lausebande-09-2026

88 › Titelthema oder in einem Geburtshaus zur Welt. Anfang der 2000er-Jahre lag der Wert bei 1,2 Prozent. Familien schätzen an einer außerklinischen Geburt vor allem die persönliche Betreuung und die Atmosphäre. Häufig begleitet dieselbe Hebamme die Schwangerschaft, die Geburt und das Wochenbett. Die vertraute Umgebung, mehr Zeit und eine interventionsarme Begleitung vermitteln vielen Frauen Sicherheit und Geborgenheit. Medizinische Eingriffe wie Geburtseinleitungen oder Kaiserschnitte kommen bei außerklinischen Geburten deutlich seltener vor, was aber auch daran liegt, dass ausschließlich Frauen mit niedrigem Schwangerschaftsrisiko diese Möglichkeit in Anspruch nehmen können. Ein weiterer Aspekt ist relevant für Schwangere, die bereits ein oder mehrere Kinder haben: Bei einer Hausgeburt können die Geschwister auf Wunsch bei der Geburt dabei sein, was in einer Klinik nicht möglich ist. Selbst wenn Geschwister die Hausgeburt nicht direkt miterleben sollen oder möchten, können sie sich in ihr Kinderzimmer zurückziehen und es braucht keine separate Betreuung durch Großeltern oder Freunde. Das spricht gegen eine Hausgeburt Den Vorteilen stehen jedoch auch Grenzen gegenüber. Weder im Geburtshaus noch bei einer Hausgeburt stehen ein Operationssaal, ein Anästhesieteam oder eine Kinderklinik unmittelbar zur Verfügung. Kommt es unerwartet zu Komplikationen wie starken Blutungen, Geburtsstillstand, Atemstillstand oder Auffälligkeiten der kindlichen Herztöne, muss die Geburt in ein Krankenhaus verlegt werden. Deshalb arbeiten Geburtshäuser und freiberufliche Hebammen eng mit nahe gelegenen Kliniken zusammen und verfügen über feste Notfallpläne. Das heißt für werdende Mütter in ländlichen Regionen, dass sie bei dem Wunsch nach einer Hausgeburt bedenken sollten, wie schnell sie im Notfall in der nächstgelegenen Geburtsklinik sein können. Die Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe erfasst und veröffentlicht jährlich die Zahlen, wie oft bei diesen Geburten eine Verlegung in die Klinik erforderlich ist. Dieser Wert lag in den vergangenen fünf Jahren zwischen 15 und 17 Prozent. Das heißt jede sechste außerklinische Geburt wurde in der Klinik beendet, wobei dazu auch jene Geburten gehören, in denen das Kind so schnell kam, dass es bereits auf dem Weg zur geplanten Klinikgeburt das Licht der Welt erblickte. Typische Gründe für die Klinikverlegung waren Geburtsstillstand, vorzeitiger Blasensprung, schlechte Herztöne des Babys und der Wunsch der Mutter nach Schmerzmedikamenten. Nur knapp ein Prozent der Verlegungen erfolgte als akuter medizinischer Notfall. Interessant: Bei den Gebärenden, die in eine Klinik verlegt werden, erfolgt in 33 Prozent ein Kaiserschnitt – die Rate ist also bei diesem kleinen Teil der Frauen ähnlich hoch, wie bei allen klinischen Geburten. Weitere knapp fünf Prozent der Frauen werden nach der Geburt zu Hause oder im Geburtshaus noch in die Klinik verlegt, weil sie beispielsweise stark bluten. 94 Prozent aller Kinder kommen gesund zur Welt, bei etwa 1 bis 2 von 1.000 außerklinischen Geburten verstirbt das Kind. Diese Kosten werden übernommen Internationale Studien zeigen, dass geplante außerklinische Geburten für sorgfältig ausgewählte Frauen mit niedrigem Risiko sicher sind. Gleichzeitig betonen Fachgesellschaften und insbesondere Mediziner, dass unvorhersehbare Notfälle auch bei zunächst völlig unkomplizierten Schwangerschaften auftreten können. Die Entscheidung für den Geburtsort sollte deshalb immer gemeinsam mit der betreuenden Hebamme und der behandelnden Frauenärztin getroffen werden. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für alle hier vorgestellte Varianten mit einer Ausnahme: Die Rufbereitschaft der Hebamme wird nicht bezahlt, aber von einigen Kassen zumindest bezuschusst. Zusätzlich muss man bei der Hausgeburt für Materialkosten aufkommen, die man in der Klinik gestellt bekommt, beispielsweise Handtücher, Wöchnerinnen-Vorlagen, Matte. Wer privat krankenversichert ist, sollte die Kostenübernahme rechtzeitig vor der Entbindung klären. z 23,9 40,9 35,3 Hausgeburt für Erstgebärende? erste Geburt zweite Geburt dritte o. weitere Geburt Von allen Frauen, die sich für eine Hausgeburt entscheiden, sind 24 % Erstgebärende. Bei außerklinischen Geburten in einem Geburtshaus oder Hebammenkreißsaal liegt ihr Anteil doppelt so hoch. Quelle: Qualitätsbericht außerklin. Geburtshilfe 2024

RkJQdWJsaXNoZXIy MTcxMjA2