„Ich bin kein Mikrowellenkünstler“

Datum: Freitag, 26. Juni 2015 09:50

Foto: RBB

Interview mit Comedian Michael Kessler

Michael Kessler wurde zum Beginn der 90er Jahre als naiver Nachwuchsproll Klausi in „Manta Manta“ bekannt, improvisierte sich später durch die Schillerstraße und gilt seit Switch und Switch reloaded als einer der besten Parodisten des Landes. Aktuell verwandelt er sich während seiner Sendung „Kessler ist …“ in den Promi, der ihn dann quasi als sich selbst interviewt. Verwirrend. Aber so ist er nun mal. Wir Brandenburger lieben ihn seit Jahren für seine rbb-Expeditionen, anfangs mit Huskys, Esel oder Hausboot durch unsere Gefilde, inzwischen mit dem Klapprad von Kopenhagen nach Berlin oder mit dem Rasenmäher auf den Brocken. In diesem Jahr stehen drei neue Expeditionen an, passend zu unserem Ferienmagazin sprachen wir mit Michael Kessler über seine Reiselust und Reisetipps:

Sie gehen in diesem Jahr auf gleich 3 rbb-Expeditionen, ist das für Sie bezahlter Urlaub? Das glauben ja viele Menschen. Ich erleide aber zum Teil viele Strapazen. Es ist ja nicht so, dass der Herr Kessler sich gemütlich aufs Klapprad setzt, für fünf Minuten durchs Bild fährt und dann im Auto zur nächsten Station chauffiert wird. Es gibt mal anstrengende und mal weniger anstrengende Expeditionen und mal sehr lange, mal kurze Drehtage. Das ist Arbeitsalltag, aber ein unheimlich spannender. Ich weiß vorher nie genau, was mich erwartet.

Bei all dem Reisestress, wie sieht da Ihr Urlaubssommer aus? Da im Sommer die meiste Drehtage anstehen und das für mich die Hauptarbeitszeit ist, verlagert sich mein Urlaub eher in den Winter. Ich muss ja dann arbeiten, wenn die Arbeit da ist. Deshalb packe ich privat zur Hauptreisezeit auch keine Koffer.

Wenn dann aber Urlaub ansteht, verbringen Sie den ebenso aktiv wie Ihre Expeditionen oder beim Cocktail im Wellnesshotel? Eine Mischung aus beidem. Ich fahre gern herum und hocke nicht gern an einem Ort. Ruhe und Gelassenheit brauche ich trotzdem, beobachte aber auch im Urlaub gern andere Menschen und Kulturen.

Zum Sommerstart geht es in der ersten rbb-Expedition „Mit Mops ans Meer“, ausgerechnet diesem Hund sagt man nach, voller Widersprüche zu sein. Haben Sie gut harmoniert? (Lacht). Ich besitze seit November ja auch privat einen Hund und war schon immer ein Hundefan. Aber ein Mops ist sehr speziell, und das gilt für unsere Mopsdame Frida umso mehr. Sie zeichnete sich durch große Trägheit aus und kam zum ersten Drehtag sehr, sehr gut genährt. Sie hat dann auch abgenommen und sich in ihrem Leben bestimmt noch nie so viel bewegt wie auf unserer Expedition. Ich glaube aber, dass ihr das auch gefallen hat. Sie hat Seeluft geschnuppert. Ansonsten ist unfassbar, wie laut so ein Mops schnarchen kann. Wir haben jede Nacht gemeinsam in einem Zimmer verbracht und Frida schnarchte wie ein alter, dicker Mann mit einer Lautstärke, die ich dem kleinen Hund nie zugetraut hätte. Der Mops ist aber auch ein Hund, der bei anderen Leuten auf unheimlich viel Interesse stößt. Scheinbar wollte jeder schon mal einen Mops haben. Vor allem ist er aber ein bequemer Hund, der sich kaum beeindrucken lässt.

Was haben Sie privat für einen Hund? Einen Jagdhund-Mischling aus dem Tierschutz, der stammt aus Griechenland.

Tierschutz und Griechenland, da haben Sie ja gleich doppelt Gutes getan … Ja, der Hund war pleite und ich habe ihm geholfen.

Können Sie schon verraten, wo die weiteren rbb-Expeditionen Sie hin führen? In drei Wochen steige ich auf eine Art Postfahrrad, mit dem geht es über die Alpen. Vor dieser Aufgabe habe ich schon viel Respekt. Ich bin zwar ein guter Fahrradfahrer, bin aber nicht sonderlich gut trainiert. Im Herbst geht es dann nochmal von Würzburg zum Schloß Neuschwanstein auf der berühmten Romantik-Straße – und das in einer sehr speziellen Kutsche. Da will ich jetzt noch nicht so viel verraten.

In den ersten Expeditionen lag der Fokus noch auf dem Land Brandenburg, nun geht’s immer öfter in die Ferne, warum? Weil wir Brandenburg schon so gut erkundet haben. Da gibt es kaum Ecken, in denen wir auf den ersten Expeditionen nicht waren. Von daher schauen wir jetzt lieber über den Tellerrand hinaus.

Hand aufs Herz, Sie müssen es ja wissen: ist der Brandenburger muffliger als der Durchschnittsdeutsche andernorts? Das ist ein großes Gerücht, das ich nicht bestätigen kann. Ich habe die Brandenburger sehr herzlich erlebt und vor allem sehr bodenständig. Das ist für mich ein absolut positiver Begriff. Sie waren offen und auch sehr humorvoll. Ich hatte mit den Brandenburgern großen Spaß und schätze diese Offenheit und trotzdem das Normale an ihnen. Der Brandenburger ist überhaupt nicht so mufflig wie sein Ruf vermuten lässt. Ich habe das schon in vielen anderen Interviews gesagt: die Darstellung des Ostens ist nach dem Verfliegen der Wendeeuphorie oft sehr negativ und undifferenziert geworden. Es ist einfach, auf einem Brandenburger Dorfplatz blöde Fragen zu stellen und das dann passend zusammen zu schneiden, dass der Brandenburger so mufflig rüberkommt. Das ist aber nicht die Realität.

Mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass unser Familienmagazin in der Lausitz erscheint: Wo in Brandenburg hat es Ihnen am besten gefallen? Na in der Lausitz (lacht). Nein, das wäre ja gemein, wenn ich das sagen würde. Dann wären alle anderen traurig. Für mich gab es diesen schönsten Ort in Brandenburg nicht. Mich begeistert an Brandenburg in vielen Teilen die Weite und die Ruhe. Es gibt Landschaften, in denen lange kein Haus und kein Strommast zu sehen ist. Wo kann ich noch in die Ferne schauen und einfach nur Natur sehen? Das ist ein unfassbar großer Vorteil von Brandenburg, den ich immer genieße.

Sie zählen zu den wandlungsfähigsten Comedians Deutschlands, warum entstand über die rbb-Expeditionen ausgerechnet zu den Brandenburgern eine solch innige Beziehung? Ich habe über ein anderes Projekt mit einem Berliner Produzenten gearbeitet, der einen guten Draht zum rbb hatte. So kam es erst zur Serie mit der Berliner Nacht-Taxe. Ich bin ja gar kein Berliner, aber die Zusammenarbeit war toll und so folgten die Expeditionen.