Nur für Mama!

Datum: Donnerstag, 31. März 2016 08:19

außen
Wenn die Kleinen Pinsel und Farbe für sich entdecken, sollten Eltern je nach Alter und Temperament des Kindes gut ausgerüstet sein: Malerkittel, Tischdecke, Lappen und Platz an den Wänden, um die Kunstwerke aufzuhängen. Was für die Eltern zunächst mit Arbeit verbunden ist, macht dem Kind Spaß und vielleicht sind die ersten bunten Kleckse auf weißem Papier ja der Beginn einer großen Künstlerkarriere. In jedem Fall profitieren kleine Künstler vom Malen, Zeichnen und Basteln. Wissenschaftler sprechen von „ästhetischer Bildung“. Ganz gleich, wie man es nennt: Wenn Kinder zu Künstlern werden, folgen sie unbewusst einem ganzheitlichen Lernansatz. Sie sind mit Kopf und Gefühl, mit Körpereinsatz und ihren Sinnen aktiv. Das bietet sonst weder die Schule noch der Sport.
Zunächst einmal fördert der Umgang mit Stift, Pinsel und Schere die Motorik, welche Kinder z.B. fürs Schreiben, Schwimmen oder Fangen eines Balls brauchen. Kinder, die viel mit unterschiedlichen Materialien zu tun haben, schulen zudem ihre Wahrnehmung. Sie machen sich bewusst, wie ihre Umwelt aussieht, riecht, sich anfühlt, sich anhört. Warmer, trockener Strandsand rieselt durch die Hand, nasser kalter Matsch klebt. Alufolie knistert anders als einfaches Papier. Kinder wollen die Welt entdecken, sich mit ihr austauschen. Sie konstruieren ihr eigenes Selbstbild und ihr Weltbild, das geschieht vor allem über Ästhetik, also z.B. malen, zeichnen, bauen. Bilder, die bis dahin nur im Kopf der Kleinen existierten, gibt es jetzt auch auf Papier. Wenn die Kleinen selbst kreativ und aktiv werden, schaffen sie Bilder, während sie beim Fernsehen oder auch beim Anschauen von Bilderbüchern nur passiv vorgegebene Bilder verfolgen.
Kunst kann auch ein Sprachrohr für Kleine sein. Wenn sie etwas zu Papier bringen, verarbeiten sie es. Das gilt nicht nur für traurige Erlebnisse. Auch schöne Dinge, wie der letzte Familienausflug, beschäftigen die Kleinen. Durch das Zeichnen verarbeiten sie das Erlebte. Was ebenso wenig zu unterschätzen ist: Kunst kann das Selbstbewusstsein stärken. Wer etwas selbst geschaffen hat – sei es ein Bild oder eine große Sandburg – ist stolz darauf: Mama und Papa schaut her, das habe ich ganz allein gemacht! Schon mit ein oder zwei Jahren wollen Kinder möglichst viel allein machen: trinken, anziehen, eincremen. Was im eng getakteten Alltag manchmal zu kurz kommt, kann der Nachwuchs im Kinderzimmer oder draußen üben: selbständig werden.

