„Alle Macht kommt von innen“

Datum: Montag, 07. Dezember 2015 08:41

Interview mit Gedankenleser und Entertainer Thorsten Havener


Thorsten Havener versetzt die Nation spätestens seit seiner TV-Show „Der Gedankenleser“, die vor zehn Jahren auf Sat.1 Premiere feierte, immer wieder in Staunen. Heute ist er DER Experte für Körpersprache und nonverbale Kommunikation, nicht nur in Deutschland. Mit seiner unglaublichen Kombinationsgabe verbindet er Gedankenlesen, Alltags-Psychologie und das Entziffern der Körpersprache und hat daraus ein einzigartiges Entertainment entwickelt. Sowohl in seinen Büchern als auch in seinen Shows lässt er uns an den Hintergründen seiner Kunst teilhaben und büßt dennoch nichts von seiner Faszination ein. Aktuell steht er mit seiner Show „Der Körpersprache-Code“ auf Bühnen in ganz Europa und sein aktuelles Buch „Ohne Worte“ ist einmal mehr ein Bestseller geworden. Passend zum Titelthema rund um den Umgang mit der Wahrheit sprachen wir mit Thorsten Havener über Körpersprache, Kinderlügen und harmonische Weihnachten:


Während es Zauberer auf jedem Dorffest gibt, stehen Sie als Entertainer im Gedankenlesen allein auf weiter Flur – was ist denn in Deutschland mit all den anderen Gedankenlesern los? Das kann ich Ihnen gar nicht sagen. Ich glaube es liegt daran, dass ich mich als einer der ersten mit diesem Thema so intensiv auseinander gesetzt habe.


Sie spielen in Ihrer Show mit der Überraschung und auch dem scheinbar Übersinnlichen, dem in vielen anderen Bereichen ein Hauch Scharlatanerie anhaftet. Wieviel Gaukelei steckt denn in Ihrer Gedankenleserei?
Es geht in meiner Show um Unterhaltung. Ich habe nie vorgegeben, übersinnliche Kräfte zu haben. Ganz im Gegenteil. Es hat ja auch nicht alles, was ich mache, nur mit Körpersprache zu tun. Man kann es aber auch nie auf einfache Tricks reduzieren, denn es steckt viel Wissen und Methodik dahinter. Das gebe ich den Leuten auch mit, ohne durch einige Einblicke die Überraschung zu verderben. Diese Mischung macht den Reiz aus. Das Ergebnis sind zwei Stunden mit viel Staunen, in denen man sich in eine andere Welt entführen lassen kann.


Begonnen haben Sie im Jugendalter mit der Zauberei. Hätte Ihr Bruder Ihnen damals keinen Zauberkasten hinterlassen, was wäre dann aus Ihnen geworden? Musik hat mich immer sehr interessiert und auch die Schauspielerei zählte lange zu meinen Berufswünschen. Es ist aber schwer zu sagen und rein hypothetisch, was ohne den prägenden Tod meines Bruders und die Beschäftigung mit seinen Zauberei-Utensilien aus mir geworden wäre. Vielleicht wäre ich auch wie mein Vater Zahnarzt geworden.


Was zum Entertainment passt: Sie haben neben dem Studium der Sprachwissenschaften auch eine Comedy-Diplomarbeit zum Thema „Wissen und Witz“ geschrieben, was steckt denn dahinter?
Das hat mich damals einfach interessiert. Ich habe während meines Studiums in Amerika die Sitcom „Seinfeld“ gesehen und fand sie unglaublich lustig. Ein Jahr später sah ich das bei uns auf Deutsch und habe gemerkt, dass es überhaupt nicht komisch war, obwohl die Übersetzung durchaus passte. Es lag nämlich daran, dass man es gar nicht übersetzen kann. Das fand ich sehr spannend und wollte wissen, warum man gewisse Dinge nicht einfach von einer Kultur auf eine andere übertragen kann. Das führte mich zu einer Diplomarbeit, die sich mit der Funktion von Humor, seinen Hintergründen und verschiedenen Wirkungsmechanismen auseinander setzte.


Hilft Ihnen heute das Wissen, wie Humor funktioniert?
Na klar. Man kann natürlich ganz anders damit spielen. Man muss sich nicht immer nur auf sein Bauchgefühl verlassen. Prinzipien und Regeln zu kennen, ist sehr hilfreich. Spätestens mit dem Thema der Diplomarbeit war übrigens auch klar, dass ich für einen normalen Beruf schon lange verloren gewesen bin. Mich hat immer nur die Unterhaltung interessiert.


Apropos Unterhaltung: bei der Serie „The Mentalist“ hilft mit Patrick Jane quasi ein Bruder in Ihrem Sinne bei der Aufklärung von Verbrechen. Wurden Sie schon einmal von der Polizei um Hilfe gebeten?
Ich bin schon oft um Hilfe gebeten worden. Das hat in den letzten zwei bis drei Jahren aber abgenommen, weil ich eine solche Polizeiarbeit kategorisch ablehne. Was ich mache, gehört auf eine Bühne, auch wenn das in einer TV-Serie anders dargestellt wird. Man muss auch sagen, dass die TV-Serie ungefähr so realistisch ist wie James Bond. Das ist eben auch pure Unterhaltung. Ich wurde allerdings schon öfter für Vorträge bei Polizei oder Spezialkräften der NATO gebucht. Letzteres war für mich eine ganz besondere Erfahrung. Die Vorträge drehten sich meist um Konfliktvermeidung, wie man also durch die richtige Wortwahl Konflikte erst gar nicht aufkommen lassen oder sich in entsprechenden Situationen richtig verhalten kann. Das fand ich sehr spannend. Mich hat stark überrascht, dass die Methoden aus der Zauberkunst oder der Alltagspsychologie, mit denen ich mich auseinandergesetzt habe, bei vielen Spezialisten der Polizei und Bundeswehr niemandem bekannt waren. Ich dachte, ich erzähle denen längst bekannte Sachen. Dabei kam nach einem Vortrag ein Unterhändler zu mir, der in Extremsituationen wie Geiselnamen die Verhandlungen am Telefon führt, und fand meine Ausführungen total spannend. Das hat mich überrascht und gleichzeitig inspiriert, davon mehr in den Vorträgen zu erzählen. Ich bin heute nicht nur mit meiner Show auf der Bühne unterwegs, sondern halte auch viele Vorträge vor Unternehmen, der Polizei oder der Bundeswehr. Das hat sich auch in den Büchern niedergeschlagen.