Digitale Schule: Neues zu Ausstattung und Ferienunterricht

Datum: Montag, 28. September 2020 14:32

„Die Politik hat die Herausforderungen des digitalen Wandels in der Bildung erkannt. Schulen wurden flächendeckend mit einem Breitbandanschluss ausgestattet, sowohl Schüler/innen als auch Lehrkräfte besitzen einen Laptop oder ein Tablet mit passender digitaler Lernumgebung. Alle Lehrkräfte wurden und werden nachhaltig fortgebildet und sind in der Lage, die Potenziale digitaler Medien im Unterricht zu nutzen.“

Diese drei Sätze gehen runter wie Öl – sie beschreiben den Optimal-Zustand digitaler Lehre in unseren Grund- und weiterführenden Schulen. Doch im Moment ist dieser Zustand in den meisten Schulen Deutschlands, insbesondere in Brandenburg, längst nicht greifbar und der Weg dorthin noch weit. Vielmehr beschreiben die Eingangssätze die Ziele, die vonseiten der Bildungspolitik seit Jahren stets kommuniziert und bisher kaum umgesetzt wurden.

In der vergangenen Ausgabe der lausebande setzten wir uns umfangreich und kritisch mit dem Stand der Digitalisierung der Schulen in Brandenburg und Sachsen auseinander. Das Fazit fiel ernüchternd aus: In Brandenburg wurden die Mittel aus dem Digitalpakt kaum genutzt, nicht alle Schulen waren überhaupt an schnellem WLAN angeschlossen, von einer flächendeckenden Ausstattung mit Lehrer-Laptops oder Schüler-Tablets ganz zu schweigen. In Sachsen wiederum spielten die Schulen sowohl bei der Nutzung der Digitalpakt-Mittel als auch beim Digitalisierungsprozess bereits vorn mit. Wir werfen in diesem Update einen Blick auf aktuelle Entwicklungen, die sich in den vergangenen vier Wochen seit der lausebande-Ausgabe 09/2020 zugetragen haben.

Digitalpakt-Mittel: Die Zeit läuft ab

Um die technische Ausstattung von Schulen sicherzustellen, startete 2019 das Förderprogramm „Digitalpakt Schule“. Bis 2024 stehen in diesem Programm bundesweit 5,5 Mrd. Euro zur Verfügung, davon 168 Millionen Euro in Brandenburg und 250 Millionen Euro in Sachsen. Wir stellten zuletzt fest – und leider hat sich daran auch nicht viel geändert: Die Mittel werden in Brandenburg kaum genutzt. Schlappe 26,2 von 168 Mio. Euro wurden bis Mitte September beantragt (15,6 %), bewilligt wurden gerade einmal 3,8 Mio. Euro (2,3 %). 

Brandenburg, Stand 31.07.2020: 17,7 Mio. Euro beantragt, 3,1 Mio. Euro bewilligt – von 168 Mio. Euro
Brandenburg, Stand 16.09.2020: 26,2 Mio. Euro beantragt, 3,8 Mio. Euro bewilligt – von 168 Mio. Euro

Das Problem: Der Zeitraum zur Antragstellung läuft in Brandenburg zum Jahresende ab. Möglich war dies seit dem 1. Juni 2019. Mit dem Erscheinen dieser lausebande-Ausgabe bleiben von insgesamt 15 Monaten Antragszeit noch 3 Monate übrig. 80 Prozent der Zeit sind vergangen, aber nicht mal 20 Prozent der Mittel überhaupt beantragt. Um den Digitalpakt-Fördertopf voll auszuschöpfen, müsste hier zum Jahresende ein beeindruckender Schlussspurt hingelegt werden.

