lausebande-09-2026

Titelthema ‹ 89 Geburt per Kaiserschnitt – warum die Zahlen steigen Jede dritte Geburt in Deutschland erfolgt operativ, woanders ist die Quote höher Laut Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation sollte die Kaiserschnittrate zwischen 10 und 15 Prozent liegen. 2025 führte die WHO eine Studie durch, um die Zahlen weltweit zu vergleichen. Demnach erfüllen nur 14 Länder die WHOEmpfehlung. Die Industriestaaten liegen fast immer darüber, zum Teil erheblich. Arme Länder der Dritten Welt liegen deutlich darunter. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland im oberen Mittelfeld der OECD-Staaten. Deutlich häufiger wird per Kaiserschnitt beispielsweise in der Türkei, Rumänien oder Bulgarien entbunden. Länder wie Israel, Norwegen oder Island verzeichnen dagegen niedrigere Raten. Fachleute führen das auf mehrere Gründe zurück. In den nordischen Ländern wird die natürliche Geburt besonders gefördert. Hebammen begleiten Schwangere und Gebärende oft sehr eng, Eingriffe werden nur dann vorgenommen, wenn sie medizinisch notwendig sind. Zudem gelten dort klare nationale Leitlinien, die unnötige Kaiserschnitte vermeiden sollen. Gleichzeitig nehmen sich viele Kliniken mehr Zeit, auch langwierige Geburtsverläufe sicher zu begleiten, statt frühzeitig zu operieren. Israel verfolgt ebenfalls eine zurückhaltende Strategie bei Kaiserschnitten. Obwohl dort viele Frauen vergleichsweise spät Kinder bekommen und häufig mehrere Schwangerschaften erleben, wird eine vaginale Geburt – auch nach einem früheren Kaiserschnitt – gezielt unterstützt, sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen. Hinzu kommt, dass die Gesundheitssysteme in diesen Ländern weniger wirtschaftlichen Anreizen unterliegen, operative Geburten durchzuführen. In Deutschland wird inzwischen etwa jedes dritte Baby auf diesem Weg geboren – so viele wie nie zuvor. Im Jahr 2024 lag die Kaiserschnittrate bei 33 Prozent. Damit hat sie sich seit der Wiedervereinigung mehr als verdoppelt: 1991 wurden 15 Prozent der Kinder per Kaiserschnitt geboren. In den 1960er-Jahren lag der Anteil sogar bei wenigen Prozent. „Ein Kaiserschnitt soll in erster Linie die Sicherheit von Mutter und Kind gewährleisten und stellt eine lebenswichtige medizinische Notfallmaßnahme dar. Uns als Deutschem Hebammenverband ist es ein großes Anliegen, dass dieser Eingriff nicht zur Routine wird, sondern eine bewusste medizinische Entscheidung bleibt“, betont Andrea Köbke vom Präsidium des Verbandes. Die Geburtsklinik in Lauchhammer gehört mit 22 Prozent im Jahr 2023 zu den Kliniken mit einer unterdurchschnittlichen Kaiserschnittrate. Foto: SKN 0 10 20 30 40 50 60 Kaiserschnittrate weltweit 15 17 19 21 23 25 27 29 31 33 35 1991 1996 2001 2006 2011 2016 2021 Kaiserschnittrate seit 1991 Besonders häufig wird in Geburtskliniken in Brasilien, Ägypten, Iran und Türkei zum Skalpell gegriffen. Quelle: WHO 2024, Angaben in Prozent Die Kaiserschnittrate in deutschen Kliniken hat sich seit 1991 mehr als verdoppelt: Von damals gut 15 Prozent auf heute 33 Prozent. Quelle: Statistisches Bundesamt

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