Wann kann ein Wunschkaiserschnitt sinnvoll sein? Manche Frauen entscheiden sich auch bewusst für einen geplanten Kaiserschnitt, obwohl kein medizinischer Grund dafür vorliegt. Fachleute sprechen dann von einem Wunschkaiserschnitt. Vor einem solchen Eingriff findet immer eine ausführliche ärztliche Beratung statt, bei der Nutzen und Risiken sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Ein Wunschkaiserschnitt kann beispielsweise erfolgen, wenn Frauen nach einer früheren traumatischen Geburt unter großer Angst vor einer erneuten vaginalen Entbindung leiden. Die Angst vor Wehenschmerzen kann ein weiterer Grund sein. Auch nach komplizierten Geburtsverletzungen oder bestimmten Erkrankungen des Beckenbodens kann ein geplanter Kaiserschnitt Vorteile bieten. Manche Frauen entscheiden sich auch nach mehreren vorausgegangenen Kaiserschnitten gemeinsam mit ihrem Behandlungsteam erneut für diesen Geburtsweg. Was vermutlich ebenfalls vorkommt, sind Kaiserschnittentbindungen aus organisatorischen Gründen, weil sich der Termin beispielsweise so besser mit dem Dienstplan des werdenden Vaters vereinbaren lässt oder um den Geburtstag des Kindes auf einen Wunschtermin zu legen. Rein rechtlich muss ein Wunschkaiserschnitt ohne jegliche medizinische Indikation privat bezahlt werden. Die Kosten dafür werden nicht von der Krankenkasse übernommen. Praktisch ist es wohl eher so, dass sich bei Bedarf eine Indikation findet, mit der die Notwendigkeit des Kaiserschnitts begründet wird. Spontangeburt nach Kaiserschnitt? Manchmal lässt sich ein Kaiserschnitt nicht vermeiden. Wenn die betroffene Frau dann erneut schwanger wird, stellt sich die Frage: Ist eine spontane, vaginale Geburt nach einem Kaiserschnitt überhaupt noch möglich? Die Antwort: Ja, aber. Es gibt nur wenige Gründe, die dagegensprechen. Das ist z.B. eine ungünstige Lage der Plazenta. Wichtig: Wer über ein drittes oder viertes Kind nachdenkt, sollte sich möglichst für eine vaginale Geburt entscheiden. Je häufiger ein Kaiserschnitt durchgeführt wurde, desto höher ist das Risiko für Probleme mit der Plazenta. Etwa drei von vier Frauen, die sich nach einem Kaiserschnitt für eine Spontangeburt entscheiden, können ihr Kind auch auf diesem Weg zur Welt bringen. Bei einem Viertel ist erneut ein Kaiserschnitt nötig. Mythen & Fakten rund um den Kaiserschnitt Mythos: Ein Kaiserschnitt ist die sanftere Geburt. Fakt: Für das Baby kann ein geplanter Kaiserschnitt sehr schonend sein, allerdings auch Nachteile haben. Für die Mutter bleibt er eine große Bauchoperation mit längerer Heilungszeit als nach einer vaginalen Geburt ohne Komplikationen. Mythos: Ein Kaiserschnitt ist schmerzfrei. Fakt: Während der Operation sorgt die Betäubung in der Tat dafür, dass keine Schmerzen auftreten. Nach dem Eingriff können jedoch Wundschmerzen und Bewegungseinschränkungen über mehrere Tage oder gar Wochen bestehen. Mythos: Nach einem Kaiserschnitt sind spätere natürliche Geburten ausgeschlossen. Fakt: Das stimmt nicht. Viele Frauen können nach einem Kaiserschnitt ihr nächstes Kind spontan zur Welt bringen. Ob dies möglich ist, hängt unter anderem von der Ursache des ersten Kaiserschnitts und dem Verlauf der folgenden Schwangerschaft ab. Mythos: Eine spontane Geburt ist riskanter. Fakt: Bei einer unkomplizierten Schwangerschaft gilt die vaginale Geburt als sicher und wird deshalb von Fachgesellschaften empfohlen. Ein Kaiserschnitt bietet nur dann Vorteile, wenn medizinische Gründe vorliegen. Mythos: Ein Kaiserschnitt ist keine natürliche Geburt. Fakt: Jede Geburt ist eine Geburt. Ob spontan oder per Kaiserschnitt – entscheidend ist, dass Mutter und Kind gut versorgt sind. Ein Kaiserschnitt ist kein Misserfolg, keine falsche oder unnatürliche Geburt, sondern manchmal einfach die bessere Entscheidung für Mutter und Kind. Anders als beim geplanten Kaiserschnitt muss es bei spontanen Geburten häufig schnell gehen – daher haben viele Geburtskliniken Storchenparkplätze für werdende Eltern reserviert. 82 › Titelthema
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