Ohne Kreativität keine Kunst
Das größte Plus, wenn Eltern den kleinen Künstlern freien Lauf lassen: Es fördert ihre Fantasie und Kreativität. Egal ob mit Buntstiften, Pinseln, Pappkartons oder Bausteinen: Sobald die Kleinen nicht vor dem Bildschirm sitzen oder nach Anleitung basteln und malen, können sie eigene Ideen umsetzen, etwas Neues schaffen. Das regt das Gehirn an, zwischen den Nervenzellen entstehen neue Verbindungen. Wer von früh an kreativ ist, hat langfristig etwas davon. Studien belegen, dass es kreative Köpfe in der Schule leichter haben: Wer viel bastelt und zeichnet, schneidet beim Sprechen, Schreiben und Rechnen oft überdurchschnittlich gut ab. Wer kreativ ist, ist flexibel im Denken, er denkt „um die Ecke“, findet Lösungen, wo andere schon aufgegeben haben. Er ist offen für Neues und für Anregungen von außen. Spätestens beim Einstieg ins Berufsleben sind diese „soft skills“ Gold wert. In jedem Kind steckt ein gewisses kreatives Potential. Daraus wird nicht immer ein Maler oder Entdecker. Nichtsdestotrotz tun Eltern gut daran, die Kreativität ihrer Kinder zu fördern. Manch einem Kind reicht dafür eine Kiste mit Stiften, Farben und Papier. Ein anderes Kind muss erst angeschubst werden, indem die Eltern Anregungen geben zum Basteln und Bauen oder indem sie gleich selbst mit zu Bauherren werden.
Wer die natürliche Neugier der kleinen Forscher und Entdecker unterstützen will, fängt am besten bei der Kinderzimmer-Ausstattung an. Dabei gilt: Weniger ist mehr. Wenig Spielzeug, viel Platz. Platz zum Bauen von Türmen, Höhlen, Buden, Burgen. Ein Zuviel an Spielzeug kann die Kleinen überfordern. Je kleiner die Kinder, desto anspruchsloser sind sie bei der Wahl der Spielsachen. Sie können sich mit einem Topf oder Wäscheklammern ebenso lange beschäftigen wie draußen mit Stock und Steinen. Mit ihrer Fantasie machen sie den Pappkarton zum Auto und den Ball zur Eiskugel. Sinnvoll ist eine Kiste oder Schublade mit Materialien für kreative Stunden. Dort gehören als Basisausstattung Stifte, Farben, Papiere hinein. Dann können die Kinder ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Wer ein paar Anregungen braucht, findet diese in Bastelbüchern, auf entsprechenden Internetseiten und am Ende des Textes. Neben dem Malen und Basteln fördert das Geschichtenerzählen die kindliche Fantasie. Neben dem klassischen Kinderbuch sind Wimmelbücher geeignet, in denen die Eltern – am besten gemeinsam mit den Kindern – eigene Geschichten entdecken und erzählen können. Eine im Idealfall zuvor selbst gebastelte Puppenbühne animiert ebenso zum Geschichtenerzählen. Mit größeren Kindern können die Eltern gemeinsam Geschichten erzählen. Ein Beispiel: Der Nachwuchs gibt ein paar Stichwörter vor, Mama oder Papa fädeln daraus eine Geschichte. Alternativ kann auf der Puppenbühne die liebste Vorlesegeschichte nachgespielt werden. Als Darsteller eignen sich spezielle Handpuppen, die es zu kaufen gibt, die aber auch selbst gebastelt werden können, ebenso Teddy, Krokodil und Co. aus dem kindlichen Plüschtier-Fundus. Das Motto „Weniger ist mehr“ gilt übrigens auch für die Rolle der Eltern – also: die Kleinen einfach mal machen lassen. Wer die Fantasie seiner Kinder fördern will, sollte sie nicht begrenzen. Stattdessen sollte der Nachwuchs ermuntert werden, die Geschichte selbst zu Ende zu erzählen, selbst Vorschläge zu machen, wie die Burg aussehen kann.
Eltern sollten auch nicht versuchen, die Bilder und Bastelarbeiten ihrer Kinder zu verschönern. Erstens liegt Schönheit bekanntlich im Auge des Betrachters, zweitens ist der Junior nur dann richtig stolz auf sein Kunstwerk, wenn er es tatsächlich allein geschaffen hat. Die Großen sollten sich nicht nur mit Verschönerungsvorschlägen zurückhalten, sondern auch mit Hilfsangeboten. Stattdessen sollten sie die Kleinen ermuntern, entsprechend ihrem Alter möglichst viel allein zu schaffen. Zweijährige können durchaus schon mit Schere und Kleber hantieren. Schlussendlich sollten die Eltern ungewöhnliche Ideen ihrer Kinder hinnehmen und anerkennen. Warum soll die Sonne nicht auch mal grün sein oder eckig? Das vermeintlich Richtige und Vernünftige lernen die Kinder früher oder später ohnehin.