Titelthema ‹ 79 Die weltweit häufigste Operation bei Frauen ist der Kaiserschnitt. Der Kaiserschnitt-Anteil an allen Geburten hat sich seit den 1960erJahren von 3 auf 30 Prozent verzehnfacht. An einzelnen Kliniken liegt die Rate bei über 80 Prozent. Promis wie Victoria Beckham, die gleich vier Kinder auf diesem Wege zur Welt gebracht hat – vermutlich auch deswegen, damit David Beckham trotz vollem Terminkalender dabei sein konnte, machen es vor: Die Geburt durch Kaiserschnitt wird immer häufiger und offenbar auch immer beliebter. Sie wird mit Begriffen wie „schmerzfrei“ und „sicher“ in Verbindung gebracht. Doch ist die Geburt wirklich schmerzärmer als die spontane, vaginale Entbindung? Welche Risiken gehen damit für Mutter und auch Kind einher? Wir haben für dieses Titelthema Statistiken und Studien gelesen sowie mögliche Gründe und Gegenmaßnahmen zum Trend Kaiserschnitt gesucht. Zunächst erläutern wir, wie Kinder zur Welt kommen können. Die spontane Geburt Bei einer spontanen, vaginalen Geburt beginnt die Entbindung meist mit regelmäßigen Wehen oder einem Blasensprung. Die Wehen öffnen den Muttermund nach und nach, bis das Kind schließlich durch den Geburtskanal das Licht der Welt erblickt. Das kann im Liegen, aber auch im Hocken, Sitzen oder in einer Gebärwanne passieren. Anschließend folgt die Nachgeburt, bei der die Plazenta ausgestoßen wird. All das kann von den ersten regelmäßigen Wehen bis zum Durchtrennen der Nabelschnur mehrere Stunden, manchmal sogar Tage dauern, kann aber auch innerhalb von ein oder zwei Stunden passieren. Gerade Frauen, die ihr drittes oder viertes Kind vaginal zur Welt bringen, erleben Geburten häufig deutlich schneller. Für Mutter und Kind bietet dieser Geburtsweg viele Vorteile. Das Baby wird beim Durchtritt durch den Geburtskanal auf natürliche Weise auf das Leben außerhalb des Mutterleibs vorbereitet. Ein Teil des Fruchtwassers wird aus der Lunge gepresst und die Pumpen in den Lungenbläschen aktiviert, wodurch sich die Atmung leichter anpasst. Außerdem kommt das Neugeborene früh mit den Bakterien der mütterlichen Vaginalflora in Kontakt. Sie gelten als wichtiger Baustein für die Entwicklung des Immunsystems und des Darmmikrobioms. In der Leber des Babys wird durch den natürlichen Geburtsvorgang Stärke freigesetzt. Dadurch kann das Kind nach dem Durchtrennen der Nabelschnur auf eigene Energiereserven zurückgreifen. Schlussendlich wird in kleinen Fettdepots an Schulter, Hals und Brust sogenanntes braunes Fett aktiviert. Das funktioniert wie eine Art chemische Heizung und erleichtert die Temperaturregulation. Auch für die Mutter bringt die spontane Geburt meist Vorteile mit sich. Da keine Operation erforderlich ist, verläuft die körperliche Erholung in der Regel schneller. Viele Frauen können kurz nach der Geburt wieder aufstehen, ihr Baby selbst versorgen und das Krankenhaus früher verlassen. Bei späteren Schwangerschaften bestehen weniger Risiken. Dennoch ist eine spontane Geburt nicht automatisch einfach. Die Wehen werden von vielen Frauen als sehr schmerzhaft empfunden, allerdings bieten moderne Schmerztherapien wie eine Periduralanästhesie (PDA) Möglichkeiten zur Linderung. Außerdem kann es zu Geburtsverletzungen wie Dammrissen oder Verletzungen des Beckenbodens kommen. Aus dem Bauch heraus? Spontangeburt oder Kaiserschnitt – welcher Weg ist der richtige? Ganz gleich, ob Kaiserschnitt oder spontane Geburt: Zunächst wird der neue Erdenbürger vermessen.
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