Was also ist nun das Fazit der vorherigen Zahlen und Informationen? Bei einer unkomplizierten Schwangerschaft empfehlen Fachgesellschaften grundsätzlich die spontane Geburt, weil sie für Mutter und Kind meist die meisten Vorteile bietet. Dieser Empfehlung schließen wir uns an. Nach der ausgiebigen Recherche der Studien und Zahlen sind wir umso mehr der Meinung, dass sich sowohl Eltern als auch medizinisches Personal viel öfter das Erlebnis natürliche Geburt zutrauen sollten. Es wäre ein fatales Signal, wenn auch hierzulande aus einem Eingriff, der einst nur als Notoperation gedacht war, eine Wunschbehandlung wird. In einigen Ländern ist genau das bereits der Fall. Diese Einstellung lässt die Tatsache außer Acht, dass ein Kaiserschnitt eine Operation mit vielen Risiken ist. Gleichwohl, und auch das wollen wir an dieser Stelle betonen: Es gibt gute, berechtigte Gründe für einen Kaiserschnitt und keine Frau sollte das Gefühl haben, versagt zu haben, weil sie ihr Kind nicht auf natürlichem Weg zur Welt gebracht hat. Für werdende Eltern lohnt es sich deshalb, offen in die bevorstehende Geburt zu gehen und sich auf beide Möglichkeiten vorzubereiten. Denn jede Geburt ist einzigartig und manchmal entscheidet erst der Verlauf, welcher Weg am Ende der richtige ist. Fazit: Welche Geburt passt zu mir? Titelthema ‹ 91 aufzeichnungen) sowie fehlende profunde CTG- Interpretationskenntnisse sorgen für unnötige Kaiserschnitte. 6. Einstellungsanomalien: Neben dem Geburtsstillstand ist die Einstellungsanomalie eine der häufigsten Indikationen für den Kaiserschnitt. Solche Anomalien lassen sich oft gut behandeln und führen mit Geduld zur vaginalen Geburt. Selbst der so genannte hohe Gradstand ist bei Frauen mit entsprechend geformtem Becken kein Grund zur Sektio. 7. Makrosomie: Eine Makrosomie (Anm. der Red.: hohes Geburtsgewicht mit über 4000 g) bei physiologisch begleiteter Geburt ohne Intervention führt extrem selten zu den gefürchteten Schwierigkeiten und kann daher bei entsprechender Kenntnis auch weiter gut vaginal entbunden werden. 8. Ältere Erstgebärende und künstliche Befruchtung: Künstliche Befruchtung qua se ist allenfalls psychologisch ein Risikofaktor für eine Geburt. Und die ältere Erstgebärende hat allein altersbedingt keine erhöhten Risiken – es treten allerdings bestimmte Risiken häufiger auf. Nur diese gilt es zu beachten! Fazit von Dr. Wolf Lütje: „So an all diesen Themen konsequent gearbeitet wird, und dafür gibt es in Deutschland zahlreiche Beispiele, könnte die Kaiserschnittrate deutlich gesenkt werden; mit sicher auch zum Teil besseren Ergebnissen und auch Erlebnissen rund um die Geburt.“ Wir brauchen also mehr Zeit und mehr Zuversicht darin, dass die Geburt ein natürlicher Vorgang ist, der unter den meisten Voraussetzung sowohl von Mutter als auch Kind sehr gut ohne medizinische Intervention bewältigt werden kann. Diese Ansicht wird durch eine schwedische Studie von 2018 bestätigt, wonach vor allem der Glaube an die natürliche Geburt als beste Geburtsform, eine enge Schwangerschaftsbegleitung durch Hebammen und ein gut eingespieltes interdisziplinäres Team in der Geburtsklinik für eine niedrige Kaiserschnittrate von ca. 17 Prozent sorgen. Eine weitere, sehr einfach umsetzbare Idee, stellen wir im Interview im Anschluss an das Titelthema vor. Dort berichtet die Hebamme und Wissenschaftlerin Elke Mattern, inwieweit räumliche Veränderungen im Kreißsaal eine spontane, selbstbestimmte Geburt begünstigen.
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