundesländern erheblich. Bundesweite Auswertungen zeigen zudem, dass beim Großteil der Rissereignisse gar kein oder nur geringer Schutz vorhanden war. Problemwolf? Menschengemacht! Sogenannte „Problemwölfe“, die sich Menschen gegenüber auffällig verhalten, sind ein menschengemachtes Problem. Durch in der Natur zurückgelassene Essensreste, bewusstes Anfüttern oder wiederholt ungeschützte Weidetiere kommt es bei Wölfen zu unnatürlichem Verhalten wie Aufdringlichkeit gegenüber Menschen oder dem Überwinden von Herdenschutz. Wenn wir den Wolf als wildes Tier so respektieren wie er uns Menschen, können Konflikte vermieden und eine friedliche Koexistenz von Mensch und Wolf erreicht werden. Die Lausitz ist hierfür das beste Beispiel. Schuss statt Schutz Mit der von CDU, SPD und AfD beschlossenen Aufnahme des Wolfes ins Jagdgesetz wurde bereits im April diesen Jahres der Abschuss von Wölfen erleichtert und eine reguläre Wolfsbejagung von Juli bis Oktober ermöglicht. Begründet wird dies mit dem Schutz für Weidetiere, dabei zeigen Studien aus Europa und den USA, dass eine Wolfsbejagung zu genauso vielen oder sogar mehr Weidetierrissen führt. Wolfsabschüsse zerstören Rudelstrukturen und üben Druck auf übriggebliebene Elterntiere oder unerfahrene Jungtiere aus, die dann wiederum eher auf ungeschützte Weidetiere als Beute ausweichen. Durch Herdenschutz mit der Waffe statt sicheren Zäunen und ausgebildeten Herdenschutzhunden entsteht so ein Teufelskreis, der letztendlich zur Wiederausrottung des Wolfes in unserem Land führen kann – mit fatalen Folgen für Natur und Klima. Wie der Beschluss der Bundesregierung in den einzelnen Bundesländern umgesetzt wird, liegt bei den jeweiligen Landesregierungen. Während Niedersachsen und Hessen bereits die reguläre Jagd auf Wölfe eröffnet haben, stehen die konkreten Wolfsmanagementpläne für Brandenburg und Sachsen noch aus. Diese werden über die Zukunft der Wölfe in der Lausitz entscheiden. Dabei beweist die Lausitz doch schon seit Jahren, dass die Koexistenz von Wolf, Weidetier und Mensch funktioniert – nicht immer konfliktfrei, aber mit deutlich weniger Konflikten, wenn Schutz ernst genommen wird. Letztlich ist die wirksamste Antwort auf den Wolf eben weder Gewehr noch Schlagzeile, sondern ein Zaun, der funktioniert. Tierbabys im Visier Besonders die unschuldigen, wehrlosen Wolfswelpen sind von der regulären Bejagung, die in einigen Bundesländern bereits praktiziert, in anderen geplant wird, betroffen. Sie sind ein leichtes Ziel für Jäger. Laut Ankündigungen sehen Brandenburg und Sachsen von einer regulären Wolfsbejagung ab, sodass Wolfskinder in unserer Region zunächst verschont bleiben sollen. Die geplante Erleichterung der Entnahme von „Problemwölfen“ und das damit verbundene Risiko übereilter Wolfsabschüsse, stellen Wolfsfamilien – und somit auch die jüngsten Mitglieder der sozialen Familienverbände – jedoch vor eine ungewisse Zukunft.

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