Bio? Logisch!

Datum: Donnerstag, 01. April 2021 11:06


Bioprodukte sorgen durch ökologische Herstellung nicht nur für gesunde Ernährung, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Foto: BLE, BonnFoto Dominic Menzler

Ein kleiner Einkaufsführer zu gesunden Lebensmitteln.

Im April geht die Saison mit heimischem Gemüse endlich wieder los, dann kann man Gesundes vom Landhof nebenan shoppen. Nicht selten wird Regionales als das neue Bio verkauft – allerdings bleibt Bio nicht nur bei Lebensmitteln gerade für gesundheitsbewusste Eltern der Goldstandard. Denn nur bei Bio-Lebensmitteln ist die Herkunft aus ökologischer Landwirtschaft zertifiziert, sie bieten die größtmögliche Sicherheit vor Zusatz- und Schadstoffen. Und dennoch ist Bio nicht gleich Bio – denn nicht jeder regionale Händler kann tatsächlich zu seinen Produkten beraten, kennt Herkunft und Produzenten. Unser kleiner Einkaufsführer kann Familien eine Hilfe sein, die gerade mit Blick auf die Pandemie auf ein gesundes, ausgewogenes Ernährungsverhalten Acht geben wollen, das zudem Umwelt und Klima schont.

Bei der Auswahl aus der Auslage im Supermarkt meldet sich oft das Gewissen. Sollen es Früchte aus Spanien oder aus Deutschland sein? Bio oder konventionell? Wer nachhaltig kaufen möchte, wird wegen der weiten Transportwege spanische Früchte eher mit schlechtem Gewissen essen. Egal ob aus Spanien oder aus Deutschland – Früchte aus konventionellem Anbau enthalten deutlich mehr Pestizid-Rückstände als solche aus ökologischer Landwirtschaft. Denn dort sind chemische Pflanzenschutzmittel verboten. Für alle in Deutschland angebauten und verkauften Bio-Lebensmittel gilt die EU-Öko-Richtlinie von 1991, die 2007 erstmals komplett überarbeitet wurde und in den letzten Jahren eine gründliche Neuordnung erfuhr. Ab 1. Januar 2022 werden in der EU Produkte aus biologischer bzw. ökologischer Erzeugung noch ausführlicher und strenger geregelt. Die Richtlinie legt u.a. fest, was bei der Erzeugung, Verarbeitung, Kennzeichnung und Kontrolle von Bio-Produkten einzuhalten ist. Für die ökologische Tierhaltung und Fischzucht gibt es eigene Richtlinien. Die wichtigsten der bisherigen Regelungen:

  • Gentechnik ist verboten.
  • Konventionelle Zutaten sind nur erlaubt, wenn sie nicht in Öko-Qualität verfügbar sind (z.B. bestimmtes Saatgut).
  • Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel.
  • Haltung möglichst robuster und wenig stressanfälliger Tierrassen.
  • Kranke Tiere sind vorrangig mit pflanzlichen oder homöopathischen Mitteln zu behandeln.
  • Gabe von Antibiotika ist stark reglementiert.
  • Die Begriffe „öko(logisch)“ und „bio(logisch)“ sind geschützt.
  • Das Biosiegel gibt es nur, wenn mindestens 95 % der landwirtschaftlichen Zutaten ökologisch erzeugt wurden.


Daran erkennt man auch, was in konventionellen Erzeugnissen enthalten sein kann. Und das sind nur die rechtlichen Mindeststandards für den Öko-Landbau. Da die Begriffe „Bio(logisch)“ und „Öko(logisch)“ geschützt sind, können Kunden sicher sein, dass sie auch Bioware erhalten. Die Vorgaben gelten international. Wer Produkte mit Biosiegel kauft – sei es aus Deutschland, Spanien oder Ägypten, kann sich also auf die Einhaltung dieser Standards verlassen. Nicht täuschen lassen sollten Sie sich von Begriffen wie: umweltgerechter Anbau, aus kontrollierter Landwirtschaft. Diese sind verbreitet, haben aber nichts mit Bio zu tun. Beim Einkauf bieten die Biosiegel Orientierung. In Deutschland gibt es zwei gängige staatliche Biosiegel: Das sechseckige, deutsche Biosiegel und das viereckige EU-Biosiegel.

Darüber hinaus hat fast jeder Discounter ein eigenes Bio-Siegel entwickelt, wie BioBio. Auch hier kann sich der Kunde auf die Einhaltung der EU-Mindeststandards verlassen. Das gleiche gilt für die Label der Bioläden, z.B. Alnatura. Jedes Bioprodukt ist nicht nur mit einem Biosiegel gekennzeichnet, sondern ergänzend durch den Code DE-Öko-0xx. DE steht für Deutschland, Öko für ökologische Landwirtschaft und die zweistellige Zahl für eine der in Deutschland zugelassenen Öko-Kontrollstellen.

Wer Bioprodukte nicht beim Discounter, sondern im Naturkost- oder Bioladen kauft, wird meist andere Biosiegel auf den Produkten finden – die der Bio-Anbauverbände in Deutschland, vereint unter dem Dach des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW): Biokreis, Bioland, Biopark, Bundesverband Naturkost Naturwaren, Demeter, Ecoland, Gäa, Naturland, Verbund Ökohöfe.
Die Anbauverbände betreiben Landwirtschaft nach strengeren Vorgaben als die EU-Mindeststandards, sie liefern sozusagen „Premiumbio“. So werden beispielsweise die Tiere artgerechter gehalten, bei der Lebensmittelherstellung sind deutlich weniger Zusatzstoffe erlaubt und für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gelten strengere Vorgaben. Wer mit dem Kauf von Bioprodukten etwas für seine Gesundheit, für die Umwelt und für die Tiere tun will, der sollte vielleicht doch lieber auf die etwas teureren Bio-Produkte der Anbauverbände zurückgreifen.

In Deutschland ist gut die Hälfte aller Ökobauernhöfe Mitglied in einem der Verbände und geht damit über die Mindeststandards hinaus. Auch innerhalb der Verbände gibt es nochmal Unterschiede. So hat der Anbauverband Demeter, der bereits 1925 gegründet wurde und damit als Pionier in Sachen Bio gilt, besonders strenge Richtlinien. Demeter-Betriebe wirtschaften im Einklang mit der Natur und streben eine möglichst geschlossene Kreislaufwirtschaft an, bei der wenig Futter oder Saatgut von außen zugekauft werden muss. Sie setzen auf biodynamische Bewirtschaftung. Tiere werden möglichst in kleinen Herden gehalten und dürfen nicht enthornt werden, was in Biobetrieben sonst durchaus üblich ist, um zu verhindern, dass sich die Tiere gegenseitig verletzten. Im Sommer bekommen die Tiere mindestens 50 Prozent Grünfutter (statt Silage). Der auch unter Biobauern umstrittene Einsatz von Kupfer als Pflanzenschutzmittel ist für Tomaten und Kartoffeln untersagt. Natürliche Aromen sind verboten. Derzeit arbeiten rund 1.500 Landwirte nach den biodynamischen Richtlinien von Demeter. In der Lausitz sind das die Höfe Gut Ogrosen und Landgut Pretschen im Spreewald und Bauer Glück sowie der Lindenhof bei Görlitz.