Sofortausstattungsprogramm des Bundes greift schnell

Fortschritte gibt es indes beim vom Bund aufgesetzten Sofortausstattungsprogramm. Es umfasst ein Fördervolumen von 500 Millionen Euro, die dazu dienen sollen, sozial schwächer gestellte Schüler/innen mit einem Leih-Tablet auszustatten. Brandenburg erhält davon einen Anteil von 15,1 Mio. Euro und stockt mit 1,7 Mio. auf, nach Sachsen fließen 25 Mio. zuzüglich eines Eigenanteils von 2,7 Mio. Euro. Beide Länder konnten ihren gesamten Fördertopf innerhalb kurzer Zeit verbrauchen. In Brandenburg hätten 258 Schulträger solche Mittel beantragt, teilte Bildungsministerin Britta Ernst mit. Was hier offenbar gut gelang: Im Vergleich zum Digitalpakt war das Sofortausstattungsprogramm bürokratisch ein Kinderspiel – damit die Maßnahme als sinnvoll eingestuft werden kann, müssen die Geräte nun aber auch schnellstmöglich zu den Schülern gelangen.

Bund legt weiter vor: Mittel für Dienstlaptops & IT-Administratoren

Ein weiteres Ausstattungsprogramm in Höhe von 500 Mio. Euro beschlossen Bund und Länder Ende September beim Schulgipfel. Dabei ging es um die Versorgung der Lehrkräfte mit eigenen Dienstlaptops. Bisher muss ein Großteil der Lehrer/innen den eigenen Computer zur Unterrichtsvorbereitung oder gar im Klassenraum verwenden. Nun sollen noch in diesem Jahr alle 800.000 Lehrer/innen in Deutschland ein dienstliches Gerät bekommen. Ein drittes Paket in Höhe von einer halben Milliarde Euro schnürt die Bundesregierung zudem für die Ausbildung und Finanzierung von Administratoren, die sich um die Technik an den Schulen kümmern sollen.

Damit kämpft der Bund in der digitalen Bildung an drei Fronten, für die eigentlich schon der Digitalpakt die nötigen Kampfmittel liefern sollte: Lehrerlaptops, Schülergeräte und die Systembetreuung. Ein guter Schritt – zumindest solange die Bewilligung der Mittel für die Lehrerlaptops und die IT-Administratoren ebenso aufwandsarm vonstattengehen kann, wie es bei den Leih-Tablets für Schüler der Fall war.

Freiwilliger Ferien-Unterricht wahrscheinlich

Mit dem Erscheinen dieser Ausgabe der lausebande erwarten wir mit Spannung die Pressemitteilung des Brandenburger Bildungsministeriums, in der das Land zu Unterrichtsangeboten in den Herbstferien und einem eventuellen Samstagsunterricht Stellung nimmt. Zu Beginn des Schuljahres ermittelten die Schulen den Lernstand der Schüler/innen – sie bilden die Entscheidungsgrundlage für diese Fragen. Fakt ist: In der Zeit nach dem flächendeckenden Schulschluss wurde vielerorts Unterrichtsstoff versäumt – das war angesichts des teilweise rudimentären Homeschooling-Angebots kaum zu vermeiden. Aktuelle Äußerungen lassen ein freiwilliges anstelle eines verpflichtenden Unterrichtsangebot in den Herbstferien wahrscheinlich erscheinen. Hierfür wäre dann zu klären: Welche Instanzen sind für die Umsetzung zuständig – und sind hierfür genügend Lehrer in den Herbstferien verfügbar bzw. überhaupt bereit? Aktuell leiden an vielen Schulen einmal mehr Schüler/innen und Eltern, da nicht vermittelter Unterricht oft selbstständig nachgeholt werden soll und in vielen Fächern Unterrichtsstoff komprimiert und Test verdichtet werden, wohl auch, damit diesmal vorsorglich Zensuren generiert werden. Der Samstagsunterricht scheint hingegen völlig vom Tisch, sowohl Lehrervertreter als auch Ministerium und Elternvertreter haben sich dagegen ausgesprochen.

Ihre Erfahrungen sind gefragt!

Wir werden das Thema „Digitale Schule“ weiterhin kritisch begleiten und sind auf Ihre Rückmeldungen gespannt: Welche Erfahrungen machen Sie seit dem Schuljahresbeginn 2020/21? Bemerken Sie bei Ihren Kindern ein erhöhtes Lernpensum? Wie digital ist Ihre Schule ausgestattet? Melden Sie sich gern mit Ihren persönlichen Erfahrungen oder Themenanregungen per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder per Nachricht an unsere Facebook-Seite: www.fb.com/lausebande.