80 › Titelthema Der Kaiserschnitt Beim Kaiserschnitt wird das Kind operativ geboren – über einen quer verlaufenden Schnitt knapp oberhalb des Schambeins. In den meisten Fällen erhält die Mutter eine lokale Betäubung in Form einer Spinal- oder Periduralanästhesie, sodass sie die Geburt ihres Kindes wach miterleben kann. Unterschieden wird zwischen einem primären, terminlich festgelegten Kaiserschnitt, der meist ab der 40. Schwangerschaftswoche erfolgt, und einem sekundären Kaiserschnitt. Dieser erfolgt, wenn eine natürliche, vaginale Geburt bereits begonnen hat, aber nicht zu Ende gebracht werden kann. Davon abgegrenzt wird der Notkaiserschnitt, der sehr schnell erfolgen muss, weil Gesundheit von Mutter und/oder Kind gefährdet sind. Hier erfolgt fast immer eine Vollnarkose, weil diese innerhalb weniger Minuten wirkt. Ein geplanter Kaiserschnitt läuft meist ruhig und gut vorbereitet ab. Nach der Narkose wird das Baby innerhalb weniger Minuten geboren. Dazu wird ein etwa 8 bis 12 cm langer Schnitt unauffällig an der Schamhaargrenze gesetzt. Das Muskelgewebe wird nicht durchschnitten, sondern Bauchdecke und Gebärmutter werden soweit gedehnt, dass das Kind hindurchpasst. Anschließend werden Plazenta, Gebärmutter und Bauchdecke über eine Naht verschlossen, wobei die Fäden unsichtbar unter der Haut verlaufen. Die Wunde wird durch ein großes Pflaster geschützt, das nach etwa drei bis fünf Tagen abgenommen werden kann. Insgesamt dauert die Operation etwa 30 bis 60 Minuten. Die Entbindung selbst ist aufgrund der Narkose mit weniger Schmerzen verbunden als eine vaginale Geburt. Allerdings führt die Wunde dazu, dass die Schmerzen danach stärker sind. Die Frauen bleiben ein bis zwei Tage länger im Krankenhaus und brauchen in den ersten Tagen und Wochen mehr Erholung und Unterstützung bei der Versorgung des Kindes. Der größte Vorteil des Kaiserschnitts liegt darin, dass Risiken für Mutter oder Kind in bestimmten Situationen reduziert werden können. Gleichzeitig bleibt der Kaiserschnitt eine größere Operation. Die Heilung dauert meist mehrere Wochen. Schmerzen im Bereich der Operationsnarbe, Bewegungseinschränkungen und ein längerer Krankenhausaufenthalt im Vergleich zur vaginalen Geburt sind häufig. Wie bei jeder Operation bestehen Risiken wie Infektionen der Wunde, Blutungen, starker Blutverlust oder Thrombosen. In seltenen Fällen können benachbarte Organe verletzt werden. Zu klassischen Narkoserisiken zählen Kreislaufprobleme, Übelkeit oder Kopfschmerzen. Eine erst 2023 offiziell als Krankheit anerkannte mögliche Spätfolge ist die Caesarean Scar Disorder. Dabei kann die Kaiserschnitt-Narbe schlecht verheilen und kleine Löcher und Nischen im Inneren der Gebärmutter zur Folge haben, die zunächst unbemerkt bleiben. Die wiederum können zu Komplikationen wie Blutungen, Ausfluss, Schmerzen bis hin zu Endometriose und sogar Unfruchtbarkeit führen. Ursache für dieses relativ neue Phänomen ist vermutlich eine vor gut 20 Jahren eingeführte neue Nahttechnik nach einem Kaiserschnitt. Bis etwa zur Jahrtausendwende wurden die drei Schichten der Gebärmutter einzeln vernäht, heute erfolgt nur noch eine Naht, wodurch einzelne Schichten offen bleiben. Diese Naht hat durchaus Vorteile, weil sie schneller geht und die In den ersten zwei bis drei Wochen nach der Entbindung sollte die Narbe Zeit zum Heilen haben, also nur vorsichtig mit klarem Wasser gereinigt und nur mit sauberen Händen angefasst werden. In dieser Zeit kann die Narbe noch brennen oder jucken. Sobald sich die Fäden aufgelöst haben und die Wunde komplett verschlossen ist, kann die Narbenpflege beginnen: Dazu ein- bis zwei Mal täglich Öl (z.B. Mandel oder Calendula) oder eine spezielle Narbencreme behutsam einmassieren. Auch eine Pflegecreme kann geeignet sein, sie sollte parfumfrei sein. Günstige Inhaltsstoffe für die Narbenpflege sind Panthenol, Silikon, Allantoin und Ringelblumensalbe. Eine weitere – allerdings zeitlich und finanziell aufwändigere – Möglichkeit sind spezielle Silikonpflaster. Narbenpflege nach Kaiserschnitt Foto: istock.com/geargodz
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