Seite 36 - lausebande-10-2012

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Interview :: Seite 36
habe ich eine Trainingsphilosophie entwickelt, die
sich an den individuellen, natürlichen Bedürfnissen
des Hundes orientiert – und zwar in leiser, gewalt-
freier und harmonischer Manier. Brüllerei und Sta-
chelhalsband sind bei uns kein Thema. D.O.G.S. ist
ein System, das kein System ist! Der Schwerpunkt
von D.O.G.S. liegt darin, den Hund einschätzen zu
können, um dann ein für den Menschen und seinen
Hund ganz individuell zugeschnittenes Trainings-
konzept zu entwerfen. Daher kann es auch passie-
ren, dass ein Mensch-Hund-Team einen Trainings-
weg nahe gelegt bekommt, von dem einem anderen
Team vielleicht abgeraten werden würde.
Wie sieht das in der Praxis aus, müssen Sie da mehr
das Herrchen als den Hund erziehen?
Definitiv ja.
Denn in 99 Prozent ist es nicht der „Problemhund“,
der sich ändern, sondern der Mensch, der seine Ein-
stellung und Verhaltensweisen überdenken muss.
Seit 1995 nimmt ihr Erfolg in den Medien beständig
zu, stehen sich Unterhaltungskünstler und fachlich
fundierter Hundeexperte da nie im Weg?
Nein, über-
haupt nicht. Logisch, ich bin niemand, der seine
Botschaften staubtrocken vermittelt. Aber das ist ja
auch das Schöne und Effektive. Ich verbinde Unter-
haltung mit fundierter Information, diese Kombina-
können. Daher kann ein Hund auch niemals allein
für ein Kind angeschafft werden. Die Eltern haben
immer die volle Verantwortung und sind für die Er-
ziehung des Hundes zuständig. Jedoch können die
Kinder in die Erziehung mit eingebunden werden,
indem sie kleinere Aufgaben gemeinsam mit den El-
tern übernehmen.
Gibt es tatsächlich familiengeeignete Hunde – oder
ist alles eine Sache der Erziehung?
Den Familien-
hund oder den Anfängerhund gibt es nicht, denn
selbst innerhalb eines Wurfes können unterschied-
liche Charaktereigenschaften auftreten. Generell
eignen sich aber für Familien eher Hunde, die nicht
sehr sensibel sind. Feinfühlige Hunde können
nämlich gerade bei Familien mit Kindern zu einem
Problem werden, denn Kinder sind im Umgang mit
Hunden nicht gerade vorsichtig und zimperlich.
Ihre Erfolgsgeschichte begann mit Ihrem eigenen
Erziehungskonzept D.O.G.S. für Hunde im Jahr 1995
– was war daran so neu?
Gerade während meiner
Anfangszeit habe ich sehr viele schlimme Sachen
gesehen, wo Hunde mit Drill und Drangsalierung
gefügig gemacht, aber mitnichten artgerecht erzo-
gen wurden. Das ging für mich von Anfang an gar
nicht. Mit D.O.G.S. (Dog Orientated Guiding System)
Der vierfache Familienvater kann sich ein Leben ohne Hunde nicht mehr vorstellen
Foto: Marc Rebeck