
In meiner letzten Kolumne widmete ich mich den krabbelnden Tierchen, die uns jeden Sommer aufs Neue viel ungewollte Aufregung in die heimischen vier Wände bringen. Wenige Tage nach dem Verfassen eben jener Kolumne fuhren wir mit unseren Kindern zum Paddeln in den Spreewald. Ich hatte mir das im Vorfeld sehr idyllisch ausgemalt: unter uns das Wasser, über uns die Baumkronen, rechts und links die Ufer der Fließe, mit etwas Glück würden wir einen Biber oder gar einen Eisvogel sehen.
In der Theorie habe ich längst gelernt, dass meine Wunschvorstellung von einem Familienausflug selten etwas mit der späteren Realität zu tun. Dafür gibt es einfach zu viele Familienmitglieder und zu viele Unwägbarkeiten. Trotzdem war ich hoch optimistisch in Bezug auf unsere geplante Paddeltour. Ich hatte im Vorfeld alles perfekt geplant: die Anreise mit der Bahn, die Ausleihe eines 2er- und einer 3er-Kajaks. Was ich bei meiner Planung völlig außer Acht gelassen hatte: die Tiere. Nicht die Biber oder Eisvögel, sondern die Libellen, Spinnen, Mücken, Bremsen. Ein Kind wurde schon auf dem Weg zum Kajakverleih von einem dieser Tiere gestochen und damit nahm das Unheil seinen Lauf. Denn natürlich gibt es im Sommer massenhaft Kleinvieh auf und am Wasser.
Das Problem: Normalerweise setzt bei meinen Kindern der Fluchtreflex ein, sobald sie ein solches Kleinstlebenwesen entdecken. Dieser Fluchtreflex hat sich sehr schnell als sehr ungeeignet für eine Paddeltour erwiesen. Denn was passiert, wenn ein bis zwei Kinder im Kajak panisch und ohne Vorwarnung aufstehen? Es kippelt gefährlich. Unsere beiden Kajaks gerieten also mehrfach ordentlich ins Wanken, so dass ich stetig damit rechnete, ins Wasser zu fallen. Die Schiffsschaukel, die wir bisher nur vom Rummel und vom Spielplatz kannten, bekam so eine völlig neue Bedeutung.
Auch mein Göttergatte und Spinnenheld, der uns Krabbeltiere sonst vom Hals hält, war machtlos. Er kann im Kajak nicht einfach zum ganz vorn sitzenden Kind laufen und die Spinne retten (oder das Kind – das ist in dem Fall eine Frage der Perspektive). Praktisch lief es dann mehrfach so, dass ich mein Kajak an das Kajak meines Mannes lenkte und versuchte, mit dem Paddel die Bedrohung aus dem Nachbarboot zu entfernen.
Der einzig schöne und idyllische Teil des Tages war die Mittagsrast am Hafen von Lübben, wo wir unbelästigt von Wespen unser Essen genießen konnten. Auf dem Rückweg ließen wir die ängstlichen Kinder aussteigen und ein Stück des Weges am Ufer laufen. Kurz vor der Rückkehr zu unserem Kajakverleih verirrten wir uns dann auch noch, weil wir vom Insektenvertreiben so abgelenkt waren, dass wir die richtige „Abfahrt“ verpassten. Immerhin sind wir nicht umgekippt und trocken geblieben. Unser Fazit: Das war die erste und letzte Familienpaddeltour. Von meiner Idee, den Spreewald mit dem SUP zu erkunden, habe ich nach dieser Erfahrung Abstand genommen.
Tiere haben wir also jede Menge gesehen, aber weder Biber noch Eisvogel. Denn dafür muss man sehr still durch die Natur fahren. Das ist im Kajak durchaus möglich, aber nicht, wenn man Kinder mit Insektenphobie dabei hat. Ich glaube, der Spreewald ist froh, dass er uns wieder los ist und ich glaube das beruht auf Gegenseitigkeit. Wir kommen sicher trotzdem wieder, aber dann zu Fuß oder mit dem Rad.
Eure Lausitz-Mummy





