lausebande-09-2026

Auch innerhalb Deutschlands gibt es deutliche Unterschiede. Während Hamburg, das Saarland und Hessen die höchsten Kaiserschnittraten aufweisen, werden in Sachsen, Brandenburg und Berlin vergleichsweise wenige Kinder per Kaiserschnitt geboren. Mögliche Gründe für den Anstieg Warum die Zahlen in so vielen Ländern so stark steigen, lässt sich nicht allein aus medizinischen Gründen erklären. Fachleute gehen davon aus, dass auch unterschiedliche Routinen, die Ausstattung der Kliniken, die Personalsituation, finanzielle Anreize und Behandlungskulturen eine Rolle spielen. So ist eine Kaiserschnitt-Entbindung (ausgenommen sind medizinische Notfälle) für Kliniken besser planbar. Es wird auch immer wieder die Vermutung geäußert, dass die bessere finanzielle Erstattung durch die Krankenkassen eine Rolle spielen könnte. Laut GKV-Spitzenverband wird eine durchschnittliche natürliche Geburt inklusive ca. dreitägigem Aufenthalt von Mutter und Kind mit 4.383 Euro vergütet, ein Kaiserschnitt mit 5.381 Euro. Das sind „nur“ 1.000 Euro Unterschied. Allerdings bindet ein Kaiserschnitt das medizinische Personal nur für etwa eine Stunde, eine natürliche Geburt hingegen für mehrere Stunden. Ein weiterer Grund könnte das steigende Durchschnittsalter werdender Mütter sein. Bei der Geburt ihres ersten Kindes sind Frauen in Deutschland im Schnitt 30,5 Jahre alt. Mitte der 1970er-Jahre waren Erstgebärende in Ostdeutschland 22 Jahre und in Westdeutschland 25 Jahre. Mit zunehmendem Alter nehmen Schwangerschaftskomplikationen zu. Auch Mehrlingsschwangerschaften, Übergewicht, Diabetes oder Bluthochdruck erhöhen das Risiko, sodass ein Kaiserschnitt medizinisch notwendig sein kann. Ideen, um die hohe Kaiserschnittrate zu senken Wir haben die Gründe dargestellt, warum die Kaiserschnittraten so hoch sind, die möglichen Folgen für Mama und Kind. Zum Schluss wollen wir Ideen vorstellen, wie man die Entwicklung in die gegenläufige Richtung lenken könnte. Der ehemalige Chefarzt und Gynäkologe Dr. Wolf Lütje hat sie 2019 zuerst im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht. Wir drucken sie hier mit freundlicher Genehmigung des Vereins Mother Hood ab, einer ElternInitiative für eine selbstbestimmte Geburt. 1. Hauptgrund für den Kaiserschnitt ist aus meiner Sicht, dass sowohl bei Geburtshelfern als auch Schwangeren die Angst nicht mehr ein Berater, sondern ein Bestimmer geworden ist. Wer stets in Risiken denkt, schafft solche; der Kaiserschnitt erscheint als Ausweg, bzw. ist logische Folge. 2. Fehlende Geduld: Geburt kennt keine Zeit. Das betrifft sowohl die Schwangerschaftsdauer als auch den Geburtsverlauf. Diese Regel wird viel zu oft und unbegründet verletzt. 3. Geburtshilfliche Kunst: Diese droht auf der Basis von Angst, Katastrophisierungsneigung und der Vermeidung jedweden Risikos durch Kaiserschnitt völlig verloren zu gehen und ist naturgemäß ein mittel- und langfristiger Grund dafür, dass die Kaiserschnittrate ansteigt. 4. Ökonomie und Organisation: Die Betreuungsschlüssel, insbesondere in Bezug auf Hebammen, sind unzureichend. Gute Betreuung senkt Interventionsraten. Verantwortliche Ärzte in zum Teil schlecht besetzten Abteilungen greifen oft entnervt und müde zum Skalpell. Zudem setzen Geschäftsführungen Chefärzte in Bezug auf Sectioraten und Haftpflichtthemen unter Druck. Dies begünstigt die Interventionsneigung zum Teil massiv. 5. Geburtsüberwachung: In jedem 4. Fall sind schlechte Herztöne der Grund für einen Kaiserschnitt, so als ob Mutter Natur riskieren würde, dass 25 % der Kinder durch die Geburt behindert werden oder gar sterben. Die moderne, tückische CTG-Technologie (wahrscheinlich 30 % Falsch90 › Titelthema 25 27 29 31 33 35 37 HH Saarl. Hessen NRW Nieders. Schleswig-H. Rheinl.-P. BY Bremen MV BaWü Sachsen-A. THÜ Berlin BB Sachsen Kaiserschnittrate im Bundesländervergleich Sachsen und Brandenburg haben im Bundesvergleich die niedrigsten Kaiserschnittraten – aber zu hoch im Vergleich zur WHO-Empfehlung. Quelle: Statistisches Bundesamt 2024, Angaben in Prozent

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